LERN-Jahrestagung 2024 – Krisen

Wie steht es um unser Bildungssystem? Krisen anerkennen, Lösungsansätze gestalten”

Die interne Wissenschaftliche Jahrestagung 2024 fand am 14. und 15. Mai in Tübingen statt und wurde gemeinsam vom HIB | Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung und dem IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien ausgerichtet.

Detailliertes Programm

10:15-11:00

Ankunft und Check-In (inkl. Kaffeepause)
Foyer

11:00-11:30

Begrüßung und Einführung in Ablauf und Ziele
Ulrike Cress (IWM), Ulrich Trautwein (HIB)
K2

11:30-12:30

Parallele Sessions 1 + 2

12:30-13:30

Mittagspause
Foyer

13:30-14:30

Parallele Sessions 3 + 4

14:30-15:15

Gemeinsamer Spaziergang durch die Altstadt
Treffpunkt Foyer

15:15-16:15

Posterpräsentationen inkl. Kaffeepause
Foyer

16:30-17:30

Session 5 | Roundtables

17:30-18:30

Session 6 | Impulsvorträge

18:15

Gemeinsamer Spaziergang zum Restaurant und Abendessen
Treffpunkt Foyer

Detailliertes Programm

08:30-09:00

Ankunft und Check-In
Foyer

08:45-09:00

Begrüßung
K2

09:00-10:00

Parallele Session 7 + 8

10:00-11:00

Session 9 | Roundtables

11:00-11:20

Session 10a
K2

11:20-11:50

Session 10b

11:50-12:00

Wrap-Up und Verabschiedung
K2

12:00-13:00

Mittagspause
Foyer

13:00-16:00

24. LERN-Mitgliederversammlung
K2

Detailliertes Programm

The Role of Firms for Children’s Development

Mathias Huebener (BiB, IZA Bonn), Malin Mahlbacher (BiB, U Mainz), Susanne Schmid (U Oldenburg, U Bamberg), Gundula Zoch (U Oldenburg, LIfBi)

Prior to becoming mothers, women now spend more time in the labour market and in professional activities. This trend continues after childbirth, resulting in a significant shift in family life and early childhood environments. While a large body of literature analyses the impact of maternal employment on child development, limited attention has been given to the role of pre-birth labour market experience, job characteristics, and firm characteristics. Nevertheless, these factors play a crucial role in resource accumulation, women’s re-entry into the labour market, and their ability to reconcile work and family life after giving birth.

However, evidence regarding the role of maternal pre-birth employment (characteristics) for child development remains scarce. This study aims to fill this research gap by utilizing rich panel data on child development from the German National Education Panel Study, linked to administrative data on mothers’ employment histories (NEPS-SC1-ADIAB7521, 2012-2021). In the first step, we employ an event study approach to investigate how pre-birth firm characteristics, particularly family-friendliness, affect maternal re-entry into the labour market and employment after childbirth. In the second step, using OLS regression models, we analyse whether maternal work experience, employment conditions, and workplace characteristics before giving birth are related to child development over time. We examine cognitive and non-cognitive measures of child development, including vocabulary scores, mathematical literacy, and the SDQ, throughout the first ten years of children’s lives.

Preliminary OLS results suggest that higher pre-birth wages are beneficial for cognitive child development up to age ten, whereas precarious aspects, such as fixed-term employment, are correlated with more behavioural problems. However, mother’s firm characteristics prior to birth are not related to cognitive or non-cognitive child development.

Förderung mathematischer Basiskompetenzen in der frühen Bildung: Das Potential verkörperlichten Lernens

Stephanie Roesch (HIB, LEAD), Julia Bahnmueller (U Loughborough, UK, LEAD), Korbinian Moeller (U Loudghborough, UK, IWM, LEAD)

Die Grundlagen für ein erfolgreiches Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens werden bereits im frühkindlichen Bildungsbereich gelegt. Entsprechend erscheinen Förderansätze, die bereits in diesem Altersbereich einsetzbar sind, besonders vielversprechend. Im Hinblick auf die Förderung mathematischer Basiskompetenzen wird aktuell das Potential verkörperlichter Lernansätze diskutiert. Im Fokus stehen dabei unter anderem die Fragestellungen, (i) inwiefern fingerbasierte Strategien (z.B. Fingerzählen oder Fingermengen simultan darstellen) förderlich für die Entwicklung mathematischer Basiskompetenzen sind und (ii) wie Förderansätze in der frühen Bildung gestaltet sein müssen, sodass mathematische Konzepte erfolgreich mit den Fingern als verkörperlichte Anschauungshilfe vermittelt werden können. Um diesen Fragen nachzugehen, wurden und werden im Rahmen des DFG-geförderten Projektes «Finger und Zahlen» mehrere Studien durchgeführt.

An Studie 1 nahmen n=156 Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren teil. Erfasst wurden mathematische Basiskompetenzen (Zählen, Anzahlverständnis und Rechenfähigkeit) sowie Kompetenzen in Bezug auf die Verwendung fingerbasierter Strategien. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl das Zählen mit den Fingern als auch das simultane Darstellen von Fingermengen über Einflüsse von Alter und allgemeine Denkfähigkeit hinaus positiv mit mathematischen Basiskompetenzen assoziiert sind.

Aufbauend auf diesen korrelativen Befunden wird aktuell in Studie 2 ein RCFT durchgeführt, um die Wirksamkeit eines neu entwickelte Förderkonzept zu evaluieren. Dabei wird in 26 Kindergärten (n=274) die Wirksamkeit eines neu entwickelten, fingerbasierten mathematischen Förderkonzept im Vergleich zu einer herkömmlichen, nicht-fingerbasierten mathematischen Förderung sowie einem sprachlichen Alternativtraining untersucht.

Im Vortrag werden zuerst die Ergebnisse von Studie 1 präsentiert, bevor im Hauptteil das neu entwickelte Förderkonzept sowie das Design der Evaluationsstudie vorgestellt werden.

Die Allokation knapper Ressourcen in der Erwachsenenbildungin Krisenzeiten: Das Angebot von Deutschkursen und anderen Programminhalten an deutschen Volkshochschulen vor und während der Corona-Pandemie

Kerstin Hoenig (DIE) und Verena Ortmanns (DIE)

Aufgrund steigender Flüchtlingszahlen ist die Nachfrage nach Integrationskursen für neu angekommene Migrant*innen in den letzten zehn Jahren exponentiell angestiegen. In diesem Zeitraum haben sich Volkshochschulen (vhs) als Hauptanbieter dieser Kurse etabliert. Der rasante Ausbau der Integrationskurse hat das traditionell breit gefächerte Angebotsportfolio der vhs stark verändert und einen seit den 1980er Jahren anhaltenden langsamen Rückgang der Unterrichtsstunden und Teilnehmenden beendet. Mehrere Studien deuten jedoch darauf hin, dass der exponentielle Anstieg der Integrationskurse an vhs einen Verdrängungseffekt von anderen Kursangeboten aus dem Programm ausgelöst hat, was sich auf das Gesamtangebot der Erwachsenenbildung auswirkt. Ziel dieses Beitrags ist es, festzustellen, ob sich dieser Verdrängungseffekt während der Corona-Pandemie, als die vhs mit einer Reihe von Einschränkungen und Engpässen konfrontiert waren, verstärkt hat. Unter Verwendung von Daten aus der jährlichen Volkshochschul-Statistik schätzen wirTwo Level Fixed Effect Modelle, die die Anzahl der Flüchtlinge auf Kreisebene als exogenes Treatment verwenden, das die Anzahl der Integrationskurse und anderer Kurse bestimmt. Die Ergebnisse zeigen, dass es vor dem Ausbruch der Pandemie einen schwachen Verdrängungseffekt gab: Die Zahl der allgemeinen Kursstunden ging mit steigenden Flüchtlingszahlen auf Kreisebene leicht zurück, während die Zahl der Deutschkursstunden zunahm. Dieser Verdrängungseffekt war während der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 stark verstärkt. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die vhs während der Pandemie Sprachkurse für Migrant*innen in ihrer Programmplanung bewusst priorisierten und damit einen wichtigen Beitrag zuderengesellschaftlicher Integration leisteten. Gleichzeitig weisen sie auf einen Mangel an Resilienz im Bereich der öffentlich finanzierten Erwachsenenbildung in Deutschland hin, der behoben werden muss, um auch in Krisenzeiten einen angemessenen Zugang zu Weiterbildung für alle Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten.

Erwerb und Förderung deutscher Sprachkompetenzen bei geflüchteten Kindern im Vorschulalter

Julian Seuring (LIfBi) und Gisela Will (LIfBi)

Im Zuge der Fluchtzuwanderung Mitte der 2010er Jahre kamen auch viele Kinder im Vorschulalter nach Deutschland. Die Inklusion dieser Kinder in das Bildungssystem ist mit spezifischen Herausforderungen verbunden. Der Erwerb der deutschen Sprache nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Dies stellt sowohl die Kinder als auch die Bildungseinrichtungen vor besondere Aufgaben.

Bislang liegen kaum Erkenntnisse zum Sprachstand von neuzugewanderten, geflüchteten Kindern sowie ihrem Deutschspracherwerb vor. Mit den Daten der BMBF geförderten Studie „ReGES – Refugees in the German Educational System“ (Will et al. 2021) kann nun anhand objektiver Testergebnisse zum deutschen Wortschatzvermögen (PPVT, Lenhard & Lenhard 2015) der Sprachstand geflüchteter Kinder im Vorschulalter bestimmt werden. Dabei zeigt sich, dass viele geflüchtete Kinder (4-6 Jahre) – nach etwa zweieinhalb Jahren in Deutschland – im Wortschatz weit hinter dem durchschnittlichen Niveau für ihr Alter liegen und im Verlauf von weiteren zwei Jahren nur sehr langsam aufholen.

Vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage untersucht der vorliegende Beitrag weiterhin, welche Bedeutung die institutionelle Förderung für den Deutschspracherwerb der geflüchteten Kinder einnimmt. Die Befunde multivariater Analysen weisen auf einen positiven Zusammenhang zwischen den deutschen Wortschatzkompetenzen der geflüchteten Kinder und dem Besuch einer Kindertageseinrichtung hin. Insbesondere die gezielte Sprachförderung im Rahmen der Betreuungseinrichtung erweist sich dabei als ausschlaggebend. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder, die allgemein wenig Kontakt zur deutschen Sprache haben oder zuhause wenig Unterstützung beim Deutschlernen erhalten, in besonderem Maße vom Besuch einer Kindertageseinrichtung und der damit verbundenen Sprachförderung profitieren. Gleichzeitig kann jedoch nicht beobachtet werden, dass Kinder mit diesen Voraussetzungen auch häufiger an Maßnahmen zur Sprachförderung teilnehmen. Die Befunde des Beitrags werden auch in Bezug auf frühere Forschungsarbeiten, die auf vergleichsweise geringe Teilnahmequoten geflüchteter Kinder an institutioneller Kinderbetreuung (Homuth et al. 2021) und formaler Sprachförderung (Will et al. 2018) hinweisen, diskutiert.

Literatur

Homuth, C., Liebau, E., and Will, G. (2021). The role of socioeconomic, cultural, and structural factors in daycare attendance among refugee children. Journal of Educational Research Online, 13, 16–77. https://doi.org/10.31244/jero.2021.01.02

Lenhard, A., Lenhard, W., Segerer, R., & Suggate, S. (2015). Peabody picture vocabulary test – 4. Ausgabe. Pearson Assessments.

Will, G., Balaban, E., Dröscher, A., Homuth, C. & Welker, J. (2018). Integration von Flüchtlingen: Erste Ergebnisse der ReGES-Studie (LIfBi Working Paper No. 76). Bamberg: Leibniz-Institut für Bildungsverläufe.

Will, G., Homuth, C., Von Maurice, J., & Roßbach, H.-G. (2021). Integration of Recently Arrived Underage Refugees: Research Potential of the Study ReGES—Refugees in the German Educational System. European Sociological Review, 37(6), 1027–1043. https://doi.org/10.1093/esr/jcab033

Schulentwicklung an Schulen in herausfordernden Lagen ko-konstruktiv gestalten: Erste Erfahrungen des SchuMaS-Forschungsverbunds

Alexandra Marx (DIPF)

Die Gestaltung einer erfolgreichen Schul- und Unterrichtsentwicklung ist an Schulen in sozial benachteiligten Lagen aufgrund der vielfachen Belastungen, denen diese Schulen ausgesetzt sind, häufig besonders herausfordernd. Um Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozesse wirksam zu unterstützen, ist für diese Schulen eine kontextsensible Unterstützung der Qualitätsentwicklung wichtig, bei der die jeweiligen regionalen Besonderheiten, Herausforderungen und Potenziale der Einzelschule explizit berücksichtigt werden (van Ackeren et al., 2021). Entsprechend sind in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Projekte und Initiativen zur passgenauen Unterstützung von Schulen in sozial herausfordernden Lagen entstanden (vgl. Braun und Pfänder (2022) für eine Übersicht). Insgesamt zeigen sich on diesen Programmen, erste Erfolge in Hinblick auf Verbesserung der Schul- und Unterrichtsqualität zu erzielen, allerdings sind solche Effekte nicht in allen Studien zu finden und scheinen zudem stark von den jeweiligen schulischen Gegebenheiten abzuhängen. Es besteht daher eine hohe Notwendigkeit nach einer Analyse von wirksamen Maßnahmen zur nachhaltigen Unterstützung der Qualitätsentwicklung an Schulen in herausfordernden Lagen.

Im Forschungsverbund „Schule macht stark – SchuMaS“ begleiten und unterstützen insgesamt 13 beteiligte Verbundeinrichtungen die Schul- und Unterrichtsentwicklung, die Professionalisierung der pädagogisch-didaktisch Tätigen sowie die Vernetzung in den Sozialraum an deutschlandweit 200 Schulen in herausfordernden sozialen Lagen aus Primar- und Sekundarstufe I. Zentrales Ziel der forschungsbasierten und praxisorientierten Begleitung und Unterstützung der Schulen ist die Förderung sprachlicher und mathematischer Basiskompetenzen sowie des sozialen Lernens und der Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler, um damit einen Beitrag zum Abbau sozialer Ungleichheiten im Bildungserfolg zu leisten. Die explizite Berücksichtigung spezifischer Rahmenbedingungen und Problemlagen der Schulen erlaubt eine differenzierte Betrachtung vor allem der bislang offenen Frage danach, unter welchen Voraussetzungen Entwicklungsmaßnahmen überhaupt eine nachhaltige Wirkung in der schulischen Praxis erzielen. Im Vortrag wird das bis Ende 2025 laufende Vorhaben dargestellt sowie erste Erkenntnisse zur Schul- und Unterrichtsentwicklung an den beteiligten Schulen präsentiert.

Literatur
Braun, L. & Pfänder, H. (2022). Unterstützung von Schulen in herausfordernden Lagen: Eine vergleichende Darstellung aktueller Programme. Düsseldorf: Wübben-Stiftung. Online verfügbar unter: https://www.wuebben- stiftung.de/wp-  content/uploads/2022/09/WS_UnterstuetzungvonSchuleninherausforderndenLagen_Expertise.pdf.

van Ackeren, I., Holtappels, H.G., Bremm, N. & Hillebrand-Petri, A. (2021.), Schulen in herausfordernden Lagen – Forschungsbefunde und Schulentwicklung in der Region Ruhr. Das Projekt “Potenziale entwickeln – Schulen stärken”. Weinheim: Beltz Juventa

Überzeugungen von Lehrkräften zur Validität bildungswissenschaftlicherErkenntnisse: Ein narratives Review

Tom Rosman (ZPID), Kirstin Schmidt (PH Karlsruhe), Samuel Merk (PH Karlsruhe)

Evidenzbasiertes schulisches Handeln stellt eine wichtige überfachliche Kompetenz von Lehrkräften darund erfährtin der Bildungspolitik eine zunehmende Bedeutung (Bauer & Prenzel, 2012).Forschungsbasierte Erkenntnisse haben das Potenzial, die beruflichen Entscheidungenvon Lehrkräften zu verbessern und zu validieren, und diese gleichzeitig dazu zu ermutigen, ihre eigene Praxis kritisch zu reflektieren (Thomm et al., 2021). Trotzdem sind Lehrkräfte häufig zurückhaltend, wenn es darum geht, wissenschaftliche Erkenntnisseim Unterricht zu nutzen, und ziehen beispielsweise anekdotische Evidenz wissenschaftlichen Erkenntnissen vor (Menz et al., 2021; Nägel et al., 2023).

Diese Zurückhaltunghat zweifellos eine Vielzahl von Gründen. Auf einer individuellen Ebene spielen Überzeugungen zur Validität und praktischer Anwendbarkeit bildungswissenschaftlicher Erkenntnisse (validity beliefs) eine besondere Rolle, da siebeeinflussen, wie Lehrkräfte verschiedene Wissensquellen bewerten, wie sie Informationen interpretieren und was sie anschließend in die Praxis übertragen (Nägel et al., 2023). Allerdings ist die Evidenzlage zu den Prädiktoren und Konsequenzen solcher validity beliefs bei Lehrkräften relativ dünn; zudem gibt es eine starke Heterogenität hinsichtlich der Operationalisierung des Konstrukts.

Vor diesem Hintergrund präsentiert der Beitrag die Ergebnisse einer systematischen Literaturrecherche zu validity beliefs bei Lehrkräften in Form eines narrativen Reviews. Der Beitrag beginnt mit einer konzeptuellen Einordnung des Konstrukts, gefolgt von einer Abgrenzung zu Konstrukten wie epistemischen Überzeugungen und Wissenschaftsvertrauen.Im Anschluss werden die Effekte von validity beliefs auf dasschulische Handelnvon Lehrkräften, aufgegliedert nach Quellenwahl (z. B.Kiemer & Kollar, 2021; Nägel et al., 2023) und Unterrichtsverhalten (z. B. Hugh et al., 2022; Lysenko et al., 2014), diskutiert. Der Beitrag schließt mit einer Diskussion möglicher Prädiktoren von validity beliefs. Hierzu zählen externe Faktoren wie beispielsweise das Schulumfeld (Brown & Zhang, 2017) sowie interne Faktoren wie themenbezogene Überzeugungen (Futterleib et al., 2022; Schmidt et al., 2022), Selbstwirksamkeit (Thomm et al., 2021), epistemische Überzeugungen (Merk et al., 2017) oder Wissenschaftsvertrauen (Rosman & Grösser, 2023).

Literatur
Bauer, J., & Prenzel, M.(2012). Science education. European teacher training reforms.Science, 336(6089), 1642–1643. https://doi.org/10.1126/science.1218387

Brown, C., & Zhang, D. (2017). Accounting for discrepancies in teachers’ attitudes towards evidenceuse and actual instances of evidence use in schools. Cambridge Journal of Education, 47(2),277–295. https://doi.org/10.1080/0305764X.2016.1158784

Futterleib, H., Thomm, E., & Bauer, J. (2022). The scientific impotence excuse in education – Disentangling potency and pertinence assessments of educational research. Frontiers inEducation, 7, Article 1006766. https://doi.org/10.3389/feduc.2022.1006766

Hugh, M.L., Johnson, L.D., & Cook, C. (2022). Preschool teachers’ selection of social communication interventions for children withautism: An application of the theory of planned behavior. Autism: The International Journal of Research and Practice, 26(1), 188–200. https://doi.org/10.1177/13623613211024795

Kiemer, K., & Kollar, I. (2021). Source selection and source use as a basis forevidence-informedteaching. Zeitschrift Für Pädagogische Psychologie, 35(2-3), 127–141. https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000302

Lysenko, L.V., Abrami, P.C., Bernard, R.M., Dagenais, C., & Janosz, M. (2014). Educational research ineducational practice: Predictors of use. Canadian Journal of Education, 37(2), 1–26.

Menz, C., Spinath, B., & Seifried, E. (2021). Where do pre-service teachers’ educational psychological misconceptions come from? Zeitschrift Für Pädagogische Psychologie, 35(2-3), 143–156. https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000299

Merk, S., Rosman, T., Rueß, J., Syring, M., & Schneider, J. (2017). Pre-service teachers’ perceived valueof general pedagogical knowledge for practice: Relations with epistemic beliefs and sourcebeliefs. PloS ONE,12(9), e0184971. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0184971

Nägel, L., Bleck, V., & Lipowsky, F. (2023). “Research findings and daily teaching practice are worldsapart” – Predictors and consequences of scepticism toward the relevance of scientific contentfor teaching practice. Teaching and Teacher Education,121, 103911. https://doi.org/10.1016/j.tate.2022.103911

Rosman,T., & Grösser,S. (2023). Belief updating when confronted with scientific evidence: Examiningthe role of trust in science.Public Understanding of Science, 9636625231203538.https://doi.org/10.1177/09636625231203538

Schmidt, K., Rosman, T., Cramer, C., Besa, K.‑S., & Merk, S. (2022). Teachers trust educational science-Especially if it confirmstheir beliefs. Frontiers in Education,7, Article 976556. https://doi.org/10.3389/feduc.2022.976556

Thomm, E., Sälzer, C., Prenzel, M., & Bauer,J. (2021). Predictors of teachers’ appreciation of evidence-based practice and educational research findings. Zeitschrift Für Pädagogische Psychologie,35(2-3), 173–184. https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000301

Förderschulen und Inklusion in Deutschland. Veränderungen der Schülerschaft mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen seit der Ratifizierung der UN- BRK hinsichtlich verschiedener bildungsrelevanter Indikatoren

Sandra Hubert (LIfBi) und Lena Nusser (LIfBi)

Im Jahr 2009 unterzeichnete Deutschland die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK).1 Seitdem verpflichtet Artikel 24 der BRK den Staat, ein inklusives Bildungssystem aufzubauen und Schülerinnen und Schüler (SuS) mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) vor Diskriminierung und Marginalisierung zu schützen. Ziel des inklusiven Bildungssystems ist es, dass alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihren individuellen Lernvoraussetzungen gemeinsam lernen und dabei bestmöglich individuell gefördert werden. Im Vergleich zu SuS an segregierten Förderschulen erreichen inklusiv lernende SuS an Regelschulen höhere Kompetenzwerte (Kocaj et al., 2014; Krämer et al., 2021; Stranghöner et al., 2017). Außerdem verlassen inklusiv lernende SuS mit SPF die Schule seltener ohne Schulabschluss (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2014, Hollenbach-Biele und Klemm, 2020). Da Inklusionsmaßnahmen regional sehr unterschiedlich vorangetrieben werden, variiert die schulische Implementation inklusiver Bildung und ist der Zugang zu einem inklusiven Schulsystem nicht überall gleichermaßen gegeben. Zuletzt wurde Deutschland 2023 vom zuständigen UN-Fachausschuss für seine zurückhaltenden Inklusionsbemühungen gerügt (Committee on the Rights of Persons with Disabilities, 2023). Der vorliegende Beitrag verdeutlicht erstens Veränderungen und Entwicklungen auf der Makroebene des Bundes für die einzelnen Förderschwerpunkte in den letzten Jahren. Es offenbaren sich zudem Besonderheiten: während sowohl der Inklusionsanteil als auch die Inklusionsquote ansteigen, sinkt die Exklusionsquote nicht im vergleichbaren Ausmaß.

Zweitens werden auf der Basis der Startkohorte 3 des NEPS die Lernbedingungen von SuS mit SPF im Förderschwerpunkt Lernen im Schuljahr der Unterzeichnung der BRK im Hinblick auf die soziale Komposition, die Situation zu Hause, die Lesegewohnheiten, das schulische Selbstkonzept, die (idealistischen und realistischen) Schulabschlussaspirationen sowie die subjektive Gesundheit und Zufriedenheit zu Beginn der Sekundarstufe dargestellt und ein Ausblick auf die Veränderungen im Jahre 2022, die perspektivisch auf der Basis der neuen NEPS-Startkohorte 8 analysiert werden können, gegeben. Drittens kann anhand der Daten die Heterogenität der Schülerschaft mit SPF im Förderschwerpunkt Lernen aufgezeigt werden.

1 https://www.un.org/development/desa/disabilities/convention-on-the-rights-of-persons-with- disabilities/convention-on-the-rights-of-persons-with-disabilities-2.html.

Literatur:
Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2014): Bildung in Deutschland 2014. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderungen. Gütersloh: wbv.

Committee on the Rights of Persons with Disabilities (2023): Concluding observations on the combined second and third periodic reports of Germany. Online: https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/15/TreatyBodyExternal/TBSearch.aspx?Lang=en&Treaty ID=4&DocTypeID=5.

Kocaj, A., Kuhl, P., Kroth, A. J., Pant, H. A. & Stanat, P. (2014). Wo lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besser? Ein Vergleich schulischer Kompetenzen zwischen Regel- und Förderschulen in der Primarstufe. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 66(2), 165–191. https://doi.org/10.1007/s11577-014-0253-x.

Krämer, S., Möller, J. & Zimmermann, F. (2021). Inclusive education of students with general learning difficulties: A meta-analysis. Review of Educational Research, 91(3), 432–478. https://doi.org/10.3102/0034654321998072.

Stranghöner, D.; Hollmann, J.; Otterpohl, N.; Wild, E. & Lütje-Klose, B. (2017): Inklusion versus Exklusion: Schulsetting und Lese-Rechtschreibentwicklung von Kindern mit Förderschwerpunkt Lernen. Zeitschrift für pädagogische Psychologie 31, H. 2. 125–136. https://doi.org/10.1024/1010-0652/a000202.

Hollenbach-Biele, N. & Klemm, K. (2020): Inklusive Bildung zwischen Licht und Schatten: Eine Bilanz nach zehn Jahren inklusiven Unterrichts: Eine Bilanz nach zehn Jahren inklusiven Unterrichts. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

Der umgekehrte relative Alterseffekt (RAE) in der inklusiven Bildung

Christiane Lange-Küttner (LIfBi)

Die Kompetenz in Deutsch und Mathematik nimmt in der Adoleszenz zu (Freund et al., 2021). Mathematikkenntnisse entwickeln sich weiter als die der deutschen Sprache. Die Prognose wäre also, dass ältere Schüler*innen mehr Wissen, höhere Kompetenzen und bessere Noten haben als jüngere. Auch in der Sportpsychologie besagt ein relativer Alterseffekt (RAE), dass Kinder, die direkt nach einem Stichtag rekrutiert werden begünstigt sind, weil sie älter sind, während diejenigen am Ende des Rekrutierungsjahres jünger und kleiner sind, und vermeintlich weniger kognitive und körperlicher Stärken aufweisen (Dodd & Newans, 2018; Musch & Grondin, 2001). In der Tat kann das Alter im selben Schuljahr sehr unterschiedlich sein. In Deutschland müssen alle Kinder die Schule besuchen, die 6 Jahre alt sind, aber eine frühere Einschulung mit 5 Jahren ist möglich, wenn die sie die Schuleingangsprüfung schon eher bestehen. Die Schüler*innen können auch erheblich älter sein, weil sie ein Jahr wiederholt haben. Im nationalen Projekt INSIDE zur inklusiven Beschulung von Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Behinderung (SPF) wird der relative Alterseffekt der Schülerinnen und Schüler untersucht, da diese tendenziell älter sind als die Regelschüler*innen in der Klasse. In der 6. Klasse der Sekundarstufe I lag das Alter zwischen 10 und 15 Jahren. Es zeigte sich ein umgekehrt abgestufter Alterseffekt, da die jüngsten Schüler*innen die Besten in Bezug auf Kompetenzen und Schulnoten waren. Ein Jahr später war der RAE bei den Mainstream-Jugendlichen immer noch vorhanden, aber ältere Jugendliche mit SEND hatten sich verbessert. In diesem Längsschnittprojekt stiegen die Kompetenzen in der deutschen Sprache und Mathematik in allen Altersgruppen, sowie auch bei Regelschüler*innen mit SEND, die Noten jedoch nicht. Es wird vorgeschlagen, dass sich verbesserte Kompetenzen in verbesserten Noten widerspiegeln sollten.

Predictors and Consequences of Learning Behavior: The Case of Personality Traits, Motivation, and Learning Outcomes

Hannah Deininger (HIB, PH Karlsruhe), Cora Parrisius (PH Karlsruhe), Rosa Lavelle-Hill (U Kopenhagen), Detmar Meurers (U Tübingen), Gjergji Kasneci (TU München), Ulrich Trautwein (HIB), Benjamin Nagengast (HIB)

We explore the influence of personality traits, specifically conscientiousness and motivation, on learning behavior within an intelligent tutoring system (ITS) for English language learning and its subsequent impact on English proficiency. Drawing upon behavioral trace data collected from a cluster-randomized controlled field study involving 507 seventh-grade students, we investigate whether individual differences predict variations in learning behavior and proficiency scores. We employ cluster analysis to categorize students based on learning behaviors. Preliminary findings suggest a significant relationship between behavioral data and academic performance. The study underscores the importance of considering individual differences in designing ITS, offering insights for personalized learning experiences. The identification of learner clusters based on behavioral data not only enriches theoretical understanding but also informs practical applications for educators, facilitating tailored instructional strategies. This research contributes to optimizing digital learning tools for diverse student populations and emphasizes the significance of person-centered analysis approaches in educational technology development. It holds promise for developing targeted interventions that enhance educational practices and mitigate student failure risks.

Interindividuelle Unterschiede in der Wahrnehmung schulischer Demokratiebildung von Schüler*innen

Annika Francke (IQB) und Cornelia Gresch (IQB)

Der Schule kommt in ihrer Funktion als (politische) Sozialisationsinstanz eine zentrale Rolle in der Demokratiebildung zu. In diesem Kontext kann eine heterogene Schüler*innenschaft einerseits als Chance betrachtet werden, da Schüler*innen den konstruktiven Umgang mit Pluralität in der Schule durch Erfahrung erlernen. Anderseits gilt Heterogenität als eine Herausforderung für Lehrkräfte, da Schüler*innen über unterschiedliche Vorerfahrungen, etwa bei der gemeinsamen Entscheidungs- findung, verfügen (Vock und Gronostaj 2017).

Auf Grundlage ressourcentheoretischer Ansätze ist anzunehmen, dass diese Vorerfahrungen mit dem soziokulturellen Hintergrund der Schüler*innen zusammenhängen. So entscheiden Kinder aus Familien mit höherem sozioökonomischen Status zuhause verstärkt mit und sind auch in der Schule besser in der Lage, Mitsprachemöglichkeiten zu erkennen und positiv aufzugreifen (Alt et al. 2005). Offen ist, inwiefern auch ein Zuwanderungshintergrund mit der wahrgenommenen schulischen Demokratiebildung zusammenhängt. Hier könnten verschiedene Mechanismen greifen, da zugewanderten Eltern der Zugang zu politischer Teilhabe und landesspezifischer politischer Bildung in Deutschland teilweise erschwert wird, was möglicherweise die Vorerfahrungen der Kinder beeinflusst. Vor diesem Hintergrund untersucht der vorliegende Beitrag, ob der sozioökonomische Hintergrund und ein Zuwanderungshintergrund von Schüler*innen mit ihrer Wahrnehmung der schulischen Demokratiebildung zusammenhängen. Datengrundlage bildet eine Befragung von Siebtklässler*innen (N = 1870) des Projekts „INSIDE – Inklusion in der Sekundarstufe I in Deutschland“. Erste Ergebnisse multivariater Analysen weisen auf keinen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Hintergrund von Schüler*innen und ihrer Wahrnehmung der schulischen Demokratiebildung sowie keinen Unterschied zwischen Schüler*innen mit und ohne Zuwanderungshintergrund. Dies kann einerseits bedeuten, dass die familiären Vorerfahrungen keinen Einfluss auf Wahrnehmungen der schulischen Demokratiebildung haben. Andererseits ist möglich, dass unterschiedliche Vorerfahrungen über die Jahre in der Schule kompensiert wurden.

Literatur:
Alt, C.; Teubner, M.; Winklhofer, U. (2005): Partizipation in Familie und Schule – Übungsfeld der Demokratie. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 41, S. 24–31.

Vock, M.; Gronostaj, A. (2017): Umgang mit Heterogenität in Schule und Unterricht. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Entwicklung eines tablet-basierten Testinstruments zur Erfassung der Lernausgangslage im Grundschulalter

Benjami Goecke (HIB), Darius Endlich (U Würzburg), Jessika Golle (U Tübingen, HIB), Johanna Hartung (U Bonn), Marcus Hasselhorn (DIPF), Patrick Lösche (DIPF), Stefan Schipolowsk (IQB), Ulrich Schroeders (U Kassel), Ulrich Trautwein (HIB), Oliver Wilhelm (U Ulm)

Lernausgangslagen bei Schulanfänger:innen variieren erheblich. Die Kenntnis der individuellen Ausprägung des kognitiven Potenzials und der Vorkenntnisse ist für eine leistungsförderliche Beschulung aller Schüler*innen unabdingbar. Zur reliablen Einschätzung bedarf es standardisierter Messinstrumente. Während vor der Einschulung routinemäßig Tests zur Erfassung der Lernausgangslage durchgeführt werden, fehlt es an einer zuverlässigen und aussagekräftigen Erfassung der Lernausgangslage zu Beginn der Schulzeit, die jedoch Voraussetzung für jede Art von Intervention ist. Dies kann sowohl testpragmatische als auch ökonomische Gründe haben. Ziel dieses Beitrags ist es, die Entwicklung eines neuen Testinstruments zur Erfassung der Lernausgangslage bei Schuleintritt vorzustellen. Die Testbatterie besteht aus vier Modulen: 1. Kognitives Potenzial, 2. Sprache, 3. Schriftsprachliche Basiskompetenzen und 4. Mathematische Basiskompetenzen. Alle Aufgaben werden tablet-gestützt administriert und können auch in Kleingruppen bearbeitet werden. Individuelle Ergebnisrückmeldungen für die Schüler*innen, die zu Beginn und am Ende der ersten Klassenstufe ausgegeben werden, informieren die Lehrkräfte über die Lernausgangslage bei Schuleintritt und über den Lernzuwachs innerhalb des ersten Schuljahres. Perspektivisch streben wir für die Schuleingangsphase kontinuierliche Normwerte für die Testbatterie an. Bisherige Erprobungen (N > 2000) belegen die exzellenten psychometrischen Eigenschaften. Das vorzustellende Forschungsprogramm adressiert Aspekte der konvergenten und diskriminanten Validität sowie Herausforderungen bei der optimalen Gestaltung von individuellen Leistungsrückmeldungen.

Creating AI-Informed Exercises for the Classroom

Mourhaf Kazzaz (HIB)

DLTPT (Digitalized Language Teaching and Proficiency Testing) is a platform in development. It aims to provide support to teachers in the process of exercise and content creation. It employs natural language processing techniques, machine learning, and large language models such as ChatGPT to process the content chosen by teachers and to provide helpful hints on the suitability of the content to the target level of the classroom.

This research aims for the platform to take over the time management and technical aspects of exercise creation and allow teachers to think critically and creatively about their content. The teachers are provided the digital templates of the exercises along with automatic detailed reports on the performance of these exercises based on student learning analytics. Teachers can also make use of existing expert-validated content on the platform and incorporate it into their classroom exercises. While similar types of platforms exist for STEM sciences, we believe this is a step in the direction of incorporating the current advances in technology into the day-to-day classroom life in a methodical and fruitful manner.

The poster will demonstrate the system and allow interested researchers to interact with it.

https://www.dltpt-platform.uni-tuebingen.de/

Applying Computational Modeling to Ascertain the Role of Emotions in Goal Setting and Performance

Wy Ming Lin (HIB), Lily FitzGibbon (U Stirling, UK), Maria Theobold (DIPF, IDeA), Jasmin Breitwieser (DIPF, IDeA), Garvin Brod (DIPF, IDeA, U Frankfurt), Kou Murayama (HIB, U Kochi, Japan), and Michiko Sakaki (HIB)

In self-regulated learning (SRL), students often set goals and adjust how they subsequently perform on tasks. In addition, emotions have been considered to play a key role in this process, yet the findings on their exact effects on goal setting and performance have been inconsistent. To reconcile the conflicting findings in the literature, we employ computational modeling to investigate the interactions between goals, performance, and emotions to ascertain the exact nature of emotions in SRL. We developed and applied our model to data collected from an online math task (Study 1). Results from Study 1 showed that emotions influenced both goal setting and performance. Specifically, goals were set higher with positive emotions and lower with negative emotions. Furthermore, performance was lower with positive emotions and higher with negative emotions, which is consistent with the predictions from control theory. We next applied the same model to real-life learning data from medical students studying for a high-stakes exam (Study 2). Contrary to Study 1, performance was higher with positive emotions and lower with negative emotions in Study 2. There were no effects of emotions on goal setting in Study 2. These results suggest that the effects of emotions on goals and performance depend on context. Our work also highlights the value of computational modeling to analyze complex dynamic data in education research.

Digitale Kompetenzen von Mathematiklehrkräften in der Grundschule als Chance und Herausforderung für das Bildungssystem

Caroline Marx (PH Karlsruhe), Stephanie Roesch (HIB, LEAD), Korbinian Moeller (LEAD, U Loughborough UK), Christiane Benz (PH Karlsruhe)

Um Schüler*innen auf das Leben in einer zunehmend digitalisierten Welt vorzubereiten, müssen sie sowohl die technische Handhabung als auch einen reflektierten, verantwortungsvollen Einsatz von digitalen Medien erlernen. Die Herausforderung für Lehrkräfte besteht darin, digitale Medien auszuwählen und kompetenzorientiert in ihrem Unterricht einzusetzen. Demzufolge gelten digitale Kompetenzen von Lehrkräften als elementare Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz digitaler Medien im Unterricht.

Die meisten Studien zu digitalen Kompetenzen von Lehrkräften konzentrieren sich jedoch auf die Sekundarstufe und unterscheiden kaum die Nutzung digitaler Medien in verschiedenen Fächern. Daher möchten wir in einer Fragebogenstudie spezifische Einblicke in digitale Kompetenzen von Mathematiklehrkräften der Grundschule gewinnen. Dabei wollen wir vor allem folgende Fragestellungen untersuchen: i) Wie schätzen Mathematiklehrkräfte ihre digitalen Fähigkeiten ein?, ii) Wie sind ihre Einstellungen zum Lernen mit digitalen Medien im Mathematikunterricht?, iii) Wie schätzen sie die IT-Ausstattung ihrer Schule ein?, iv) Welches Grundverständnis von Lernen haben sie (konstruktivistisch oder nicht)? und v) Wie häufig setzen sie digitale Medien in ihrem Mathematikunterricht ein? Zudem werden wir untersuchen, ob die Einstellung gegenüber digitalen Medien im Unterricht sowie die Selbsteinschätzung digitaler Kompetenzen mit der Häufigkeit der Nutzung digitaler Medien im Unterricht korrelieren und ob das Alter der Lehrkräfte einen Einfluss auf Einstellungen zum bzw. den Einsatz digitaler Medien im Unterricht hat.

Um diesen Fragen nachzugehen, haben wir den Fragebogen der International Computer and Information Literacy Study (ICILS) 2018 entsprechend angepasst. Dieser wird aktuell sowohl Lehrkräften in der dritten Phase (z.B. bei Fortbildungen), als auch angehenden Lehrkräften in der ersten und zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung (z.B. in Seminaren, Vorlesungen) zugänglich gemacht mit dem Ziel, Daten von mindestens 250 Grundschullehrkräften zu sammeln. Die gewonnenen Einblicke sollen die Diskussion um den Einsatz digitaler Medien im Mathematikunterricht dahingehend unterstützen, sowohl Chancen als auch zentrale Herausforderungen, z.B. für die zukünftige Gestaltung von Lehrerfort- und -ausbildung oder die technische Ausstattung von Schulen abzuleiten.

Wissenschaftskommunikation im Fokus: Evaluierung des Forschungsprozesses im naturwissenschaftlichen Unterricht

Julia Thomas (IWM) und Joachim Kimmerle (IWM)

Die LERN-Jahrestagung 2024 widmet sich aktuellen krisenhaften Erscheinungen im Bildungssystem und bietet die Möglichkeit, innovative Ansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen zu diskutieren. In meinem Posterbeitrag möchte ich erste Ergebnisse meiner Forschungsarbeit präsentieren, welche sich mit der Untersuchung des naturwissenschaftlichen Forschungsprozesses und deren Auswirkungen auf die Wissenschaftskommunikation befasst. Angesichts von Lehrkräftemangel, fehlenden Kitaplätzen und abnehmenden Lesekompetenzen ist es entscheidend, die Qualität und Transparenz wissenschaftlicher Erkenntnisse im Bildungsbereich zu erhöhen, da die Verfügbarkeit frühkindlicher Bildung einen wesentlichen Einfluss auf die langfristige Bildungsentwicklung von Kindern hat. Dies schließt die gesellschaftliche Bedeutung von Erkenntnisgewinnungskompetenzen mit ein, die besonders im Schulkontext durch mehr wissenschaftliches Arbeiten und Denken früher gefördert werden müssen, um Missverständnisse bei der Interpretation von Forschungsergebnissen zu vermeiden.

Meine Forschung zielt darauf ab, ein videobasiertes Transferinstrument zu evaluieren, welches den naturwissenschaftlichen Unterricht verbessert, indem es den naturwissenschaftlichen Forschungsprozess transparent darstellt. Durch experimentelle Untersuchungen verschiedener Darstellungen der forschenden Person und des Forschungsprozesses werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie wissenschaftliche Unsicherheiten angemessen kommuniziert werden können, ohne die Glaubwürdigkeit der gewonnenen Erkenntnisse einzuschränken. Entwickelt wurden die aufwändigen Transferinstrumente vom Leibniz-Institut für Wissensmedien in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, der Ruhruniversität Bochum und der Leibniz-Universität Hannover im Verbundprojekt „VideT“ (Videobasiertes Transferinstrument).

Die Tagung bietet eine Plattform, um die drängenden Probleme im Bildungssystem anzugehen und vielversprechende Lösungsansätze zu diskutieren. Indem das Verständnis für Forschungsprozesse und wissenschaftliche Unsicherheiten verbessert wird, kann das Wissenschaftsverständnis von Schüler*innen sowie Studierenden gefördert werden und langfristig das Bildungssystem stärken.

Effekte der Arbeit mit Live- und Video-Zeitzeug*innenberichten: Eine cluster-randomi- sierte kontrollierte Interventionsstudie zu Kompetenzen, Wissen und Motivation in der neunten Klasse

Katharina Totter (HIB), Wolfgang Wagner (HIB), Christiane Bertram (HIB), Ulrich Trautwein (HIB)

Der Arbeit mit Live-Zeitzeug*innen im Unterricht wird großes Potenzial zur Förderung von Mo- tivation und Kompetenzen zugeschrieben (Henke-Bockschatz, 2014; Whitman, 2004). Aller- dings wurden Risiken wie fehlende Multiperspektivität und Distanz bei der Förderung von Kompetenzen durch diesen Ansatz im Vergleich zum Lernen mit Videos festgestellt (Bertram et al., 2017). Unsere randomisierte kontrollierte Interventionsstudie im Feld (RCFT) zielte darauf ab, diese Risiken im Rahmen einer Intervention in der 9. Klasse zu adressieren. Wir haben unter- sucht, ob differenzielle Unterschiede hinsichtlich Kompetenzen, Wissen und motivationaler Outcomes zu beobachten sind, wenn mit den Zeitzeug:innen in der Klasse oder per Video gearbeitet wird. Während der Intervention begegneten die Schüler:innen zwei unterschiedlichen Perspektiven auf die deutsch-deutsche Geschichte vor und nach 1990 in Form von Zeitzeug*innen aus Ost- und Westdeutschland aus der “Generation 1975”.

Fünfzig Lehrer wurden randomisiert einer von drei Bedingungen zugewiesen: einer Kontrollgruppe ohne Intervention und zwei Interventionsbedingungen. In den Interventionsgruppen unterrichteten die Lehrer entweder die drei Unterrichtseinheiten mit Zeitzeug:innen, die persönlich in die Klasse kamen (Livebedingung), oder sie zeigten ein Video (Videobedingung).

Die präregistrierte Analyse basierend auf Daten von 1.301 Schüler:innen ergab keine Überlegenheit der Interventionsgruppen gegenüber der Kontrollgruppe in Bezug auf die Kompetenzen und der von den Schüler*innen eingeschätzten Bedeutung von Geschichte für sie selbst. Schüler*innen der Livebedingung schnitten im Vergleich zur Videobedingung nicht schlechter bezüglich ihrer Kompetenzen ab, bewerteten die Unterrichtseinheiten jedoch positiver. Beide Interventionsbedingungen übertrafen die Kontrollgruppe hinsichtlich des erlernten Faktenwissens zur Transformationszeit nach 1990. Im Poster werden zentrale Studienergebnisse sowie weiterführende Analysen vorgestellt.

Literatur:
Bertram, C., Wagner, W. & Trautwein, U. (2017). Learning Historical Thinking With Oral History Interviews: A Cluster Randomized Controlled Intervention Study of Oral History Inter- views in History Lessons. American Educational Research Journal, 54(3), 444–484. https://doi.org/10.3102/0002831217694833

Henke-Bockschatz, G. (2014). Oral History im Geschichtsunterricht. Methoden historischen Lernens. Wochenschau Verlag.

Whitman, G. (2004). Dialogue with the past: Engaging students & meeting standards through oral history. American Association for State and Local History. Altamira Press.

Arbeitsgedächtniskapazität beim Sprachlernen mit dem intelligenten Tutorsystem FeedBook

Katharina Wendebourg (HIB)

Intelligente Tutorsysteme (ITS), können durch individuelles, adaptives Feedback gezielt beim Lernen unterstützen. Gerade beim Spracherwerb sind individuelle Unterschiede der Lernenden von direkter Relevanz (Skehan 1991, Ellis 2004), was automatisiertes individuelles Feedback für eine adaptive Förderung besonders relevant macht. Eines der wenigen wissenschaftlich evaluierten Tutorsysteme ist das FeedBook, das für Englischlernende der siebten Klasse an Gymnasien entwickelt wurde. In einem ersten RCT wurde gezeigt, dass Schüler:innen, die individualisiertes, adaptives Feedback zu grammatikalischen Konstrukten erhalten hatten, bessere Lernleistungen aufwiesen (Meurers, 2019). Unklar ist jedoch, ob alle Lernenden im gleichen Ausmaß von dem individuellen Feedback profitierten. In einer Folgestudie, einem RCT mit N = 616 Schüler*innen, wurde u.a. die Arbeitsgedächtniskapazität erhoben, die als Maß für kognitive Leistungsfähigkeit gilt (Oberauer et al, 2000). Der verwendete n-back-task erfasst die Fähigkeit, neue Inhalte kurzfristig ins Gedächtnis zu integrieren, was bei einer kognitiv komplexen Aufgabe wie dem Grammatiklernen eine wichtige Rolle spielt (Chen et al., 2022). In der hier vorgestellten Studie untersuchen wir, ob die Lernleistung von Schüler:innen hinsichtlich der grammatikalischen Konstrukte, die mit dem FeedBook geübt wurden, in Abhängigkeit ihrer Arbeitsgedächtniskapazität variiert und ob sie in unterschiedlichem Maß von dem individuellen, automatisierten Feedback profitieren.

Assessment of Teaching Quality from Lesson Plans for Experimental Research

Alexander J. Jung (HIB)

The German framework of three teaching quality dimensions (classroom management, cognitive activation, and support) has been employed to describe substantial effects of teaching on various student outcomes, such as achievement and motivation. It has been shown that the teaching quality of a teacher varies between lessons and between student groups (hence the distinction between teacher and teaching quality). Causes for variation in teaching quality, however, are not well examined. Effects of composition, behavior, and motivation of the students taught on teachers’ teaching quality have been suggested, but detailed descriptions of causal mechanisms are not yet available.

In the field, it is difficult to examine causal effects of student variables on teaching quality because it is hard to experimentally manipulate the composition or the behavior of students in a classroom –  from a practical as well as from an ethical perspective. If we were to succeed in assessing teaching quality from lesson plans however, it would allow us to experimentally test effects of student composition and behavior on teaching quality with much less effort: Teachers could be presented with videos of different student groups (e.g., of well behaved vs. disruptive students) and asked to create lesson plans specifically for these students.

I would like to present first ideas and to discuss further which facets of teaching quality could be assessed from lessons plans and how to do so. The interdisciplinarity of the audience, including expertise from specialists in didactics and pedagogy would be highly appreciated.

Informationsfriktionen bei der Wahl der weiterführenden Schule

Friederike Hertweck (RWI), Pia Schilling (U Konstanz), Moritz Welz (U Bochum), Sven Werenbeck-Ueding (U Bochum)

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat eine mehrsprachige Informations-App für Eltern entwickeln lassen, welche Informationen rund um den Übergang der Grundschule auf die weiterführende Schule für Nordrhein-Westfalen darstellt. Diese App wird im Schuljahr 2024/25 im Rahmen einer randomisiert kontrollierten Studie in Nordrhein-Westfalen getestet und evaluiert.

Ziel der Studie ist es, elterliche Informationsfriktionen bei der Entscheidung über die Schulform ihrer Kinder zu untersuchen. Hierbei werden verschiedene App-Varianten getestet, um zu evaluieren, ob das Bereitstellen von Informationen mittels App, die Mehrsprachigkeit oder die in der App enthaltenen Informationen den Eltern bei der Entscheidungsfindung helfen.

Bisherige Ergebnisse aus anderen Studien zeigen, dass in Deutschland Kinder aus nicht-akademischen oder finanziell schlechter gestellten Elternhäusern in der akademischen Schullaufbahn unterrepräsentiert sind (Wößmann 2023, Blanden 2023) und diese Kluft durch mangelnde Sprachkenntnisse der Schüler (Danzer 2022) oder der Eltern (Bleakley 2008) sowie durch negative Stereotypen (Carlana 2018) noch vergrößert werden. Diese Studie ist die erste, die untersucht, ob mangelndes Wissen über das deutsche Schulsystem sowie sprachliche Barrieren (die diesen Mangel verursachen könnten) einheimische und zugewanderte Eltern daran hindern, eine informierte Entscheidung über die Schullaufbahn ihrer Kinder zu treffen.

Inhalte und Ziele für das Knowledge Café:

Wir haben die App im Rahmen einer Pilotphase im Schuljahr 2023/24 mit einzelnen Grundschulen in NRW getestet. Hierbei gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Schulen als schwierig. Auch haben deutlich weniger Eltern der teilnehmenden Schulen die App heruntergeladen, als wir erwartet haben.

Im Rahmen des Knowledge Cafés würden wir das Projekt und die App gerne kurz vorstellen und gemeinsam diskutieren, wie wir mehr Schulen aber auch Eltern erreichen können. Ein interdisziplinärer Austausch zur Zusammenarbeit mit Schulen und Eltern könnte das Projekt für das Schuljahr 2024/25 deutlich stärken.

Krisen begegnen: Zur Nutzbarmachung der rezeptiven Perspektive im gesteuerten Schriftspracherwerb am Beispiel der Zeichensetzungskompetenzen

Franziska Kretzschmar (IDS) und Angelika Wöllstein (IDS)

Eine der dauerhaften Herausforderungen in der sprachlichen Bildung ist die Förderung von – sich gegenseitig stützenden – Schreib- und Lesekompetenzen. Inhaltliche Grundlage zur Vermittlung von Rechtschreibkompetenzen ist das Amtliche Regelwerk. Im Bereich der Zeichensetzung findet mit der für Mitte 2024 geplanten Veröffentlichung der Neufassung des Amtlichen Regelwerks ein empirisch begründbarer Paradigmenwechsel statt (Bredel & Wöllstein 2024). Bislang waren die amtlichen Regeln für Interpunktionszeichen (z. B. Komma, Doppelpunkt, Semikolon) so formuliert, dass sie auf die Perspektive der Schreibenden zugeschnitten waren, während die rezeptive Perspektive der Lesenden außen vor blieb. Daraus ergab sich für die Praxis, dass die Schreibperspektive vor allem im gesteuerten Schriftspracherwerb verortet ist, die Leserperspektive im ungesteuerten Schriftspracherwerb.

Die (implizite) Hoffnung war, dass sich die rezeptive Zeichensetzungskompetenz von selbst im ungesteuerten Schriftspracherwerb einstellt. Anders formuliert: allein durch Lesen, so die Annahme, könne sich die Funktion einzelner Zeichen in Gesamtsystem dem Leser intuitiv erschließen und auch für die Schreibproduktion nutzbar werden. Empirische Studien haben hingegen am Beispiel des Kommas gezeigt, dass die rezeptive Zeichensetzungskompetenz im ungesteuerten Schriftspracherwerb keineswegs von allen Lernenden erworben wird (Esslinger 2014, Esslinger & Noack 2020). Eine Möglichkeit zur Stützung der rezeptiven Kompetenz besteht folglich darin, die inhaltlichen Grundlagen der Zeichensetzung auf sie auszurichten, damit sie für den gesteuerten Schriftspracherwerb zugänglich wird.

In unserem Beitrag stellen wir die Neufassung des Amtlichen Regelwerks vor, welche im Bereich der Zeichensetzung die rezeptive Perspektive für den gesteuerten Schriftspracherwerb einführt. Wir diskutieren die Motivation und den Mehrwert der neuen funktionalen Einordnung der Interpunktionszeichen und stellen insgesamt die Vorteile der neuen semasiologisch orientierten Systematik vor. Mit den Teilnehmenden des Knowledge Cafés wollen wir darauf aufbauend diskutieren, welche Anforderungen an didaktische Umsetzungsformate zu stellen sind und ob bzw. wie die Wirksamkeit der neu formulierten Regeln empirisch gemessen und validiert werden kann. Hierzu präsentieren wir erste Überlegungen für empirische Forschungsdesigns.

Literatur:
Bredel Ursula & Angelika Wöllstein 2024. Kapitel E Zeichensetzung (S. 105-156). In: Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Regeln und Wörterverzeichnis. (Hrsg. Geschäftsstelle des Rats für deutsche Rechtschreibung. Leibniz-Institut für Deutsche Sprache.

Esslinger, G. (2014): Rezeptive Interpunktionskompetenz. Eine empirische Untersuchung zur Verarbeitung syntaktischer Interpunktionszeichen beim Lesen.Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Esslinger, G. & Christina Noack (2020): Das Komma und seine Didaktik. SLLD-E, Band 1. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren.

Wahrgenommene Kosten und Nutzen einer Weiterbildungsteilnahme

Silke Anger (IAB), Pascal Heß (IAB), Simon Janssen (IAB), Ute Leber (IAB), Armando Miano (Universität Neapel)

Die berufliche Weiterbildung spielt in der modernen Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Auch wenn die Weiterbildungsbeteiligung der Beschäftigten im Zeitverlauf angestiegen ist, sind die Teilhabechancen einzelner Personengruppen nach wie vor ungleich verteilt. Insbesondere Geringqualifizierte, aber auch Beschäftigte, die einem hohen Automatisierungsgrad ausgesetzt sind, bilden sich seltener weiter.

Zu den individuellen Hürden der Weiterbildungsbeteiligung liegen nur vergleichsweise wenige Studien vor. Insbesondere ist bislang die Rolle, die potenzielle Informationsdefizite für eine (Nicht-) Teilnahme an Weiterbildung spielen, unklar. Neben Informationen über den monetären und nicht-monetären Nutzen von Weiterbildung kann es sich hierbei auch um Informationen über die (nicht-) monetären Kosten von Weiterbildung handeln. So ist es denkbar, dass einzelne Personengruppen deswegen nicht an Weiterbildung teilnehmen, weil sie deren Kosten über- oder deren Nutzen unterschätzen.

Vor diesem Hintergrund gehen wir im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie der Frage nach, ob ein besserer Zugang zu Informationen über den Nutzen und die Kosten von Weiterbildung die Weiterbildungsbereitschaft sowie die tatsächliche Weiterbildungsteilnahme von Beschäftigten beeinflussen kann. Hierfür erheben wir in einem Modul der Online-Personenbefragung „Arbeiten und Leben in Deutschland“ (OPAL) des IAB detaillierte Informationen zum individuellen Weiterbildungsverhalten, zur Weiterbildungsintention sowie zu den erwarteten Kosten und Nutzen einer Weiterbildungsteilnahme. Zudem führen wir zwei Information Treatments durch, wobei der einen Treatmentgruppe Informationen zum Nutzen und der anderen Informationen zu den Kosten von Weiterbildung bereitgestellt werden. Die so gewonnenen experimentellen Daten können den Forschungsstand über die Barrieren einer Weiterbildungsbeteiligung verbessern und Anhaltspunkte für die Ausgestaltung von Informations- und Beratungsangeboten geben.

Der geplante Vortrag gibt einen Überblick über das Projektvorhaben, die Inhalte des Fragebogens sowie die Information Treatments. Zudem werden Ergebnisse aus dem Pretest der Studie vorgestellt.

Complex Cognitive Reasoning in Higher Education: Towards Understanding and Impacting Critical Thinking

Gabe Orona (HIB)

The modern adult confronts a plethora of complexities that require careful reasoning and reflection on a daily basis. Many occupations have discarded routine procedures, popular news outlets mislead, financial scams are increasingly savvy, and social media platforms promulgate misinformation. Having the ability to make accurate inferences, monitor what one knows and needs to know, and evaluate the verisimilitude of conflicting knowledge claims appear to be essential tools for navigating the epistemic terrain of the 21st century. Cognitive psychologists have described these reasoning abilities at three distinct levels of processing: (first-order) cognition, metacognition, and epistemic cognition (Kitchner, 1983). This lecture will showcase contemporary research on the correlates, determinants, and developmental aspects associated with complex thinking, focusing on how individual thinking dispositions or epistemic virtues not only play a central role in the reasoning processes, but can be targeted for large-scale educational impact.

Zur Bedeutung der regierenden Parteien auf kommunaler Ebene für die öffentliche Finanzierung von Weiterbildung

Renan Winkler (DIE) und Fabian Rüter (DIE)

Weiterbildung wird im Zuge gesamtgesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen von bildungspolitischen Akteuren zur Eröffnung und Sicherung individueller Zukunfts – und Arbeitschancen sowie gesellschaftlicher Teilhabe in Anspruch genommen (Holford & Milana, 2023). So greifen bildungspolitische Akteure auf der Makroebene der nationalen Bildungspolitik (Bund, Länder, Kommunen) durch die Steuerungsmedien Geld, Wissen und Macht in das Weiterbildungssystem ein. Eine zentrale Steuerungsform ist die öffentliche (Ko-)Finanzierung von Weiterbildungsorganisationen, Angeboten und Teilnahmen (Schrader, 2011, 2014). Entsprechende Forschungsarbeiten beziehen sich auf die Finanzierung von Weiterbildung (Dohmen, 2014) sowie die Wirksamkeit öffentlicher Weiterbildungsausgaben (Martin & Rüber, 2016) und geldbasierter Förderinstrumente (Käpplinger et al., 2013).

Ein Desiderat hingegen stellen Untersuchungen zur politischen Ökonomie der Weiterbildungsfinanzierung und damit zu Effekten von Parteipolitiken im Feld der Weiterbildung dar. Zum Einfluss von Parteien auf Bildungsausgaben liegen bisher nur empirische Befunde für andere Bildungssektoren (Bischoff & Hauschildt, 2021; Busemeyer, 2009) vor. Auch für die Weiterbildung kann dies untersucht werden. Dazu greifen wir auf theoretische Annahmen der Parteidifferenztheorie (Boix, 1997, 1998) zurück. Diese nimmt an, dass Parteien sich in ihren Zielen unterscheiden und sich ihre politische Ausrichtung nach den Präferenzen ihrer Wählenden richtet. Sozialdemokratische Parteien nutzen die Höhe öffentlicher Bildungsausgaben als um- verteilende Maßnahme, um benachteiligte Personengruppen zu fördern und gesellschaftliche Ungleichheiten abzubauen. Anzunehmen ist daher, dass mit sozialdemokratischem Einfluss in der Regierung höhere öffentliche Bildungsausgaben einhergehen.

Um diese Annahme zu untersuchen, nutzen wir Paneldaten der Volkshochschulstatistik. Dies ermöglicht es, Veränderungen der Regierungsparteien auf Kreisebene mit der Höhe öffentlicher Bildungsausgaben (öffentliche Zuschüsse von Kreisen) für Volkshochschulen in Verbin- dung zu setzen. Für den Untersuchungszeitraum 2008-2018 zeigen die Ergebnisse eines ers- ten Fixed-Effects-Modells für n=801 Volkshochschulen und N=8010 Beobachtungen, dass die öffentlichen Zuschüsse um b=7967,93€ (p=0,090) bei einem Wechsel zu einer sozialdemo- kratischen Regierungspartei auf Kreisebene steigen. Die Nutzung des Banzhaf-Index (Huber et al., 2003) auf Grundlage der Sitzverteilung im Kreistag/Stadtrat zur Messung der politischen Macht einer Partei ist geplant.

Literatur:
Bischoff, I. & Hauschildt, J. (2021). Party ideology and vocational education spending: Empirical evidence from Germany. CESifo Economic Studies, 67(1), 35-60.

Boix, C. (1997). Political Parties and the Supply Side of the Economy: The Provision of Physical and Human Capital in Advanced Economies, 1960-90. American Journal of Political Science, 41(3), 814-845. https://doi.org/10.2307/2111676

Boix, C. (1998). Political parties, growth and equality: Conservative and social democratic economic strategies in the world economy. Cambridge University Press. https://doi.org/10.1017/CBO9781139174947

Busemeyer, M. R. (2009). Social democrats and the new partisan politics of public investment in edu- cation. Journal of European Public Policy, 16(1), 107-126. https://doi.org/10.1080/13501760802453171

Dohmen, D. (2014). Deutschlands Weiterbildungsfinanzierung im internationalen Vergleich. In Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (Hrsg.), Trends der Weiterbildung: DIE-Trendanalyse 2014. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG.

Holford, J. & Milana, M. (2023). The European Union and Lifelong Learning Policy. In K. Evans, W. O. Lee, J. Markowitsch & M. Zukas (Hrsg.), Third International Handbook of Lifelong Learning (S. 499-522). Springer Cham.

Huber, G., Kocher, M. & Sutter, M. (2003). Government Strength, Power Dispersion in Governments and Budget Deficits in OECD-Countries. A Voting Power Approach. Public Choice, 116(3-4), 333-350.

Käpplinger, B., Klein, R. & Haberzeth, E. (Hrsg.). (2013). Erwachsenenbildung und lebensbegleitendes Lernen: Bd. 21. Weiterbildungsgutscheine. Wirkungen eines Finanzierungsmodells in vier europäischen Ländern. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG.

Martin, A. & Rüber, I. E. (2016). Die Weiterbildungsbeteiligung von Geringqualifizierten im internationalen Vergleich – Eine Mehrebenenanalyse. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung, 39(2), 149-169. https://doi.org/10.1007/s40955-016-0060-2

Schrader, J. (2011). Struktur und Wandel der Weiterbildung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG. Schrader, J. (2014). Steuerung in der Weiterbildung unter dem Anspruch der Evidenzbasierung – Mo- delle und Trends seit der Bildungsreform. In Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (Hrsg.), Trends der Weiterbildung. DIE-Trendanalyse 2014 (S. 181-202). W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG.

Empty class to empty streets? The effect of permanent school closures on regional economic development and voting behaviour

Marcel Helbig (LIfBi) und Sebastian Vogler (LIfBi)

Schools and their presence are important aspects of infrastructure: On one hand, almost all developed countries have school-like infrastructure, and several investigations show the importance of schools on pupils’ academic success (Berry and West, 2020) and emotional well-being (Damm et al, 2022). On the other hand, the permanent closure of such key infrastructure might additionally weaken rural areas and further enable urbanisation, provoking a rising feeling of neglect in such deteriorating rural areas, agitating more extreme political voting behaviour in the long run. While existing literature extensively explores the impact of schooling quality, sparse attention has been given to the effects of permanent school closures on regional development (Di Cataldo and Romani, 2023; Borbely et al., 2023). This paper fills the gap by providing extensive insights on the level and spatial occurrence of permanent school closures (and consolidations) in Germany over the timespan of 19 years and its respective influence on regional development and voting behaviour.

For this purpose, this paper draws from several unique and administrative datasets: First, we evaluate data provided by the Ministry of Education from all federal states in Germany and link these data with precise longitudinal and latitudinal information. This allows us to track any permanent school closure over time and the precise location information helps us to enrich our data with information on e.g. respective distance to the next comparable institution and the affected municipality. Secondly, we utilized datasets from the Federal Institute for Research on Building, Urban Affairs and Spatial Development with detailed information on economic performances such as total tax income, unemployment rates, birth statistics and territorial changes for all municipality associations in Germany. Third, we employ administrative data on migration movements provided by the German Research Data Centre. Finally, we use data on different voting outcomes, i.e. federal elections, state elections and local elections provided by the respective State Statistical Offices to assess any voting behaviour. Combining all above data sets allows us to construct a balanced yearly panel data for all 4366 municipality associations in Germany from 2000 to 2019. Employing a staggered Difference-In- Differences approach, we investigate the effect of permanent school closures on economic performance and voting behaviour.

Visualizing school closures over time, we find that a significant majority of all school closures happened within East-Germany, often coinciding with changes in territorial reforms and consolidation of municipalities, even though both phenomena are not exclusive to East-Germany. Additionally, our preliminary results suggest that a permanent school closure reduce the population of an affected municipality by around 0.5%, aligning with recent literature (Di Cataldo and Romani, 2023).

Lernbezogene Rezeption von Realen vs. Holografischen Objekten in einer Experimental-Ausstellung

Manuela Glaser (IWM), Bärbel Garsoffky (IWM), Stephan Schwan (IWM)

Objekt-Digitalisate können hoch realistisch, intuitiv, nicht von den Inhalten ablenkend und die Besucher*innen nicht überfordernd mittels Augmented Reality-Brillen präsentiert werden. Empirische Studien analysierten häufig lediglich Usability- und Unterhaltungsaspekte dieser Technologie, selten jedoch lernbezogene Aspekte ihrer Rezeption. Diese werden daher in der hier vorgestellten empirischen und präregistrierten Studie untersucht – und zwar in einer Experimentalausstellung zum Thema „Wale und Menschen“, die in einem within-subject-Design (n = 65) reale und holographische Objekte (mittels Microsoft HoloLens 2) bezüglich Objektwahrnehmung, Holding Power, mentaler Anstrengung, wahrgenommener Gegenwartsbezüge und Erinnerungsleistung vergleicht.

Die Ergebnisse zeigen, dass die im Mittel als mittelmäßig wahrgenommene Hologrammqualität umso höher eingeschätzt wurde, je höher das Vorwissen und vorherige Interesse der Proband*innen am Ausstellungsthema waren. Erwartungsgemäß zeigte sich, dass die Holding Power für holographische Objekte größer war als für reale Objekte und dass reale Objekte historisch authentischer eingeschätzt wurden als holographische Objekte. Entgegen der Erwartung beeindruckten reale Objekte die Proband*innen mehr als holographische Objekte. Nicht überraschend, wurden reale Objekte außerdem als realer und präsenter eingeschätzt als holographische Objekte. Je höher jedoch das Vorwissen der Proband*innen zum Ausstellungsthema war, desto geringer war der Präsenzunterschied. Es zeigte sich auch, dass zur kognitiven Verarbeitung von holographischen im Vergleich zu realen Objekten mehr mentale Anstrengung aufgewendet wurde. Die Ergebnisse hinsichtlich der Gegenwartsbezüge und der Erinnerung an Objektdetails und Objekttextinhalte stehen aktuell noch aus, werden aber auf der Tagung vorgestellt.

Fazit: Holographische digitale Modelle sollten in Ausstellungen verwendet werden, wenn die inhaltliche Auseinandersetzung (Holding Power, mentale Anstrengung) der Besucher*innen bezüglich bestimmter Ausstellungsobjekte erhöht werden soll. Reale Objekte sollten verwendet werden, wenn es darum geht, die Besucher*innen zu beeindrucken und ihnen durch die historische Authentizität der Objekte den Zugang zur Vergangenheit zu ermöglichen.

Open Educational Resources als Chance für eine ganzheitliche Bildung

Johannes Hiebl (DIPF)

Die gegenwärtige Gesellschaft und das Bildungssystem stehen vor zahlreichen Herausforderungen, darunter die anhaltenden Folgen der COVID-19-Pandemie, die Erosion der Demokratie, geopolitische Entwicklungen, technologische Fortschritte sowie fortbestehende soziale Ungleichheiten. Eine vielversprechende Entwicklung im Bildungssystem zur Bewältigung dieser Herausforderungen stellen die sogenannten Open Educational Resources (OER) dar. OER umfassen Lehr- und Lernmaterialien, die unter einer offenen Lizenz zur Wiederverwendung veröffentlicht werden. Die UNESCO erkennt

OER als einen Beitrag zur Förderung der Bildung für alle Menschen weltweit an und betont ihr Potenzial, die Qualität der Bildung zu verbessern und die Demokratisierung und Verbreitung von Wissen zu fördern. Daher scheinen OER eine ganzheitliche Bildung zu unterstützen, indem sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch eine neue Art der digitalen Kompetenz durch die Teilnahme an der Wiederverwendung von OER und dem sogenannten OER-Lebenszyklus fördern.

Trotz dieser Möglichkeiten, verschiedener Förderinitiativen und der Tatsache, dass die UNESCO diesen Begriff vor 20 Jahren prägte, bleiben OER ein Nischenphänomen in der Hochschullehre im deutschsprachigen Raum. Die bisher in der Forschung identifizierten Hindernisse, die sich auf die Motive und Einstellungen der Stakeholder beziehen, stimmen nicht unbedingt mit den in der sozialen Praxis beobachteten Herausforderungen überein.

Um die Entstehung und Verfügbarkeit, die Verbreitung und den didaktisch fundierten Einsatz von offen lizenzierten, frei zugänglichen Lehr- und Lernmaterialien zu verstehen, müssen an Open Educational Resources sowie an die Interaktionsordnung von Bildungsprozessen bestimmte analytische Fragen gestellt werden:

  1. Auf welches gesellschaftliche Problem bietet das OER-Modell eine Lösung?
  2. Wie wird das OER-Modell verfügbar gemacht?
  3. Sind das OER-Modell und die darin vorgesehenen Produktionsbeschränkungen in der Lage, der Interaktionsordnung der Bereitstellung von Bildungsressourcen gerecht zu werden und damit den Bedürfnissen der Akteure im Bildungssystem zu entsprechen?
AI-Supported Intervention to Reverse Gifted Underachievement

Mingjing Zhu (HIB)

In this presentation, I would like to share a research project initiative that focuses on the phenomenon of gifted underachievement, specifically within the domains of science, technology, engineering, and mathematics (STEM). Gifted underachievement encompasses diverse manifestations influenced by motivational factors, including a lack of appreciation for learning goals, diminished self-perceptions of ability, and inadequate self-regulation strategies among gifted underachieving students (GUAs).

Two primary theoretical models outline the motivations of GUAs, encompassing a range of motivational constructs such as values, academic self-concept, and academic self-worth contingency, among others. However, the complexity of variations among GUAs suggests the presence of additional, as yet undiscovered motivations. Additionally, a recent meta-analysis study examined previous motivational interventions aimed at reversing gifted underachievement. The study revealed that the interventions improved psychosocial outcomes but did not have a significant impact on academic performance. It emphasizes the necessity for individually tailored interventions.

Consequently, the project first aimed to identify GUAs based on their distinctive motivational and behavioral profiles, leveraging an AI-supported educational system. Gifted students engaging with STEM-focused coursework on this platform will allow for a comparative analysis of motivational and behavioral patterns between underachieving and achieving cohorts. GUAs might be identified based on patterns not readily captured by traditional methods.

In addition, the project aims to design and deliver customized motivational intervention packages through the AI platform by integrating theory-based motivational features with those detected by the AI system. The ultimate goal is to evaluate the effectiveness of this AI-supported intervention in reversing gifted underachievement and empowering GUAs to reach their full potential in STEM education.

How to help students develop self-regulation skills via learning analytics and dashboards

Florian Berens (HIB)

The use of digitally supported learning is increasing in both schools and universities. Among other advantages of digital learning, this offers the opportunity to use the behavioral traces that occur in digital learning for scientific purposes. In addition, these digital behavioral data can also be used directly in practice for learning. To this end, various forms of learning analytics dashboards (LAD) have been developed, tested and evaluated in recent years, which try to visualize information about the learning of an individual or a class. Individual learners can use this information to guide their learning, and teachers can build on this feedback for further teaching. However, existing LADs are limited in their ability to adequately address the process nature of learning. They are often limited to quantifying learning behavior and learning outcomes across time or, at most, show global trends. However, regulating the process is also of great importance for a successful learning process. Research on self-regulated learning has long provided a variety of theories and empirical findings that help to visualize, understand and control the self-regulation of learners. However, these findings have so far been incorporated little into the design of LAD. Within this Knowledge Cafe, we therefore want to try to build this bridge together and think about concepts of how findings from research on self-regulated learning can be made visible in LAD in order to support learners in improving their own self-regulation.

digital:KLUGeschichte lehren Ein Fortbildung für Geschichtslehrkräfte

Stefanie Hölzlwimmer (HIB) und Fitore Morina (HIB)

Guter Geschichtsunterricht beachtet die Basisdimensionen, ist kompetenzorientiert und befähigt Schüler:innen zum historisch-reflektierten und historisch-reflexiven Denken – auch in ihrem Alltag. Dies beinhaltet u.a. die Befähigung zum kritischen Hinterfragen von Informationen bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit sowie zum Abwägen zwischen verschiedenen Perspektiven. Dass die Lehrenden (und Lernenden) historische Kompetenzen auch auf den Kontext der digitalen Kultur anwenden können, ist angesichts der Herausforderungen des digitalen Zeitalters beispielsweise auf Social Media (z.B. Memes, die mit Geschichte argumentieren, moderner Antisemitismus in Kommentaren) dringend erforderlich. Diesem Desiderat geht das Fortbildungsprogramm für Geschichtslehrkräfte digital:KLUGeschichte lehren nach. Teilnehmende Lehrkräfte sollen u.a. dazu befähigt werden, souverän in der digitalen Kultur historisch zu denken und zu handeln und dies auch mit angepassten Lehrkonzepten ihren Schüler:innen zu ermöglichen. Aus diesem Grund stellt das Projekt zunächst ein theoretisches Modell des historischen Denkens in einer digitalen Kultur bereit, das auf einem etablierten Kompetenzmodell für historisches Denken basiert. Außerdem werden durch Präsenz- und Online Fortbildungssitzungen sowohl thematische, als auch didaktische und bildungspsychologische Inhalte vermittelt, die die Lehrkräfte in ihren eigenen Unterricht implementieren können. Um die Wirksamkeit der Fortbildung zu evaluieren, wird eine randomisiert-kontrollierte Feldstudie durchgeführt. Dabei werden Effekte auf der Lehrkraft-Ebene, der Unterrichts-Ebene und der Schüler:innen- Ebene mit quantitativen und qualitativen Methoden untersucht. Quantitativ werden Outcomes wie der Enthusiasmus und das TPACK-Wissen der Lehrkräfte, Unterrichtsqualität und historische Kompetenzen der Schüler:innen evaluiert. Des Weiteren fallen während der Fortbildung qualitative Artefakte an, wie von Lehrkräften erstellte Unterrichtsmaterialien. Diese stellen sie anschließend ihren Kolleg:innen für Feedback zur Verfügung. In der Fortbildung werden sie dazu angehalten, für die Erstellung der Materialien ChatGPT souverän zu nutzen. Die genutzten Prompts werden vom Forschungsteam untersucht. Die Vorgehensweise bei der Auswertung soll im Knowledge Café zur Diskussion gestellt werden.

Ein Blick in das Lernen von Übermorgen: Der Future Innovation Space am IWM

Peter Gerjets (IWM), Georg Pardi (IWM), Birgit Brucker (IWM)

Im neu am IWM etablierten Future Innovation Space wird die Frage adressiert, was benötigt wird, um Cutting Edge Technologie in Bildungsszenarien einzusetzen. Das Hauptziel dabei ist es herauszufinden, wie die Technologien am besten genutzt werden können, um verschiedene Themen und Lerninhalte so darzustellen, dass die relevanten Lernprozesse ermöglicht und erleichtert werden. So können Möglichkeiten und Potenziale vorweggenommen werden, ohne an die aktuell bestehenden Einschränkungen im Bildungssystem gebunden zu sein.

Im FIS werden bestehende Erkenntnisse und Anwendungen genutzt und in Kooperation mit TüCeDE, Partnerinstituten, Didaktiker*innen und Lehrkräften weiterentwickelt. Konkret werden dabei Input-Workshops (auch im Rahmen einer Fortbildungsserie zu Future Innovation für Fachberater*innen des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung – ZSL) organisiert, in denen Lehrkräfte und Multiplikator*innen aktiv eingebunden sind, um mögliche Zukunftstechnologien kennenzulernen und zu erproben, Bedürfnisse und Anforderungen zu identifizieren und potentielle zukünftige Unterrichtsszenarien zu planen. Dies wird auch unterstützt durch zwei vom BMBF geförderten professionellen Netzwerke zur Förderung “adaptiver, prozessbezogener, digital-gestützter Innovationen in der MINT-Lehrpersonenbildung” (MINT-ProNeD) und “adaptiver, handlungsbezogener, digitaler Innovationen in der Lehrkräftebildung in Kunst, Musik und Sport” (KuMuS-ProNeD). Im Rahmen dieser Netzwerke wurden sowohl Workshops zum Austausch zwischen Lehrenden, Fachdidaktiker*innen und der Wissenschaft abgehalten, sowie aktiv in die gemeinsame Entwicklung von exemplarischen Anwendungen (z. B. virtuelle Umgebungen im Bereich Chemie oder Musik) und Konzepten für authentische Lehrszenarien mit Hilfe von 360°Aufnahmen und virtuellen Realitäten gestartet.

Der Future Innovation Space umfasst drei Labore auf insgesamt 240 Quadratmetern:

Das Tübingen Digital Teaching Lab (TüDiLab) ist ein vollständig eingerichtetes Klassenzimmer mit Laptops, iPads, Eyetrackern, digitalen Whiteboards und Video- und Audioaufzeichnungssystemen. Das TüDiLab erlaubt es Lehrkräfte im sinnvollen Einsatz der Technologie im Klassenzimmer zu schulen und Forschung dazu zu machen.

Das Multi-Touch Lab kombiniert Lernszenarien in Gruppen mit haptischen, verkörperlichten, spielerischen Erfahrungen. Es umfasst verschiedene große Multi-Touch Tische, iPads und generische Anwendungen für diese Geräte.

Im Mixed Reality Lab werden immersive Lernaktivitäten, wie erweiterte Realitäten und 360° Videos, genutzt, um Lernthemen darzustellen, die beispielsweise ein räumliches Verständnis erfordern. 

Die LERN-Jahrestagung 2024 findet am 14. und 15. Mai 2024 in Tübingen statt und wird vom HIB und IWM gemeinsam ausgerichtet.

Angehörige aus LERN-Mitgliedsinstituten sind herzlich eingeladen an der Jahrestagung teilzunehmen. Da es sich hierbei um eine interne Veranstaltung handelt, ist eine Teilnahme von externen Interessierten leider nicht möglich.

Die Anmeldung ist bis 15. April 2024 geöffnet.

Bitte beachten: die zur Verfügung stehenden Hotelkontingente sind allerdings nur bis spätestens 03. April 2024 abrufbar!

Die Veranstaltungsräume befinden sich am IWM.

Adresse:
Leibniz-Institut für Wissensmedien
Schleichstraße 6
72076 Tübingen

Eine detaillierte Anfahrtsbeschreibung finden Sie auf der Website des IWM.
Zur Anfahrtsbeschreibung.

Für die Teilnehmende der Jahrestagung standen Hotelkontingente zur Verfügung, deren Buchung jedoch nicht mehr möglich ist.

Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten:

Hotel ibis Styles Tübingen

Zur Hotelwebsite
Friedrichstraße 20, 72072 Tübingen, +49 7071 75 880 


Hotel Domizil

Zur Hotelwebsite
Wöhrdstraße 5-9, 72072 Tübingen, +49 7071 13 90 


Hotel Katharina Garni

Zur Hotelwebsite
Lessingweg 2, 72076 Tübingen, +49 7071 96 500 

Die Reisekosten müssen von den LERN-Mitgliedern selbst getragen werden, eine Erstattung ist nicht möglich.

An beiden Veranstaltungstagen steht in den Pausen ein vegetarisches Catering zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es am 14. Mai ein gemeinsames Abendessen dessen Kosten von LERN übernommen werden.

Das gemeinsame Abendessen findet für alle Teilnehmenden, die sich zu diesem Programmpunkt angemeldet haben, am Dienstag, 14. Mai 2024 im Restaurant 1821 Tübingen statt.

Adresse: Wilhelmstr. 3 in 72072 Tübingen.

Sollten Sie doch nicht an der Veranstaltung teilnehmen können, bitten wir um eine kurze Mitteilung via E-Mail an , sodass wir Sie von der Teilnehmendenliste abmelden können.

Jubiläumsfeier: 10 Jahre LERN

Die Jubiläumsfeier “10 Jahre LERN” fand am 04. Mai um 18:15 in Mannheim im IDS | Leibniz-Institut für Deutsche Sprache statt im Anschluss an den ersten Tag der LERN-Jahrestagung statt.

Zum Programm

BPF 2023 – Außerschulische und informelle Lernorte für Kinder und Jugendliche

Das Bildungspolitische Forum 2023 fand am Dienstag, 26. September 2023 in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg, Tiergartenstraße 15, Berlin als Präsenzveranstaltung statt.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Jan-Martin Wiarda.

Im Rahmen der Bildungsdialoge kooperierten wir auch in diesem Jahr wieder mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Dieser – sowie weitere ausgewählte Programmteile – wurden als Livestream übertragen.

Inhaltlich verantwortliche Mitglieder des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN):

IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien
Kompetenzzentrum Bildung im Museum
TUM | Technische Universität München
ZAS | Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft

ab 09:00 Uhr
Anmeldung

09:30 Uhr
Begrüßung durch das Netzwerk

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation & Vorsitzender der Sprecher*innengruppe des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN)

09:40 Uhr
Grußworte der Politik

Prof. Dr. Sabine Döring
Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

und

Katharina Günther-Wünsch
Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin & Präsidentin der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK)

09:55 Uhr
Einführung in das Thema

Prof. Dr. Ulrike Cress
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien, Direktorin

10:10 Uhr
Keynote I

Erfahren, Erkunden, Experimentieren – Außerschulische und informelle Lernorte der vierten Generation

Prof. Dr. Stephan Schwan
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien, stellv. Direktor

10:40 Uhr – Kaffeepause

11:00 Uhr – Parallele Foren I und II

FORUM I

LERNEN

Dieses Forum bietet eine übergreifende Einführung in die informelle Bildungsforschung und -praxis und beleuchtet Schnittstellen zwischen außerschulischer und schulischer Bildung. 

Prof. Dr. Peter Gerjets
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien

Prof. Dr. Vanessa Reinwand-Weiss
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V.

Prof. Dr. Felicitas Macgilchrist
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Leitung: Prof. Dr. Doris Lewalter
TU München & ZIB | Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien


FORUM II

AUFWACHSEN

In diesem Forum werden Befunde aus der frühen Bildung mit besonderem Fokus auf familiären Lernumwelten und deren Rolle im Spracherwerb von Kindern dargestellt. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf der Leseförderung liegen, und insbesondere auf der Rolle, die die Eltern hierbei spielen.

Prof. Dr. Natalia Gagarina
ZAS | Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft, stellv. Direktorin & Humboldt-Universität zu Berlin

gemeinsam mit

Dr. Annkathrin Darsow
Zentrum für Sprachbildung Berlin (ZeS), Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

und

Martina Reynders
Zentrum für Sprachbildung Berlin (ZeS), Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Leitung

Prof. Dr. Ilka Wolter
LIfBi | Leibniz-Institut für Bildungsverläufe & Otto-Friedrich-Universität Bamberg

gemeinsam mit

Prof. Dr. Cordula Artelt
LIfBi | Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, Direktorin & Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Leitung: Prof. Dr. Natalia Gagarina
ZAS | Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft, stellv. Direktorin & Humboldt-Universität zu Berlin

12:15 Uhr – Mittagspause

13:15 Uhr

Keynote II

Barrieren brechen: Das Konzept Lernökologie kann schulische und informelle Lernorte verbinden

Prof. Dr. Martin Storksdieck
Oregon State University | STEM Research Center, Direktor


13:45 Uhr – Parallele Foren III, IV & V

FORUM III

AUSTAUSCHEN / PARTIZIPIEREN / TEILHABEN

In diesem Forum geht es um Orte, bei denen der Fokus auf Begegnung, Dialog und dem Lernen durch Austausch liegt.

Prof. Dr. Bernhard Misof
LIB | Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels, Generaldirektor & Zoologisches ForschungsmuseumsAlexander Koenig in Bonn, Direktor

Dr. Lorenz Kampschulte
Deutsches Museum

Prof. Dr. Mirijam Wenzel
Jüdisches Museum Frankfurt, Direktorin & Goethe-Universität Frankfurt am Main

Leitung: Prof. Dr. Alexandra Busch
LEIZA | Leibniz-Zentrum für Archäologie, Direktorin & Kompetenzzentrum Bildung im Museum

gemeinsam mit

Dr. Lorenz Kampschulte
Deutsches Museum


FORUM IV

MACHEN / ERKUNDEN / FORSCHEN

In diesem Forum liegt der Fokus auf Schülerlaboren und Schülerforschungszentren. Das sind Orte, an denen Kinder und Jugendliche selbst Sachverhalte erkunden und erforschen können.  

Dr. Carolin Enzingmüller
IPN | Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik

Prof. Dr. Katrin Sommer
Ruhr-Universität Bochum

Jörg Triebel
Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport,
Referat 37

Dr. Jörg Maxton-Küchenmeister
Joachim Herz Stiftung, Hamburg

Leitung: Dr. Carolin Enzingmüller
IPN | Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik

gemeinsam mit

Prof. Dr. Katrin Sommer
Ruhr-Universität Bochum


FORUM V

ERFAHREN

In diesem Forum geht es um Orte, die Geschichte erfahrbar machen, wie zum Beispiel Gedenkstätten und um Zugänge zum historischen Lernen, die darauf beruhen, dass sich Besuchende in eine historische Situation hineinversetzen.

Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann
Hebräische Universität Jerusalem

Prof. Dr. Christian Kuchler
Universität Augsburg

Arne Pannen
Gedenkstätte Sachsenhausen

Leitung: Prof. Dr. Stephan Schwan
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien

15:00 Uhr – Kaffeepause

15:30 Uhr
BILDUNGSDIALOG

Welche Potenziale bieten außerschulische Lernorte? Welche Herausforderungen bestehen?

MinDir Dr. Thomas Greiner
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Stefanie Remlinger
Bezirksbürgermeisterin Berlin

Prof. Dr. Martin Storksdieck
Oregon State University | STEM Research Center, Direktor

Prof. Dr. Doris Lewalter
TU München & ZIB | Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien

Jacob Chammon
Geschäftsführer Deutsche Telekom Stiftung

ab 16:30-16:45 Uhr – Abschluss

Die Teilnehmenden vor Ort haben ganztätig die Möglichkeit, folgende Interaktionspunkte zu in der Landesvertretung Baden-Württemberg besuchen:

Lernzentrum Sprache – Grammatik interaktiv und systematisch
IDS | Leibniz-Institut für Deutsche Sprache

Mathematik zum Anhören – der LEGO-Tisch
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien

Outreach durch Bildungsökosystementwicklung
IPN | Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik

Außerschulische Lernorte: Testen Sie Ihr Wissen über das Nationale Bildungspanel!
Daten und Ergebnisse des NEPS am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe
LIfBi | Leibniz-Institut für Bildungsverläufe

Keynote I
Erfahren, Erkunden, Experimentieren – Außerschulische und informelle Lernorte der vierten Generation

Prof. Dr. Stephan Schwan
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien

Kinder und Jugendlichen steht heutzutage ein breites Bildungsangebot außerhalb des Klassenzimmers zur Verfügung – die Palette reicht von historischen Ausstellungen, Naturkundemuseen, Science Centern und Gedenkstätten bis zu Schülerlaboren und Maker Spaces. Mit ihren interessegesteuerten, erkundenden und spielerisch-unterhaltsamen Lernformen bieten sie eine hervorragende Ergänzung zum Klassenunterricht. Zudem können sie einen nachhaltigen Beitrag zur Sensibilisierung von Jugendlichen für aktuelle wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen (z.B. Klimawandel, Künstliche Intelligenz, Demokratieverständnis) und für deren Themen- und Berufsorientierung leisten.

Um diese Potenziale informeller Lernorte zukünftig noch besser auszuschöpfen, gilt es, drei zentrale Fragen zu beantworten: Wie kann eine noch stärkere Verknüpfung schulischen und außerschulischen Lernens gelingen? Wie können Angebote entwickelt werden, die auch bildungsferne Jugendliche ansprechen? Wie kann das Interesse an informellen Lernorten auch in der Freizeit und im späteren Lebensalter aufrechterhalten werden?

Hierbei spielen innovative Medien eine wichtige Rolle. Sie erweitern das Spektrum von Vermittlungsformen vor Ort, indem beispielsweise Schüler*innen ihr eigenes Smartphone für ausstellungsbegleitende Spielanwendungen nutzen oder durch Augmented Reality anschauliche digitale Zusatzinformationen erleben. Sie können durch ihre technologische Attraktivität (Erleben immersiver Welten, Steuerung eines Roboters, Entwurf eines 3D-Drucks) informelle Lernorte auch für Jugendliche interessant machen, die wenig “museumsaffin” sind. Und sie erlauben durch ihre Aufzeichnungs- und Übertragungsmöglichkeiten eine engere Verknüpfung von Schulunterricht und außerschulischen Lernorten.

Zur Beantwortung dieser Fragen ist eine evidenzbasierte empirische Bildungsforschung zu Prozessen und Wirkmechanismen informeller Lernformen unabdingbar.

Keynote II
Barrieren brechen: Das Konzept Lernökologie kann schulische und informelle Lernorte verbinden

Prof. Dr. Martin Storksdieck
Oregon State University | STEM Research Center, Direktor

Im Bildungssektor unterscheiden wir scharf zwischen der schulischen und der außerschulischen Bildung, und wenn es um Lernerfolg geht, dann wird dieser fast ausschließlich in der Schule verortet, zum Teil auch weil es in Deutschland eine Schul- statt eine Bildungspflicht gibt – aus durchaus guten Gründen. Allerdings sorgt diese Gleichsetzung von Bildung, Lernen und Schule dafür, dass wir Lernen nicht als lebenslanges und in alle Bereiche unseres Lebens eingebundene immerwährende Aktivität verstehen, und wir damit erhebliche Potentiale für Lernen unterschätzen. Im US-Amerikanischen Bildungsdiskurs ist in den letzten Jahren das Konzept der Lernökologie in den Vordergrund getreten. In Anlehnung an Urie Bronfenbrenners ökosytemischen Ansatz menschlicher Entwicklung verortet das Konzept der Lernökologie (Engl.: learning ecosystems oder learning ecologies) Lernen in allen Bereichen des Lebens, und sieht diese Bereiche als geografisch und zeitlich verbunden; nicht weil es so sein soll, sondern weil es so ist. In diesem Vortrag wird das Modell der Lernökologie vorgestellt, kritisch bewertet, und mit einer Vorstellung von Lernen verbunden, die Wissen, Können und Emotionen integriert. Anhand von konkreten Beispielen wird erörtert, wie eine solcher Ansatz zu besserer Integration von schulischen and außerschulischen Bildungsangeboten führen kann. Es wird anhand von Beispielen aus der US-Amerikanischen und der deutschen Bildungslandschaft aufgezeigt, dass es neuer Institutionen bedarf, um die Potentiale eines integrativen Bildungsansatzes voll auszuschöpfen.

Forum I – LERNEN

Leitung: Prof. Dr. Doris Lewalter
TU München & ZIB | Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien


Von Ökosystemen und Komplizen: Lernen an der Schnittstelle von außerschulischer und schulischer Bildung

Prof. Dr. Felicitas Macgilchrist
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Außer dem Bildungsort Schule gibt es eine Vielfalt an weiteren Lernorten, an denen Kinder und Jugendliche lernen, Kompetenzen ausbilden und Erfahrungen sammeln. Zunehmend streben Schulen und außerschulische Lernorte – wie Museen, künstlerische Einrichtungen, historischen Bildungsorte, Makerspaces, FabLabs, Digital Labs und Co – eine engere Kooperation an. Doch die strukturellen Bedingungen von Schulen und außerschulischen Lernorten ermöglichen nicht nur große Potenziale, sondern generieren auch Herausforderungen für alle beteiligten Akteur*innen in der konkreten Zusammenarbeit.

Welche Unterschiede zwischen ‚Schulen‘ und ‚außerschulischen Lernorten‘ erscheinen in der Praxis? Wie ähneln und unterscheiden sich die Lernkulturen, institutionellen Logiken und technischen Möglichkeiten? Was sind die ‚Gelingensbedingungen‘ einer erfolgreichen Kooperation, die das Lernen unterstützt? Wie können diese Gelingensbedingungen erfolgreich gefördert werden? Basierend auf empirischen Forschungsergebnissen werden erste Antworten auf diese Fragen im Vortrag vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf (post-) digitaler Bildung. Der Beitrag schließt mit Implikationen für die Zukunft von Lernen an der Schnittstelle von außerschulischer und schulischer Bildung.


Non-formales und informelles Lernen – Erkenntnisse, Praxis und Potenziale am Beispiel der Kulturellen Bildung

Prof. Dr. Vanessa Reinwand-Weiss
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V.

Non-formales und informelles Lernen kennzeichnet vor allem, dass es sich einem gesellschaftlich zertifizierten und sanktionierten Lernen in formalen Bildungseinrichtungen entzieht und daher nicht nur andere Lernfelder, sondern auch andere Lerninhalte, -ziele und -methoden beinhaltet. Während non-formales Lernen in Einrichtungen wie Musik oder Tanzschulen, Volkshochschulen, Sport- und anderen Vereinen oder Medienzentren, aber auch beruflichen Einrichtungen pädagogisch organisiert stattfindet, bezeichnet informelles Lernen Aneignungsprozesse, die weitestgehend selbstgesteuert oder gar beiläufig ablaufen. Der Beitrag erläutert vor allem am Beispiel der ästhetischen und kulturellen Bildung, wie sich non-formales und informelles Lernen von Lernkontexten in formalen Strukturen wie der Schule abgrenzen und welche Ziele und Methoden damit verbunden sind. Es wird ein Blick in die Praxis des non-formalen und informellen Lernens in der Kulturellen Bildung geworfen und dargelegt, warum non-formale und informelle Formen des Lernens so bedeutsam sind für mehr Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Der Ausblick macht deutlich, dass in der pädagogischen Weiterentwicklung und Ausgestaltung von Ganztageskonzepten ein großes Potenzial der Verbindung von formalem und informellem Lernen liegen könnte.


Innovative und evidenzbasierte Gestaltung von Vermittlungsformaten in Museen und Ausstellungen: Mit instruktionspsychologischen Ansätzen informelle Lernprozesse fördern

Prof. Dr. Peter Gerjets
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien

Die meisten instruktionspsychologischen Modelle und Methoden der erfolgreichen Gestaltung von Lernsituationen sind im Kontext formeller (z. B. schulischer) Settings entwickelt worden.  Informelle Lernsituationen (z. B. in Museen und Ausstellungen) weisen demgegenüber einige einzigartige Merkmale auf, wie z. B. das Ausmaß der Heterogenität von Besuchenden, die Fokussierung auf authentische Objekte und Orte oder die Bewegung von Besuchenden in einem inszenierten Raum. Auch werden in größerem Umfang Strategien einer unterhaltsamen, Neugier weckenden Wissensvermittlung genutzt, beispielweise durch narrative oder personalisierte Elemente. Ungeachtet dieser Unterschiede teilen Museen und Ausstellungen aber auch viele Merkmale formaler Lernsituationen. So konzentrieren sie sich auf wissenschaftliche Evidenz und Argumentation und nutzen ein breites Spektrum an verschiedenen Medien, welche von Texten und Illustrationen bis hin zu physischen Modellen reichen. Basierend auf diesen Übereinstimmungen und der Grundannahme, dass menschliches Lernen und Verstehen in verschiedensten Kontexten auf einem gemeinsamen Satz psychologischer Prozessen beruht, welche sowohl für formale als auch für informelle Lernsituationen zentral sind, explorieren wir, ob und wie etablierte instruktionspsychologische Modelle mit ihren Annahmen über die für Lern- und Verstehensprozesse zentralen kognitiven und motivationalen Elemente so adaptiert werden können, dass sie auch auf informelle Lernszenarien in Museen und Ausstellungen anwendbar sind, um Vermittlungsformate zu gestalten, die sowohl innovativ als auch evidenzbasiert im Hinblick auf die Förderung bestimmter Lernprozesse sind. Im Beitrag wird dieser Ansatz an konkreten Beispielen illustriert.

Forum II – AUFWACHSEN

Leitung: Prof. Dr. Natalia Gagarina
ZAS | Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft & Humboldt-Universität zu Berlin


Überblick und Befunde zu außerschulischen Lernorten und zum informellen Lernen aus dem Nationalen Bildungspanel

Prof. Dr. Ilka Wolter
LIfBi | Leibniz-Institut für Bildungsverläufe & Otto-Friedrich-Universität Bamberg

gemeinsam mit

Prof. Dr. Cordula Artelt
LIfBi | Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, Direktorin & Otto-Friedrich-Universität Bamberg

In dem Vortrag soll die Relevanz von außerschulischen Lernumwelten anhand der Daten der vorschulischen und schulischen Kohorten des Nationalen Bildungspanels beleuchtet werden. Es werden außerschulische Lernumwelten und die Zusammenhänge des informellen Lernens auf die Kompetenzentwicklung von der frühen Kindheit bis in das Jugendalter hinein betrachtet. Es werden Befunde aus der frühen Bildung mit besonderem Fokus auf familiäre Lernumwelten und deren Rolle im Spracherwerb von Kindern dargestellt. Zudem wird die Relevanz außerschulischer Aktivitäten und informeller Lerngelegenheiten in der mittleren Kindheit und Jugend in den Blick genommen und vor dem Hintergrund von Bildungsungleichheiten diskutiert.


Wissenschaft und Praxis im Austausch: Erkenntnisse aus der Forschung für die Elternkooperation zur Leseförderung nutzen

Prof. Dr. Natalia Gagarina
ZAS | Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft & Humboldt-Universität zu Berlin

gemeinsam mit

Dr. Annkathrin Darsow
Zentrum für Sprachbildung Berlin (ZeS), Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

und

Martina Reynders
Zentrum für Sprachbildung Berlin (ZeS), Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie

Wie können Förderbedarfe zur Leseförderung gezielter erfasst und daraus entsprechende Fördermaßnahmen abgeleitet werden? Dazu werden zunächst Ergebnisse aus Langzeitstudien des Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) zum Einfluss verschiedener Faktoren auf die mehrsprachige Sprachentwicklung vorgestellt und in den Kontext verschiedener Bildungsorte eingebettet. Die Faktoren, phonologische Bewusstheit (= bewusste Manipulation von phonetischen Sprachelementen) und Lexikon (= Wortschatz) werden hier im Besonderen betrachtet. Die Ergebnisse der BIVEM-Studie weisen auf divergierende Prädiktoren hin. So ist z.B. ein früher Spracherwerbsbeginn entscheidend für die Wortschatzgröße, welches wiederum ein Prädiktor für die spätere Lesekompetenz darstellt (Czapka et al., 2023; Gagarina et al., 2021). Aus den Erkenntnissen der BiVEM-Langzeitstudie können Unterstützungsangebote für die Lebensrealitäten der gesamten Schüler*innenschaft (einsprachig und mehrsprachig aufwachsend) abgeleitet und diskutiert werden:

Für die Leseförderung sind z. B. Eltern ein wichtiger Partner der Schule, insbesondere in der Schulanfangsphase. Wie Schule Eltern als Kooperationspartner gewinnen kann, um den Prozess der Leseförderung zu Hause angemessen zu unterstützen und Partizipationsmöglichkeiten in der Schule zu schaffen, wird im Vortrag erläutert. Die Unterstützungsangebote des Zentrums für Sprachbildung (ZeS) werden vorgestellt und exemplarisch wird näher auf das Berliner Bücherkofferprogramm inkl. erster Evaluationsergebnisse eingegangen. Beim Berliner Bücherkofferprogramm nehmen Kinder der Schulanfangsphase abwechselnd einen Koffer mit mehrsprachigen Büchern nach Hause, wodurch die Lesekompetenzen der Kinder und die Kooperation mit dem Elternhaus unterstützt werden und die Mehrsprachigkeit der Kinder als Ressource aufgegriffen wird.

Forum III – AUSTAUSCHEN & PARTIZIPIEREN/TEILHABEN

Leitung:

Prof. Dr. Alexandra Busch
LEIZA | Leibniz-Zentrum für Archäologie, Direktorin & Leibniz-Kompetenzzentrum Bildung im Museum

gemeinsam mit

Dr. Lorenz Kampschulte
Deutsches Museum & Leibniz-Kompetenzzentrum Bildung im Museum

Dialog und aktive Teilhabe sind wichtige Grundsäulen unserer demokratisch geprägten Gesellschaftsstruktur. Dies betrifft nicht nur den politischen Bereich im lokalen, nationalen und internationalem Umfeld, sondern auch die Weiterentwicklung der Gesellschaft als Ganzes – im sozialen und wissenschaftlichen Umfeld. Wie wollen wir in Zukunft leben? Welche technologischen und sozialen Möglichkeiten wollen wir nutzen? Und welchen Einfluss haben unsere heutigen Entscheidungen auf unsere Zukunft?

Aber Teilhabe ist kein Selbstläufer, sie muss sowohl systemseitig vorgesehen, als auch auf Seite der Bürger:innen aktiv wahrgenommen werden. Um sich in gesellschaftliche Diskussionen einbringen zu können braucht es zum einen etwas thematisches Wissen über die fachlichen Grundlagen und Zusammenhänge. Zum anderen – und das ist vielleicht sogar der wichtigere Teil – ist eine grundlegende strukturelle Methodenkompetenz nötig: Wie funktioniert wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn? Wie laufen politische Entscheidungen ab? Teilhabe ist nicht selbstverständlich, sondern ein aktiver Lern- und Entwicklungsprozess, der sich über das ganze Leben weiterentwickelt. Informelle Lernorte wie Museen können dabei unterstützen, Teilhabeprozesse vom Kindesalter an zu entwickeln, zu formen, und Bürgerinnen und Bürger dazu zu befähigen Teilhabe aktiv zu leben.

Forschungsmuseen erreichen ein breites Publikum und können Menschen unterschiedlichen Alters und kulturellen wie auch sozialen Hintergrundes für gesellschaftlich relevante Themen begeistern und sensibilisieren. Sie ermöglichen die Teilhabe an Forschungsprozessen, schaffen ein vertieftes Verständnis für den ergebnisoffenen Prozess wissenschaftlicher Arbeit und stärken damit kritisches Denken und Urteilsvermögen als grundlegende Kompetenzen in einer demokratischen Wissensgesellschaft.

Dr. Lorenz Kampschulte
Deutsches Museum & Leibniz-Kompetenzzentrum Bildung im Museum

Förderung von Teilhabe im naturwissenschaftlich-technischen Bereich – Beispiele aus dem Deutschen Museum

Dialog und Teilhabe zu fördern sind Ziel vieler Museen. Die Motivationen dafür sind vielfältig: nach innen gerichtet um die Gesellschaft stärker am kulturellen Erbe teilhaben zu lassen, um kulturelle Identitäten zu stärken und die Vergangenheit mit dem heute zu verbinden. Nach außen gerichtet um gesellschaftliche Veränderungen wie z. B. den Klimawandel zu begleiten und Menschen dabei zu unterstützen Aktion und Verantwortung zu übernehmen. Die Wege dorthin sind ebenso vielfältig wie die Motivationen der Museen – es gibt keinen Standard, keinen Königsweg. Drei Beispiele aus dem Deutschen Museum zeigen mögliche Wege für Dialog und Teilhabe im naturwissenschaftlich-technischen Bereich.

Forum IV – MACHEN / ERKUNDEN / FORSCHEN

Leitung:

Dr. Carolin Enzingmüller
IPN | Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik

gemeinsam mit

Prof. Dr. Katrin Sommer
Ruhr-Universität Bochum


Schülerlabore und Schülerforschungszentren liefern einen strukturellen Beitrag zur außerschulischen Bildung, indem sie eine institutionalisierte Plattform für den authentischen Austausch zwischen Akteuren aus Forschung und Entwicklung und den Teilnehmern der Angebote bieten. Die Angebote setzen auf das eigenständige Forschen und Experimentieren, das “Machen”.

Oftmals sind diese Lernorte aus Kooperationen mit der Wissenschaft entstanden und haben selbst Bezug zu Forschung. Kollaborative Outreach-Projekte bieten die Chance, aktuelle, häufig interdisziplinäre wissenschaftliche Themen für diese Lernorte didaktisch wertvoll aufzuschließen und verschiedene Akteure in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

Exemplarisch an Aktivitäten aus einem etablierten Schülerlabor wird aufgezeigt, welche Anforderungen an Formate für Breitenförderung sowie an Formate der Individualförderung gestellt werden. Sie unterscheiden sich u.a. in inhaltlicher Ausrichtung, wie Notwendigkeit einer curricularen Passung, und zeitlicher Organisation. Die Beachtung dieser Anforderungen trägt maßgeblich zum Erfolg der Angebote bei.

Um innovative Konzepte und Formate umzusetzen, braucht es eine systematische Unterstützung. Stiftungen kommt eine wichtige Rolle bei der Gründung und Umsetzung neuer Lernorte zu. Neben der finanziellen Unterstützung trägt auch die Netzwerkbildung dazu bei, Angebote bekannter zu machen und Partnerschaften mit Unternehmen, Hochschulen oder anderen Bildungseinrichtungen zu fördern.

Der nachhaltige Erfolg der Angebote ist abhängig von Faktoren, wie Bekanntheitsgrad, Akzeptanz, Nachfrage, Image, Sponsoring und regionalen Besonderheiten. Eine gelingende Kooperation zwischen den außerschulischen Lernorten und Ministerien ist hier entscheidend, um die Angebote langfristig im Bildungssystem zu verankern und Schüler*innen bestmöglich zu fördern.


Jörg Triebel
Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Referat 32

Schülerforschungszentren sind in hohem Maße von verschiedenen Faktoren abhängig, darunter Bekanntheitsgrad, Akzeptanz, Nachfrage, Image, Sponsoring und regionale Besonderheiten. Um erfolgreich zu sein, ist es wichtig, dass sie zuverlässige Ansprechpersonen haben, die bei der Entwicklung und Etablierung der Zentren eine wichtige Rolle spielen. Diese Mitwirkenden können maßgeblich zur Qualität der Ergebnisse und zur Kontinuität der Angebote beitragen.

Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Kooperation und Zusammenarbeit zwischen Schülerforschungszentren, außerschulischen Bildungsorten und Ministerien. Durch eine enge Zusammenarbeit können alle Beteiligten voneinander profitieren und gemeinsam dazu beitragen, dass Schüler*innen bestmöglich gefördert werden. Außerschulische Bildungsorte bieten Schüler*innen die Möglichkeit, außerhalb des regulären Schulunterrichts zu lernen und sich weiterzubilden.

Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ministerien und zwischen den Ministerien können Schülerforschungszentren und außerschulische Bildungsorte ihre Angebote ausbauen und verbessern, um noch mehr Schüler*innen zu erreichen. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten, um die bestmöglichen Bedingungen für die Schülerforschungszentren und außerschulischen Bildungsorte zu schaffen. Nur so können sie ihre volle Wirkung entfalten und dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche bestmöglich gefördert werden. Diese interministeriellen Schnittstellen sind zunehmend wichtiger in den Ländern geworden.

Forum V – ERFAHREN

Leitung: Prof. Dr. Stephan Schwan
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien


Was heißt und zu welchem Ende erleben wir digitale Geschichte? Praktiken der Interaktion und Immersion in der historisch-politischen Bildung

Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann
Hebräische Universität Jerusalem

Mit Hilfe von digitalen Technologien Geschichte zu erleben, bedeutet das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart neu zu bestimmen. Digitale Medien können präsent machen, was weit entfernt, abwesend, vielleicht sogar längst verschwunden ist, und sie können dabei helfen am historischen Ort oder am Gegenstand einer historischen Quelle unscheinbare Details sichtbar und zusätzliche Informationsschichten zugänglich zu machen. „Erleben“ ist dafür ein unscharfer Begriff, denn selbst die immersive Auseinandersetzung mit Geschichte in virtuellen Umgebungen evoziert ein hochgradig medial induziertes Erleben und ermöglicht keinen direkten Zugang zur Vergangenheit. In den Blick geraten darum Praktiken der immersiven und interaktiven Auseinandersetzung mit den Spuren des Vergangenen in digitalen Medienumgebungen: Verknüpfen, Annotieren, Bewegung, Berühren, Prompting etc. Diese Praktiken fördern ein Präsenzerleben, das die aktive Beschäftigung mit Geschichte, ihren Quellen und Zeugnissen unterstützt. Der Input zu innovativen Medien diskutiert verschiedene Formate und Ansätze digitaler Auseinandersetzung mit der Geschichte des Holocaust, die von Virtual-Reality-Erfahrungen und 3D-Modeling bis zu Augmented-Reality-Anwendungen und KI-gestützter Interaktion mit historischen Quellen und Zeugnissen reichen.


Prof. Dr. Christian Kuchler
Universität Augsburg

Besucher*innen erwarten von historischen Orten, Museen und Gedenkstätten die Möglichkeit eines „Erlebens“ von Geschichte. Doch ist diese Hoffnung nicht zu erfüllen, weil eine direkte Begegnung mit Geschichte selbst am Ort des vormaligen Geschehens nicht mehr möglich ist. Zwischen den Erwartungen der Gäste und dem Potential der besuchten Orte für das historisch-politische Lernen klafft also eine Lücke, die es zu klären und pädagogisch zu nutzen gilt.

Dezidiert mit dem Blick auf Schüler*innen soll am Beispiel der gesellschaftlich weitgehend unumstrittenen Gedenkstättenfahrten deutscher Schulen aufgezeigt werden, wie aus der Erwartung eines „Erlebens“ von Geschichte der Weg zu einer kritischen Reflexion angebahnt werden kann. Dargestellt wird vor allem, welchen Ertrag derartige Reisen erzielen können und wo die Grenzen des pädagogisch Möglichen liegen. Auf Basis einer Langzeitstudie wird zudem erörtert, wie sich die Schwerpunkte des Lernens bei Gedenkstättenexkursionen verändert haben – und wie sie sich im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und der technischen Tools, die künftig auch bei Besuchen in Museen und Gedenkstätten einsetzbar sein werden, weiterentwickeln.


Arne Pannen
Gedenkstätte Sachsenhausen

Die KZ-Gedenkstätten in Deutschland erreichen jährlich ein Millionenpublikum, mit steigender Tendenz. In nationaler und internationaler Perspektive wird diesen historischen Orten eine herausragende Bedeutung in der Auseinandersetzung mit Geschichte beigemessen.

Das Bedürfnis der Besuchenden, an diesen Orten Geschichte greifbar zu machen, geht oft mit der Erwartung einer unmittelbaren Erlebbarkeit einher. Was kann jedoch an einem Ort erlebt werden, der „Sinnbild“ für Massenverbrechen des NS Regimes ist?

Ziel der Gedenkstättenpädagogik ist es, das vielfältige Interesse der Besuchenden aufzugreifen und mit einer Vielzahl an Geschichtszugängen darauf zu antworten. Die Gedenkstättenpädagogik tritt hier also in eine vermittelnde Position zwischen den vergangenen Ereignissen, ihren historischen Spuren und den heutigen Besuchenden.   

An den Orten des „hier ist es gewesen“ lassen sich historische Zusammenhänge topografisch und biografisch verorten und historische Quellen mit mehreren Sinnen erkunden.

Vor dem Hintergrund aktueller Wandlungen, wie der zunehmenden Internationalisierung und Diversifizierung der Besucher:innengruppen, aber auch sich stetig weiterentwickelnder Medienensembles und Sehgewohnheiten, zeigt der Impuls verschiedene Ansätze, Chancen und Herausforderungen der Geschichtsvermittlung in Gedenkstätten auf. Diskutiert werden sollen außerdem infrastrukturelle Probleme, welche dazu führen können, dass die reale pädagogische Praxis von den idealen Vermittlungszielen abweichen kann.

Hinweise: Es liegen uns nicht zu allen Vorträgen Präsentationen vor. Mit Klick auf “Video” werden Sie zu YouTube weitergeleitet.

Begrüßung durch das Netzwerk
Prof. Dr. Marcus Hasselhorn

Begrüßung durch die Politik
Dr. Sabine Döring

Katharina Günther Wünsch

Einführung in die Thematik
Prof. Dr. Ulrike Cress


Keynote I

Prof. Dr. Stephan Schwan

Erfahren, Erkunden, Experimentieren – Außerschulische und informelle Lernorte der vierten Generation


Keynote II

Prof. Dr. Martin Storksdieck

Barrieren brechen: Das Konzept Lernökologie kann schulische und informelle Lernorte verbinden



Forum II

AUFWACHSEN


Forum III

AUSTAUSCHEN / PARTIZIPIEREN / TEILHABEN




Bildungsdialog

Welche Potenziale bieten außerschulische Lernorte? Welche Herausforderungen bestehen?


Lizenzen
Videoaufzeichnungen (Video): CC BY ND 3.0 DE
Präsentationen (PDF): Keine Open-Access-Lizenz.
Alle bereitgestellten Präsentationen sind urheberrechtlich geschützt. Sollten Sie Teile hiervon verwenden wollen, wenden Sie sich bitte an leibniz-bildungspotenziale@dipf.de, sodass wir gegebenenfalls den Kontakt zum/r Urheber*in oder Nutzungsberechtigten herstellen können.

Im Rahmen des Digitaltags 2023 haben wir mit dem IDS | Leibniz-Institut für Deutsche Sprache eine Aktion zur Reflexion und Erweiterung von sprachlichem Wissen unter Einsatz multimedialer Formate und authentischer Sprachdaten veröffentlicht. Testen Sie auf der Website der LernGrammis Ihr Wissen in interaktiv erkundbaren Stationen.

Das Dossier „Außerschulische Bildung und Lernorte für Kinder und Jugendliche beim Deutschen Bildungsserver bietet einen Überblick über die dortig enthaltenen Informationen zur außerschulischen Jugendbildung sowie zu außerschulischen bzw. non-formalen und informellen Lernorten.

In den Audio-Linkempfehlungen hat Christine Schumann interessante Linkempfehlungen aus dem Dossier zusammengestellt – für Wissenschaftler*innen, aber auch für Menschen aus der Bildungspraxis.

LERN-Jahrestagung 2023 – Wirksamkeit und Nachhaltigkeit in der Bildung

„Wirksamkeit und Nachhaltigkeit in der Bildung”

Die interne Wissenschaftliche Jahrestagung 2023 fand am 04. und 05. Mai in Mannheim statt und wurde vom IDS | Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, von GESIS | Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und vom ZEW | Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim ausgerichtet.

Sprachfördermaßnahmen in Kindertageseinrichtungen und ihre Wirksamkeit: Ergebnisse der Forschungssynthese stark abhängig von der Suchstrategie

Karin Zimmer (Universität Vechta) & Jolika Schulte (Universität Vechta)

Ziel von Forschungssynthesen ist es, alle für ein Themenfeld relevanten Forschungsergebnisse zu identifizieren und die aus ihnen ableitbare Evidenz unter Berücksichtigung ihrer Aussagekraft zu bündeln. Zum zweiten sollen auf diese Weise auch Forschungslücken identifiziert werden. Der transparenten und möglichst vollständigen Informationssuche kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob neben den in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publizierten Forschungsergebnissen auch andere Quellenarten, wie etwa Werke der sog. grauen Literatur zum Erkenntnisfortschritt beitragen können. Dieser Frage wird im Rahmen der Erstellung einer Forschungssynthese zu Maßnahmen der Sprachförderung für Kinder ab 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen in Deutschland (Zeitraum 1949-2017) nachgegangen. Es wurde eine systematische Informationssuche in neun nationalen und internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften- und Projektdatenbanken, dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, eine Anfrage aller deutschen Städte mit über 100.000 Einwohnern und eine Internetrecherche (Google und GoogleScholar) durchgeführt. Zudem wurden Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft direkt angeschrieben und um Hinweise zum Thema gebeten. Insgesamt wurden auf diese Weise 2.566 verschiedene Dokumente gefunden, von denen 327 nach einer zweistufigen Screening-Prozedur als für die Fragestellung relevant in die Forschungssynthese aufgenommen wurden. Von diesen machen wiederum 31 Untersuchungen auch aussagekräftige Angaben zur Wirksamkeit der Sprachförderung auf Ebene des Kindes.
Die in die Forschungssynthese eingehenden Quellen werden mit Hinblick auf ihren Publikationsstatus und ihre Begutachtung in einem externen Begutachtungsverfahren eingeordnet. Im Ergebnis zeigt sich, dass über ein Drittel aller relevanten Dokumente durch die direkte Expertenanfrage und sie ergänzende Internetrecherchen gefunden wurden. Die zur Beurteilung der Wirksamkeit von Sprachförderung beim Kind herangezogenen Untersuchungen stammen knapp zur Hälfte aus Quellen, die nicht einer formalen, externen Begutachtung unterzogen wurden. Je nach Quellenart finden sich Unterschiede in Zielgruppe und Zielrichtung der Intervention. Dieser Befund zeigt die Wichtigkeit von grauer und unveröffentlichter Dokumentation und weist darauf hin, wie (aus der Praxis stammendes) Erfahrungswissen in der wissenschaftlichen Arbeit vermehrt berücksichtigt werden kann.

Durch welche Maßnahmen gelingt der Abbau von Bildungsbarrieren? Erste Ergebnisse einer Forschungssynthese

Selina Kirschey (DIPF), Monika Lindauer (DJI), Ingeborg Jäger-Dengler-Harles (DIPF), Christina Möller (DJI), Jan Scharf (DIPF), Andreas Herz (DJI), Susanne Kuger (DJI) & Kai Maaz (DIPF)

Sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben geringere Bildungschancen und -erfolge. Dieser Zusammenhang ist in Deutschland besonders stark und persistent (Becker & Lauterbach, 2016; Köller et al., 2019; Lühe, 2019; Maaz & Dumont, 2019; Miethe et. al., 2021; Scharf et al., 2020, Weis et al., 2019). Die Frage, wie Bildungsbarrieren entstehen, ist umfangreich erforscht und systematisiert (Bachsleitner, Lämmchen & Maaz 2022). Dagegen fehlt es an Überblicksarbeiten, welche Maßnahmen zum Abbau von Bildungsbarrieren wirken.
Studienergebnisse zu dieser Frage zu systematisieren, ist Ziel unserer Forschung im Verbundprojekt „ABIBA | Meta − Abbau von Bildungsbarrieren: Lernumwelten, Bildungserfolg und soziale Teilhabe“. Während viele Studien vor allem Bildungsbarrieren im Zusammenhang
mit formalen Bildungssettings untersuchen (Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2020, S. 79; Gomolla, 2014), soll unsere Forschungssynthese darüber hinaus auch die non-formale und informelle Bildung einschließen. Wir berücksichtigen zudem eine breite Spanne an Lebensphasen von der frühen Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter (0-27 Jahre). Das Forschungsvorhaben fokussiert verschiedene Ebenen, auf denen Bildungsbarrieren auftreten
(Schmidt-Hertha, 2018, S. 831; Wenzel, 2008, S. 430): individuelle Aspekte (Mikro-Ebene), Lernumwelten (Meso-Ebene) und strukturelle Aspekte wie wirtschaftliche oder sozialräumliche Lebenslagen (Makro-Ebene). Der Fokus liegt auf empirischen qualitativen und quantitativen
Studien, die die Wirksamkeit von Maßnahmen gegen Bildungsungleichheiten in Deutschland evaluieren. Dazu wird in Literaturdatenbanken anhand einer kriteriengeleiteten Suchstrategie
nach relevanten Studien recherchiert, die anschließend kodiert und analysiert werden. Der Beitrag berichtet erste Ergebnisse zu bisher analysierten Studien. Dabei wird zunächst der Anteil an Studien in den verschiedenen Bildungssettings und Lebensphasen verglichen.
Des Weiteren erfolgt eine Darstellung, welche Arten von Bildungsbarrieren und welche Maßnahmen zu deren Abbau in der untersuchten Literatur erforscht werden und schließlich,
ob und wie diese Maßnahmen wirken. Ausblickend wird die Bedeutung der Ergebnisse für die empirische Bildungsforschung und die Praxis erörtert: Die Identifikation von wirksamen Maßnahmen sowie Forschungsdesiderata zum Abbau von Bildungsbarrieren, auch in bisher weniger erforschten Lebensphasen und Bildungssettings.

Ungleiches ungleich behandeln. Abbau von Bildungsungleichheiten durch eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung?

Norbert Sendzik (LIfBi), Marcel Helbig (LIfBi, WZB), Denise Demski
(RUB) & Gabriele Bellenberg (RUB) & Sarah Eiden (RUB)

Herkunftsbedingte Disparitäten im Bildungssystem sind für unterschiedliche Bildungsetappen und im Zeitverlauf international und national vielfach empirisch belegt, wobei für ihre Erklärung neben primären und sekundären Herkunftseffekten auch dem Sozialraum und sozialen Segregationstendenzen Relevanz zukommt. Eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung, im Zuge derer Bildungseinrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien zusätzliche Ressourcen erhalten, wird als Mittel zum Abbau von Bildungsbarrieren angesehen und seit einigen Jahren auch auf kommunaler Ebene verstärkt eingesetzt. Im Mehrebenensystem kommt Kommunen dabei eine Doppelrolle hinsichtlich der Mittelzuweisung zu, da sie sowohl über eigene Ressourcen verfügen, daneben z.T. aber auch für die konkrete Verteilung von Bundes- oder Landesmitteln verantwortlich sind.
Internationale Befunde deuten darauf hin, dass der Ressourcenumfang sowie die Art und Weise, wie diese zugewiesen und genutzt werden (sollen), die Wirkungen einer bedarfsorientierten Ressourcensteuerung beeinflussen. Für Deutschland liegt jedoch noch kaum Evidenz in Bezug auf Ausmaß, Ausgestaltungen und Wirkungen einer bedarfsorientierten Ressourcensteuerung vor. Mit dem Ziel, eine Datengrundlage für eine wirkungsbezogene Evaluationsforschung zu gewinnen, gehen wir daher folgenden Forschungsfragen nach:

– Welche Kommunen in Deutschland haben bereits eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung im Schulbereich implementiert?
– Wie wird eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung in Kommunen umgesetzt (z.B. Umfang, Verteilungsprinzipien)?

Die ersten Ergebnisse einer systematischen Dokumentenanalyse sowie einer Onlinebefragung von Leitungen kommunaler Schulverwaltungen im Rahmen des BMBF-Verbundprojekts „ABBAUBAR“ deuten darauf hin, dass sich sowohl die Implementation einer bedarfsorientierten
Ressourcensteuerung als auch deren Umsetzung zwischen Kommunen deutlich unterscheidet. Liegt eine bedarfsorientierte Ressourcensteuerung vor, lässt sich eine Varianz etwa hinsichtlich der Art der Mittel (Personalstellen bzw. Budgets zur freien oder zweckgebundenen Verwendung) und in Bezug auf die Verteilungsgrundlage (antragsbasiert bzw. datenbasiert, z.B. durch die Verwendung von Sozialindizes) identifizieren. Im Vortrag werden deskriptive Statistiken präsentiert sowie Einblicke in die unterschiedlichen kommunalen Umsetzungen gegeben; zudem werden nächste Schritte zur Nutzung der Befunde für eine Forschung zu den Wirkungen einer bedarfsorientierten Ressourcensteuerung vorgestellt und kritisch diskutiert.

Nützlichkeit und Wirksamkeit einer innovativen Suchmaschine für
authentische und kompetenzadaptive Sprachlerntexte (KANSAS)

Mareike Kholin (DIE), Detmar Meurers (U Tübingen), Michael Becker-Mrotzek (MI Köln), Hannes Schröter (DIE) & Josef Schrader (DIE)

Für eine gelingende Binnendifferenzierung brauchen Lehrkräfte in den Bereichen Alphabetisierung, Grundbildung und Deutsch als Zweitsprache Sprachlernmaterial, das sowohl inhaltlich als auch sprachlich an die heterogenen Bedürfnisse der Lernenden angepasst ist. Digitale Tools können Lehrkräfte bei der Textrecherche unterstützen. KANSAS ist eine innovative Suchmaschine, die Lehrkräfte bei der Suche und Auswahl von authentischen Lesetexten im Internet und in einem elektronischen Textkorpus unterstützt (Dittrich et al., 2019). Mit KANSAS können Lehrkräfte sowohl die inhaltliche als auch die sprachliche Komplexität der Texte bei der Suche anpassen.
Für einen nachhaltigen und effektiven Einsatz neu entwickelter Tools braucht es systematische Studien zur Nützlichkeit und Wirksamkeit digitaler Tools in realistischen Anwendungskontexten. Im folgenden Beitrag werden daher zwei aufeinander aufbauende Online-Studien zu KANSAS präsentiert.
Eine Evaluation der Suchmaschine mit 27 Lehrkräften ergab, dass Lehrkräfte KANSAS als hilfreiches Werkzeug für die Unterrichtsplanung und Textrecherche erleben (Mayer et al., 2023). Die Ergebnisse der Evaluation zeigen insbesondere die Relevanz frei verfügbarer und veränderbarer Sprachlerntexte für den nachhaltigen Einsatz der Suchmaschine auf. In einer Within-subjects-Interventionsstudie mit 36 Lehrkräften wurde KANSAS mit einer Standardsuchmaschine, die keine sprachlichen Einstellungen ermöglicht, verglichen. Die Ergebnisse der Interventionsstudie zeigen, dass mit KANSAS sprachlich passendere Texte gefunden wurden und die Qualität von auf den darauf aufbauenden Unterrichtsentwürfen durch zwei unabhängige Gutachtende höher bewertet wurde.
Im Vortrag werden diese Ergebnisse diskutiert und zukünftige Forschungsperspektiven aufgezeigt. Darüber hinaus wird erläutert, wie der Bedarf an frei verfügbaren Sprachlerntexten durch die Erstellung eines Textkorpus aus über 11.000 frei lizensierten Texten in KANSAS adressiert wurde.

A Library in the Palm of your Hand? Inequalities in Reading Literacy and
Educational Attainment

Silke Anger (IAB), Bernhard Christoph (IAB), Agata Gałkiewicz (IAB, U Potsdam), Shushanik Margaryan (U Potsdam), Frauke Peter (DZHW), Malte Sandner (IAB, TH Nürnberg), Thomas Siedler (U Potsdam)

Children from disadvantaged households read less than their non-disadvantaged peers. Reading skills correlate with overall academic achievement, suggesting that insufficient reading may be one of the causes of achievement gaps by socioeconomic background. This paper evaluates the effects of a randomized reading intervention that distributed E-book-readers to students from disadvantaged backgrounds in grades five and six. We examine reading time, reading competence, and educational outcomes. We find that the intervention significantly increases students‘ reading. Our results suggest that a relatively inexpensive intervention, which directly targets children, can have a large effect on an important educational activity.

LernGrammis: Lernerspezifische Materialien und
Angebote für die Reflexion über Sprache – Grundlagen für
systematisches strukturelles Sprachwissen

Giorgio Antonioli (IDS), Gertrud Faaß (IDS), Niklas Reinken (IDS), Roman Schneider (IDS)

Die Auseinandersetzung mit den grammatischen Mustern eines Sprachsystems ist sowohl in der Erstsprache (L1) als auch beim Erwerb von Zweit- (L2) bzw. Fremdsprachen die vielleicht größte Hürde. Gründe dafür können unterschiedlich sein. Grammatik-Lehrwerke überfordern Lernende ohne spezielle Vorkenntnisse zum einen oft mit ihrer Komplexität, zum anderen werden sie als zu abstrakt in dem Sinne wahrgenommen, dass die konkrete Bezugnahme auf Sprachpraxis nicht überzeugend erschlossen werden kann. Das hat naheliegenderweise Folgen: Entweder misslingt der Erwerb von metasprachlichem Wissen im Rahmen von Bildungsmaßnahmen ganz und gar oder das erworbene Wissen wird nach dem Ende der entsprechenden Bildungsmaßnahme rasch wieder vergessen.
Unter anderem aus diesen Gründen ist der Bedarf nach Ressourcen, die eine nachhaltig wirksame, nicht überlastende und weiterfördernde Beschäftigung mit strukturellem Sprachwissen ermöglichen, stärker denn je. Genau die Erstellung einer solchen Ressource setzt sich das Projekt LernGrammis zum Ziel. Die Arbeiten daran begannen im Dezember 2022 und streben den didaktischen Ausbau des digitalen grammatischen Informationssystems Grammis (grammis.ids-mannheim.de) an. Dieses soll um Lernbausteine und -pfade für die universitäre Lehre sowie für den Schul- bzw. den Fremd-/Zweitsprachenunterricht erweitert werden. Jede Lerneinheit adressiert also einen spezifischen Bildungsbereich und ist weiterhin:

– modular aufgebaut: Sowohl die einzelnen thematischen Einheiten als auch die jeweiligen Subdokumente sind weitestgehend voneinander unabhängig. Somit wird kein Vorwissen aus vorangehenden Einheiten vorausgesetzt. Eventuelle Wissenslücken lassen sich durch im Text eingebettete Verknüpfungen beheben. Somit wird auch die Gefahr minimiert, die Nutzerschaft mit überflüssigen Informationen zu überlasten.
– interaktiv und multimedial: Die Lernenden werden in jeder Einheit mit Aufgaben zur linguistischen Reflexion und mit Übungen konfrontiert und erhalten anschließend Rückmeldungen bzw. Lösungshinweise. Zu den Aufgabenstellungen gehören stellenweise auch Recherchen in digitalen Grammatikwörterbüchern und Sprachkorpora. Somit werden sowohl die aktive Beschäftigung mit Regelwerken als auch die (niederschwellig) forschende empirische Analyse grammatischer Kategorien und Zusammenhänge („forschendes Lernen“) gefördert. Das selbstständige Arbeiten mit authentischem Material befördert dabei mutmaßlich die Erarbeitung individueller Lernstrukturen und überwindet eine nicht mehr zeitgemäße Interpretation von Lernen als purer Wissensaneignung.

Im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme zum Aufbau einer nachhaltig verfügbaren digitalen Bildungsinfrastruktur wird das Angebot an die im Entstehen begriffene „Nationale Bildungsplattform“ angeschlossen. Um die Bedarfe der heterogenen Nutzungsgruppen abzuschätzen, führt das Projekt eine breit adressierten Online-Umfrage unter Lehrenden und Lernenden durch. Deren Ergebnisse fließen in die Arbeiten zur Entwicklung eines lebenslang – d.h. in unterschiedlichen Bildungskontexten – effektiven Angebots ein. Wirksamkeit und Bildungserfolge werden zum Abschluss des Projekts wiederum im Rahmen einer empirischen Nutzungsstudie validiert. Im Vortrag präsentieren wir „Work in Progress“ und werden anhand konkreter erster Ergebnisse die Integration von LernGrammis in der akademischen Lehre, im Schulunterricht und beim Erwerb des Deutschen als Zweit-/Fremdsprache demonstrieren.

Subject-Specific Higher Education Gender Wage Gap in Germany, 1993-2013

Fabian Trennt (DZHW) & Jessica Ordemann (DZHW)

Germany has experienced a tremendous expansion of higher education (HE) over the last decades. Especially women increasingly obtained a HE degree. On the one hand, a growing share of HE graduates reflect a change of demand in advanced skills due to technological progress. On the other hand, the expansion might have led to an oversupply of graduates and therefore worse returns on higher education. This should especially be true for study subjects that are commonly not perceived as being the driving force of technological change such as humanities or social sciences – subjects that are often studied by women. While most research did not find a negative impact of HE expansion on graduates’ labor market prospects in Germany, studies that take a more differentiated view at the level of subjects and gender are scarce.
In our study, we ask if HE expansion has an impact on the HE gender wage gap taking into account that field of studies and their associated labor market returns might be influenced differently by technological change. To answer our research question, we use the data of German Centre for Higher Education Research and Science Studies (DZHW)-Graduate Panel Studies of the 1993, -1997-, 2001-, 2005-, 2009- and 2013 graduate cohorts. We run OLS-regressions with real hourly wages at the first job after graduation as dependent variable and interaction of cohort and gender as main independent variable. We find rising wages over nearly all subjects for women and men between 1993 and 2013 with a sharp decline in 2005 and an increase in the gender wage gap after 2005. The HE gender wage gap in our study is mostly driven by graduates of STEM-fields. However, apart from the last cohort, women with a degree in natural sciences have caught up with their male counterparts.

The untold story of internal migration in Germany: patterns, developments, and the role of education

Anton Barabasch (LIfBi), Kamila Cygan-Rehm (LIfBi), Guido Heineck (U Bamberg) & Sebastian Vogler (LIfBi)

Educational Mobility and the Economic Performance of European Regions

Guido Neidhöfer (ZEW), Sarah McNamara (ZEW) & Patrick Lehnert (UZH)

This study analyses the evolution of intergenerational mobility at the regional level and its effects on regional growth and innovation. Based on a rich set of harmonised microdata from 31 European countries, we compute cohort-based time series for several dimensions of intergenerational educational mobility at the regional and national levels. On average, upward mobility rose for cohorts born between 1940 and 1979 at both the secondary and tertiary level. However, considerable spatial and temporal heterogeneity suggests a large degree of regional variation. In a second stage, we use a weighting procedure based on innovation activities over the lifecycle to weight the aggregate annual participation of cohorts in innovation and economic activity. Using these weighted measures, we estimate the effects of changes in mobility on innovation and growth at the regional level using patent data from the European Patent Office and multiple proxies for regional development.

Die Bedeutung von Implementationskontexten für die Wirksamkeit bildungspolitischer Interventionen im Feld der Weiterbildung

Fabian Rüter (DIE), Renan Sari Winkler (DIE), & Julian Hemmerich (DIE)

Im Knowledge Café soll das Konzept einer Nachwuchsgruppe vorgestellt und diskutiert werden, die ihre Arbeit 2023 am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung aufgenommen hat. Die Nachwuchsgruppe greift ein zentrales Desiderat der aktuellen Forschung zur Untersuchung der konkreten Gelingensbedingungen einer erfolgreichen Implementierung von Interventionen in Bildungssystemen (Schrader et al., 2020) auf.
Dieses Desiderat wird mit der Frage nach den Bedingungen der Wirksamkeit bildungspolitischer Interventionen im Feld der Weiterbildung adressiert. Dazu liegen in der Forschungsliteratur Studien vor, die häufig nur geringe oder nicht signifikante Treatmenteffekte ausweisen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass individuelle Charakteristika (Rüter et al., 2020), regionale Merkmale (Martin et al., 2020) und Organisationsmerkmale (Reuter et al., 2020) die Wirksamkeit bildungspolitischer Interventionen beeinflussen und sich Phänomene der Effektheterogenität in Abhängigkeit dieser Kontextmerkmale beobachten lassen.
Während der Forschungsbereich zu den Wirkungen bildungspolitischer Interventionen gegenwärtig besser in der Literatur etabliert ist, stellt die Untersuchung von Effektheterogenitäten ein wichtiges Desiderat dar (Hedges, 2018). So werden vorliegende Befunde zur Effektheterogenität zumeist erst im Ergebnis der Modellschätzungen sichtbar und sind selten auf theoretischen Annahmen begründet. Im Forschungsfeld der Interventions- und Implementationsforschung wird dabei grundlegend angenommen, dass Effekte von Interventionen heterogen sind (Smith, 2022) und über verschiedene Dimensionen von Implementationskontexten variieren (Nilsen & Bernhardsson, 2019). Nicht signifikante Durchschnittseffekte können so ein Aggregat heterogener Wirkungen in unterschiedlichen Implementationskontexten sein, die es in der Nachwuchsgruppe zu untersuchen gilt.
In den geplanten Forschungsvorhaben werden theoriegeleitet Annahmen moderierender Effekte individueller, institutioneller, organisationaler sowie regionaler Implementationskontexte auf die Wirksamkeit bildungspolitischer Interventionen im Feld der Weiterbildung untersucht. Zentrale Outcomes sind das individuelle Weiterbildungsverhalten sowie das Handeln von Weiterbildungsorganisationen. Die Forschungsvorhaben stützen sich auf die Sekundäranalyse vorliegender Datensätze der Bildungs- und Sozialforschung unter der Anwendung von quasi- experimentellen Forschungsdesigns, die der Logik kausalen Schließens folgen.
Ein erstes Forschungsvorhaben untersucht Annahmen moderierender Effekte des Betriebskontexts auf die Wirksamkeit eines Bildungsurlaubsgesetzes (Bildungszeitgesetz, Baden-Württemberg, 2015) hinsichtlich des individuellen Weiterbildungsverhaltens.

Wortschatzerwerb während des Lockdowns – Sprachverläufe von Grundschulkindern aus nicht-monolingual-deutschsprachigen Familien während der Schulschließungen 2020/2021

Christian Lohmann (LIfBi) & Teresa Haller (LIfBi)

Der Zugang („Exposure“) zur Mehrheitssprache Deutsch ist für Kinder aus nicht-deutschsprachigen Familien eine zentrale Komponente für den Spracherwerb. Sofern innerhalb der Familie kein oder kaum Deutsch gesprochen wird, bieten oftmals öffentliche Einrichtungen wie KiTas oder Schulen den Kindern Kontakt zur deutschen Sprache. Durch die COVID-bedingten Schulschließungen 2020 und 2021 fiel dieser Zugang jedoch über Monate größtenteils weg und wurde – wenn überhaupt – lediglich durch Interaktionen über Distanzunterricht ersetzt. Im geplanten Forschungsprojekt soll untersucht werden, ob Kinder aus nicht-deutschsprachigen Familien unter Kontrolle relevanter Merkmale (z.B. SES) für den Zeitraum von 2019 bis 2021 eine im längsschnittlichen Verlauf größer werdende Lücke im Wortschatzerwerb im Vergleich zur Kontrollgruppe aufweisen und damit die überraschend spärliche Literatur zu diesem Thema zu erweitern.
Dabei stehen folgende Forschungsfragen im Fokus: Welche Konsequenzen hat der Wegfall des
Zugangs durch die Schulschließungen für den Verlauf des Deutsch-Wortschatzes von Kindern aus Familien, in denen nicht primär Deutsch gesprochen wird? Inwiefern entwickeln sich die
Sprachverläufe anders als bei Familien, in denen Deutsch die einzige Familiensprache ist?
Auf Grundlage der Startkohorte 1 des Nationalen Bildungspanels (NEPS) soll dies mithilfe des
Difference-in-Differences-Ansatzes untersucht werden. Hierbei werden die Fälle in eine Treatment- (Kinder aus nicht-monolingual-deutschsprachigen Familien, n = ca. 300) und eine Kontrollgruppe (Kinder aus deutschsprachigen Familien, n = ca. 1 200) eingeteilt. Wortschatzerhebungen der Kinder fanden mithilfe eines tabletbasierten Tests im Alter von 3 (im Jahr 2015), 5 (2017), 7 (2019) und 9 (2021) Jahren statt, sodass man die Verlaufsunterschiede der Altersspanne 3-7 Jahre als Basis für eine Schätzung des weiteren Verlaufes bis zum 9. Lebensjahr in den beiden Gruppen nehmen und
überprüfen kann, ob diese Differenzen während des Lockdowns größer wurden als zu erwarten wäre.
Innerhalb des Knowledge-Cafés soll v.a. diskutiert werden, inwiefern dieses Interventionsdesign für die Fragestellung passt. Je nach Veröffentlichungsdatum der Daten könnten bereits erste Ergebnisse vorgestellt werden.

Pushing the Button: Wahrnehmungspsychologische Grundlagen von Lehr-Lernvideos

Markus Huff (IWM), Gerrit Anders (IWM), Anett Hoppe (TIB), Ralph Ewerth (TIB) & Martin Merkt (DIE)

Wie wirkt ein Feedback, das nur auf Algorithmen basiert? Zusammenhang von automatisch generierter individueller Handlungsvorschläge mit Metakognition und Prokrastination

Philipp Handschuh (LIfBi), Maria Klose (LIfBi), Felix Haag (U Bamberg), Sebastian Günther (U Bamberg), Konstantin Hopf (U Bamberg) & Thorsten Staake (U Bamberg)

Um Studierende adaptiv bei ihren selbstregulierten individuellen Lernprozessen mit personalisiertem Feedback zu unterstützen, wurde eine neuartige Feedback-Intervention getestet, die das Potenzial des maschinellen Lernens und kontrafaktischer Erklärungen einsetzt. Dabei wird auf Basis von Logdaten des aktuellen Lernverhaltens in einer digitalen Lernplattform, sowie des Lernverhaltens von erfolgreichen Studierenden früherer Kurse, Vorschläge zur weiteren Kursbearbeitung gemacht (z.B., Videos anschauen, Quizze wiederholen). Doch wie lässt sich eine Notensteigerung dieses vorwiegend statistisch basierten Feedbacks lernpsychologisch erklären?
Eine Herausforderung für das selbstregulierte Lernen ist die Prokrastination, z.B. mangelnde Lern- und Organisationsfähigkeiten (Steel, 2007). Durch das adaptive Feedback sollten Studierende in ihrem Lernprozess bei ihrem Lernplan unterstützt werden. Auch metakognitive Prozesse wie Planung und Überwachung sind relevant für das selbstregulierte Lernen (Pintrich, 1991). Das Feedback sollte dabei die Folgen einer unzureichenden Überwachung reduzieren.
Um den moderierenden Einfluss des Feedbacks auf den Zusammenhang von Metakognition und Lernleistung, sowie Prokrastination und Lernleistung zu untersuchen, wurde das Feedback in einem Kurs im Bachelor (83 Personen), sowie einem im Master der Wirtschaftsinformatik umgesetzt (84 Personen). Innerhalb eines Kurses gab es jeweils eine Gruppe mit und eine ohne Feedback. Unsere Studie folgt einem difference-in-differences Experimentaldesign, bei dem die Experimentalgruppe nach einer Baseline-Phase ein wöchentliches Feedback erhalten hat.
Es geht dabei nicht nur um die Frage, welchen Studierenden dieses Feedback hilft, sondern auch darum Schlüsse zu genieren, wie das Feedback wirkt. Daraus sollen Ableitungen für die Arten der Bearbeitungsvorschläge für die Studierende getroffen werden, sowie Folgerungen, welche Logdaten besonders relevant hierfür sind.

Lektüren im Deutschunterricht als Beitrag zu einer nachhaltigen Lesesozialisation. Vergebene Chancen durch mangelnde Diversität?

Carolin Müller-Spitzer (IDS) & Thomas Wortmann (U Mannheim)

Welche Faktoren fördern deutsche Sprachkompetenzen bei Kindern mit italienischer oder türkischer Herkunftssprache?

Monika Lindauer (DJI)

Mehrsprachig aufzuwachsen ist vorteilhaft (Bialystok, Craik & Luk 2012, Han 2010) und für ein Fünftel der Kinder in Deutschland Realität (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2022). Zugleich sind die zu Hause gesprochene Sprache – sowie der sozio-ökonomische Status (SES) – Hauptgründe für ungleiche (Sprach-)Kompetenzen (Hußmann et al. 2017, u.a.). Spracherfahrung und SES sind in soziologischen und linguistischen Spracherwerbsmodellen jeweils Indikatoren für Exposure und Effizienz bzw. externe und interne Mechanismen (Chiswick & Miller 1995, Esser 2006, Paradis 2011). Als weitere interne bzw. Effizienz-Indikatoren gelten Merkmale der Herkunftssprache und das Erwerbsalter. Einflüsse dieser Indikatoren können aber auch mit Spracherfahrung zusammenhängen (Gresser 2018, Hart & Risley
1995, Hoff 2003, Jia & Fuse 2007, Kaltsa, Prentza, Papadopoulou & Tsimpli 2020, Lloyd-Smith, Einfeldt & Kupisch 2020).
Dieser Beitrag untersucht, ob und wie Merkmale der Herkunftssprache, das Erwerbsalter, SES und Spracherfahrung den Erwerb dreier sprachlicher Phänomene des Deutschen (Wortakzent, Genus, Verbstellung) bei zweisprachigen und deutsch-einsprachigen Kindern beeinflussen. Diese Kombination mehrerer sozio-linguistischer Prädiktoren für mehrere spezifische Sprach-Phänomene ist bisher selten.
Von 161 Kindern im Alter von 3-10 Jahren der drei untersuchten Sprechergruppen wurden Produktionen in spielerischen Experimenten aufgezeichnet. Die Prädiktoren wurden in einem Elternfragebogen erhoben, wobei die Spracherfahrung als Input und Output in quanti-
tativer und qualitativer, akkumulierter und aktueller Form sowie innerhalb und außerhalb der Familie operationalisiert wurde (vgl. Klein & Becker 2017, Paradis 2011, Unsworth 2013). Die untersuchten Einflussfaktoren, insbesondere die Spracherfahrung, wirken am deut-
lichsten bei Genus und Verbstellung. Die Ergebnisse deuten einerseits einen Einfluss der linguistischen Merkmale der Herkunftssprachen an, andererseits können Unterschiede zwischen den Sprechergruppen durch deren unterschiedliche Spracherfahrung erklärt werden. Effekte
von Erwerbsalter und SES scheinen ebenfalls mit Spracherfahrung zusammenzuhängen.
Sprachlicher Input bzw. Interaktion hat demnach zentrale Bedeutung im Spracherwerb. Da die Familie meist einzige Erwerbsquelle für die Herkunftssprache ist, wären für den Erwerb des Deutschen Maßnahmen förderlich, die mehr Zugang zu deutsch-sprachiger Interaktion außerhalb der Familie ermöglichen.

Zum Zusammenhang zwischen konsistenter Terminologie und wirksamer sprachlicher Bildung: das Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke

Angelika Wöllstein (IDS) & Christian Lang (IDS)

Der Aufbau von Wissensbeständen im schulischen (Sprach-)Unterricht, also die Vermittlung sprachlicher Begriffe, benötigt Fachausdrücke als metasprachliches Grundlagenwissen, mit dem Lehr- und Lerninhalte vermittelt bzw. erworben werden. Begriffe und Fachausdrücke werden in Terminologien systematisch strukturiert. Bei deren Erstellung sind fachliche Fundierung und Konsistenz Voraussetzungen dafür, dass in der praktischen Anwendung eine adäquate und kongruente intersubjektive Begriffsbildung, d. h. die Verknüpfung eines Terminus mit zu erwerbenden sprachlichen Konzepten, zusammengesetzt aus implizitem Wissen und expliziten Kompetenzen, entstehen kann. Die Terminologielehre (vgl. Arntz et al., 2014; DIN 2342:2022-07, 2022) liefert grundsätzliche Gütekriterien hinsichtlich Erstellung und Struktur von Terminologien sowie der inhaltlichen Präzision und Verständlichkeit von Definitionen, um Wirksamkeit und Nachhaltigkeit in deren Anwendung sicherzustellen. Für die schulische Vermittlung von Fachinhalten sind überdies Prototypik von Anwendungsbeispielen und Operationalisierbarkeit im Gebrauch weitere Kriterien für eine nachhaltige Anwendung im Unterricht.
Sprachunterricht setzt auf Begriffsbildungen besonders für sprachlich-grammatische Konzepte (z. B. Nomen, Wortgruppe, Kommentarglied) in Spracherwerb und -reflexion. Im schulischen Deutschunterricht wird dafür seit 1982 die „82-Liste“ genutzt, deren Nutzbarkeit allerdings von Beginn an wegen ihrer Konzeption, der Nicht-Beteiligung des Fachs sowie fehlender fachlicher Bezüge in der Kritik von Sprachdidaktik und Sprachwissenschaft stand. Als Antwort auf diese Mängel wurde das neue „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“ (https://grammis.ids-mannheim.de/vggf) von einem repräsentativ ausgewählten Gremium aus entsandten Expert*innen des (Sprach-)Bildungsbereichs entwickelt, das die oben genannten Gütekriterien erfüllen soll. Es dient als Angebot für die Auswahl von Termini und Begleitmaterialien je nach Schulart und -stufe und ermöglicht den Zugang und die Erfassung des inhaltlichen Kerns und der Formen eines sprachlich-grammatischen Konzepts.In unserem Beitrag möchten wir das VGGF vorstellen und zeigen, dass seine Entstehungsweise eine potenziell wirksamere und nachhaltigere Terminologie im Vergleich zur „82-Liste“ bereitstellen kann. Darüber hinaus möchten wir diskutieren, mit welchen Maßnahmen die inhaltliche Wirksamkeit langfristig evaluiert werden kann, sodass zukünftige Weiterentwicklungen des VGGF evidenzbasiert erfolgen können.

Online Tutoring for Low Performing Students in the Aftermath of Covid-19 School Closures

Silke Anger (IAB, U Bamberg), Bernhard Christoph (IAB), Agata Gałkiewicz (IAB, U Potsdam), Shushanik Margaryan (U Potsdam), Frauke Peter (DZHW), Malte Sandner (IAB, TH Nürnberg) & Thomas Siedler (U Potsdam)

To reduce the spread of Covid-19, school closures and other measures limiting in-person teaching and peer interactions were implemented almost universally worldwide. These measures have large potential to aggravate students’ educational performance, in particular for those from low socio-economic backgrounds or already low performing students. To mitigate the negative effects of Covid-19 on student performance, governments provided large financial resources to implement tutoring for students. However, little is known about the take-up and the effectiveness of such programs.
This study uses a randomized controlled trial to investigate the effectiveness of a one-to-one online tutoring program targeting low performing school students. University students deliver the free of charge tutorials for the treatment group. We first analyze the effect of tutorial invitations on the take-up. We proceed to study its effects on student performance, learning activities, and labor market transition.

BILAD: Ein internationales Forschungsnetzwerk zu Authenzität und Digitalität in informellen Lernorten

Stephan Schwan (IWM), Doris Lewalter (TU München), Stephanie Moser (TU München) & Bärbel Garsoffky (IWM)

Außerschulische und informelle Lernorte rücken zunehmend in den Fokus der Bildungsforschung. Bisher gibt es wenig Forschung zu informellen Lerngelegenheiten und es gilt ihre zugrundeliegenden Wirkungsmechanismen und ihre Nachhaltigkeit zu thematisieren.
Mit diesem Ziel startete im Oktober 2021 das BMBF-geförderte Verbundprojekt „Bildungsforschung an informellen Lernorten im Spannungsfeld von Authentizität und Digitalität“ (BILAD). Das durch die TUM und das IWM initiierte internationale Forschungsnetzwerk setzt sich aus etablierten Wissenschaftler:innen und Expert:innen aus 17 Forschungseinrichtungen, Museen, Science Centern und Gedenkstätten aus Europa und den USA zusammen. Das Netzwerk arbeitet dabei bewusst über die traditionellen Typen von Museen hinweg und das Spektrum der beteiligten Lernorte umfasst sowohl Naturkundemuseum, Technikmuseen, Kunstmuseen als auch historische Gedenkstätten. Im Verlauf des Projekts sollen mehrere Themenbereiche konzeptuell bearbeitet werden: Authentizität, informelles Lernen, digitale Medien und forschungsmethodische Herausforderungen.
Inhaltlicher Schwerpunkt ist das an informellen Orten einzigartige Zusammenspiel von Authentizität und Digitalität, das bisher in der empirischen Bildungsforschung wenig Beachtung fand, und die Besonderheit des Netzwerks ist die Zusammenführung ganz unterschiedlicher Perspektiven. Aktuell widmet sich das Projekt dem Thema Authentizität und der Frage, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten diesbezüglich in den unterschiedlichen informellen Einrichtungen existieren. Hier kristallisierten sich vier relevante Aspekte heraus: Zum einen ist Authentizität nicht dichotom, sondern graduell. Weiterhin ist Authentizität verknüpft mit der jeweiligen Erfahrung, das heißt Entitäten können sich durchaus „wahr“ anfühlen, auch wenn es keine Originale sind. Ob Objekte authentisch wirken hängt auch stark vom Kontext ihrer Präsentation ab, also etwa Ausstellungsstrategien. Schließlich bezieht sich Authentizität auf Objekte, Personen, Orte und Verhalten.
Die Ergebnisse der Netzwerkarbeit sollen in Publikationen und auf Veranstaltungen der Fachwelt zugänglich gemacht werden. Zudem soll der kontinuierliche Austausch zwischen den Netzwerkmitgliedern zu gemeinsamen Forschungsprojekten führen. Die Präsentation bietet einen Überblick über die Themen und Projektmodule sowie einen Einblick in die Arbeit des Netzwerks.

Pilotprojekt zur Evaluation individueller Unterstützungs- und Förderprozesse auf Grundlage der Beobachtungs- und Dokumentationsergebnisse mit BaSiK

Josefine Koebe (Fröbel-Gruppe) & Nele Hage (Fröbel-Gruppe)

Die vordergründige Forschungsfrage, die im Rahmen eines wissenschaftlichen Pilotprojekts bundesweit in ca. 60 FRÖBEL Kindertageseinrichtungen verfolgt werden soll, ist inwiefern, die
systematische Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Sprachentwicklung mit Hilfe eines fundierten Beobachtungsverfahrens sowie individuellen Maßnahmen zur alltagsintegrierten Förderung (siehe Kasten unten) sich positiv auf die Sprachbildung und Sprachförderung von Kindern auswirkt. Um diesen viel diskutierten Wirkungszusammenhang zu analysieren, ist ein experimenteller Ansatz angedacht, der eine Interventionsgruppe von Einrichtungen vorsieht,
deren Fachkräfte zwar grundsätzlich in BaSiK geschult sind, allerdings frei in der Maßnahmenbildung in Bezug auf die jeweiligen beobachteten und dokumentierten Sprachstandsentwicklungen der Kinder sind. Der Beobachtungs- und Dokumentationszeitpunkt
liegt um den Geburtstag des einzelnen Kindes und wird jährlich durchgeführt. Sowohl zu Beginn des Pilotprojektes (September 2023) als auch zum Ende des Pilotprojektes (September 2025) finden darüber hinaus standardisierte Sprachstandsmessungen statt. Als Kontrollgruppe dienen gleichaltrige Kinder aus vergleichbaren Einrichtungen in Bezug auf soziodemografische Merkmale, die kein BaSiK anwenden. Darauf aufbauend soll eine zweite Forschungsfrage
beantwortet werden, inwiefern intensive begleitende Schulungen der pädagogischen Fachkräfte sowie Einbindung der Familien höhere Wirkungspotenziale besitzen. Dafür wird eine weitere Interventionsgruppe an BaSiK+ Einrichtungen definiert, für die standardisierte Mindestinterventionen in Bezug auf Fördermaßnahmen vorgegeben werden.

CIDER-LERN-Konferenz 2022

Die Konferenz bringt Wissenschaftler*innen verschiedener Fachdisziplinen zusammen, um Ergebnisse, Methoden sowie konzeptuelle Fragen der Bildungsforschung zu diskutieren. Das übergeordnete Ziel ist, das CIDER-Netzwerk um weitere LERN-Institute, Universitäten und Forschungseinrichtungen zu erweitern, um den interdisziplinären Austausch sowie Kooperationen zwischen Bildungsforscher*innen zu fördern. Doktorand*innen und Post-Doktorand*innen sind eingeladen an der Konferenz teilzunehmen und ihre Forschung in Paper Präsentationen, Postern oder Round-Table Talks vorzustellen.

Die Konferenz findet an der Universität Luxemburg statt.

Zum Call for Papers.
Notification of acceptance: 01. Juli 2022.

Bitte beachten Sie: Die Registrierung ist nun geschlossen.


CIDER Spring Workshop 2022

Der CIDER Spring Workshop fand vom 4. bis 6. Mai 2022 am DIPF I Leibniz Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main statt.

Geschlossenes Event – Teilnahme nur für CIDER Fellows.

BPF 2022 – Mindeststandards – ein Beitrag zu besserer Bildung für alle?

„Mindeststandards – ein Beitrag zu besserer Bildung für alle?”

Das Bildungspolitische Forum 2022 fand am Dienstag, 27. September 2022 in der Hessischen Landesvertretung, In den Ministergärten 5, Berlin als Präsenzveranstaltung statt.

Moderiert wurde das Forum von Martin Spiewak (die ZEIT).

Inhaltlich verantwortliche Mitglieder des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN):

IQB | Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
WZB | Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Teilen Sie auf unserer digitalen Pinnwand Ihre Informationen und weiterführenden Links zu LERN, zu den LERN-Instituten und zum #LERNBPF22!

ab 09:00 Uhr
Anmeldung

09:30 Uhr
Begrüßung durch das Netzwerk

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Vorsitzender der Sprecher*innengruppe des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN)

09:40 Uhr
Begrüßung durch die Politik

Prof. Dr. R. Alexander Lorz
Hessischer Kultusminister

und

Dr. Johanna Börsch-Supan
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Abteilungsleiterin Allgemeine und berufliche Bildung

09:55 Uhr
Einführung in die Thematik

Prof. Dr. Petra Stanat
IQB | Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, Wissenschaftliche Leiterin

10:10 Uhr
Keynote I

“Unverzichtbare Mindeststandards des Bildungsangebots” – die Herausforderung der Bildungsforschung durch das Bundesverfassungsgericht.

Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth
Humboldt-Universität zu Berlin, Professor i. R. für Historische Erziehungswissenschaft

10:40 Uhr – Kaffeepause

11:00 Uhr – Parallele Foren I und II

FORUM I

Frühe Bildung

Prof. Dr. Simone Lehrl
Pädagogische Hochschule Weingarten, Leiterin der Studiengänge Elementarbildung (Kindheitspädagogik) und Early Childhood Studies

Hans-Jürgen Dunkl
Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, stellvertretender Leiter der Abteilung Familienpolitik, Frühkindliche Förderung, Kinder und Jugendhilfe und Leiter des Referats Tagesbetreuung

Stefan Spieker
FRÖBEL Bildung und Erziehung gGmbH, Geschäftsführer

Leitung: Prof. Dr. Susanne Kuger
Deutsches Jugendinstitut e. V. (DJI), Abteilungsleiterin des Zentrums für Dauerbeobachtung und Methoden

Graphic Recording: Jens Nordmann


FORUM II

Primarbereich

Regina Schäfer
Kultusministerkonferenz der Länder (KMK), Vorsitzende des Schulausschusses

Prof. Dr. Astrid Rank
Universität Regensburg, Professorin für Grundschulpädagogik

Prof. Dr. Hedwig Gasteiger
Universität Osnabrück, Professorin für Mathematikdidaktik

Torben von Seeler
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), Landesfachberater für Mathematik

Leitung: Prof. Dr. Thilo Kleickmann
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Leitung der Abteilung Schulpädagogik

Graphic Recording: Franziska Schwarz

12:15 Uhr – Mittagspause

13:15 Uhr

Keynote II

Mindeststandards – ein Konzept für die frühe Bildung?

Prof. Dr. Yvonne Anders
Otto-Friedrich Universität Bamberg, Professorin für Frühkindliche Bildung und Erziehung


13:45 Uhr – Parallele Foren III, IV & V

FORUM III

Mindeststandards – (k)ein Thema für die berufliche Bildung?

Prof. Dr. Susan Seeber
Georg-August-Universität Göttingen, Professorin für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung

Prof. Dr. Birgit Ziegler
Technische Universität Darmstadt, Professorin für Berufspädagogik und Berufsbildungsforschung

Klaus Lorenz
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Leiter der Abteilung Berufliche Schulen, frühkindliche Bildung und Weiterbildung

Leitung: Prof. Dr. Josef Schrader
DIE | Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e. V., Wissenschaftlicher Direktor

Graphic Recording: Jens Nordmann


FORUM IV

Allgemeine Hochschulreife / Studierfähigkeit

Prof. Dr. Stefanie Rach
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Professorin für Didaktik der Mathematik

Dr. Bernd Grave
Kultusministerium des Landes Niedersachsen, Mitarbeiter im Referat für Gymnasien und Gesamtschulen

Dr. Maike Abshagen
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), Leiterin der Abteilung Ausbildung und Qualifizierung

Leitung: Prof. Dr. Aiso Heinze
IPN | Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Direktor der Abteilung Didaktik der Mathematik

Graphic Recording: Franziska Schwarz


FORUM V

Digitale Kompetenzen uploaded – Ziel- und Zukunftsperspektiven im multiperspektivischen Diskurs

Prof. Dr. Birgit Eickelmann
Universität Paderborn, Professorin für Schulpädagogik

Dr. Tanja Reinlein
Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Leiterin des Referats Lehren und Lernen in der digitalen Welt, Medienberatung, Lernmittel

Dr. Klaus Teichmann
Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL), Abteilungsleiter

Leitung: Prof. Dr. Ulrike Cress
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien, Direktorin

Graphic Recording: Aleksandra Schreiber

15:00 Uhr – Kaffeepause

15:30 Uhr
BILDUNGSDIALOG

Können Mindeststandards
zur Weiterentwicklung von
Bildungsqualität und zu
mehr Bildungsgerechtigkeit
beitragen?

Dr. Dorit Stenke
Staatssekretärin im schleswig-holsteinischen Bildungsministerium; Vorsitzende der Amtschefskonferenz der KMK

Dr. Günter Klein
Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW), Direktor

Prof. Dr. Felicitas Thiel
Freie Universität Berlin, Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung

Dr. Stefan Luther
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Leiter der Unterabteilung Allgemeine Bildung

Prof. Dr. C. Katharina Spieß
BiB | Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Direktorin

16:30 Uhr – Bilanz

Keynote I: “Unverzichtbare Mindeststandards des Bildungsangebots” – die Herausforderung der Bildungsforschung durch das Bundesverfassungsgericht

Prof. Dr. Elmar Tenorth
Humboldt-Universität zu Berlin

Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 ein Grundrecht auf schulische Bildung beschlossen und dem Bildungssystem damit eine „Gewährleistungspflicht“ für „unverzichtbare Mindeststandards“ auferlegt, um die „Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit … durch schulische Bildung“ zu ermöglichen. Der Vortrag stellt diesen Beschluss in die Tradition der Rechtsprechung des BVerfG, erläutert die epochale historische Zäsur, die damit rechtlich, politisch und bildungssystemisch formuliert ist, und betont dann die offenen Fragen, die mit der Fixierung „unverzichtbarer Mindeststandards“ aufgeworfen sind. Es sind dann im Wesentlichen Fragen, die von der Bildungsforschung zu klären sind, gewichtige, auch für sie neue Fragen, schon weil sich die bisherige Praxis der Formulierung von Bildungsstandards und Mindeststandards vor diesem Hintergrund als unzureichend erweist.

Keynote II: Mindeststandards – ein Konzept für die frühe Bildung?

Prof. Dr. Yvonne Anders
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Fast alle Kinder in Deutschland besuchen vor der Einschulung eine Kindertageseinrichtung (KiTa). Der Besuch einer KiTa kann sich positiv auf die kognitiv-sprachliche, mathematische und sozio-emotionale Entwicklung von Kindern auswirken. Dementsprechend werden auch große Bildungspotenziale gesehen, gerade mit Blick auf die Kompensation von frühen Nachteilen von Kindern, die in bildungsfernen Familien oder mit einer anderen Familiensprache als Deutsch aufwachsen. Lange Zeit wurde allerdings die Förderung akademischer, schulnaher Fähigkeiten vernachlässigt. Eine kind-orientierte und spielbasierte Pädagogik scheint im Widerspruch zum Konzept der Mindeststandards zu stehen. In dem Vortrag wird diskutiert, ob das Konzept von Mindeststandards einen förderlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der frühen Bildung leisten kann. Im nächsten Schritt werden die institutionellen Voraussetzungen für eine hohe pädagogische Qualität erörtert. Die pädagogische Qualität gilt als Voraussetzung für positive Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung. Anhand verschiedener Beispiele wird das Konzept der Mindeststandards auf die pädagogische Qualität von KiTas übertragen und die systemischen Herausforderungen für die Annäherung an Standards diskutiert.

Forum I – Frühe Kindheit

Leitung: Dr. Susanne Kuger
Deutsches Jugendinstitut

Input: Prof. Dr. Simone Lehrl
Pädagogische Hochschule Weingarten

Input: Hans-Jürgen Dunkl
Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Abteilungsleiter Kindertagesbetreuung

Input: Stefan Spieker
Fröbel e. V.

Ein Konsens zur Definition von Bildungsstandards in Deutschland existiert derzeit für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) nicht. Das Feld ist geprägt durch ein breites Bildungsverständnis auf der einen Seite sowie hohem Engagement in der Sprachbildung und vielen Einzelinitiativen zur frühen Naturwissenschafts- oder Mathematikförderung auf der anderen Seite. Zugleich wird die Entwicklung der Kinder zwar flächendeckend erfasst, etwa durch Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt, Schuleingangsuntersuchungen, Entwicklungsdokumentationen und Sprachstandserhebungen. Allerdings sind die Ergebnisse weder zwischen den Bundesländern vergleichbar, noch aufeinander beziehbar oder für die weitere Bildungslaufbahn (oder gar die Forschung) nutzbar. Zudem sind soziale Ungleichheiten gleich an mehreren, sich für die Chancengleichheit kumulierenden Stellen zu beobachten. Die Forschung der letzten Jahre zeigt deutliche, mit Herkunftsmerkmalen assoziierte Ungleichheiten für die elterliche Nachfrage nach einem Betreuungsplatz (vor allem, aber nicht nur für Kinder im Alter unter drei Jahren), für die Realisierung eines vorhandenen Betreuungswunsches, für die im Kindergarten vorgefundene Qualität sowie auch für die zum Zeitpunkt der Einschulung erreichten Entwicklungs- und v.a. Kompetenzstände. Erste Befunde deuten darauf hin, dass diese Effekte durch die Coronapandemie noch einmal verstärkt wurden. Auch angesichts der großen bundeslandspezifischen Unterschiede schon in der Ausgestaltung und zukünftigen Unterstützung von Rahmenbedingungen des pädagogischen Alltags stellt das Forum die Frage nach der Perspektive für die Entwicklung gemeinsamer Bildungsstandards sowie deren Potenziale im Abbau von Chancenungleichheiten.

Forum II – Primarbereich

Leitung: Prof. Dr. Thilo Kleickmann
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Die Grundschule ist für grundlegende Bildungsprozesse und damit auch für die anschließenden Bildungsprozesse in der Sekundarstufe von zentraler Bedeutung. Welche Vorteile versprechen Mindeststandards hier und welche (Weiter-)Entwicklungs- und auch Forschungsbedarfe in Bezug auf Mindeststandards sind in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht zu sehen? Wie kann schließlich dazu beigetragen werden, dass Mindeststandards auch durchgängig erreicht werden? Diese Fragen stehen im Zentrum von vier Impulsvorträgen:


Input 1: Welche Vorteile haben Mindeststandards für das Bildungssystem?

Regina Schäfer
Vorsitzende des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz der Länder

In der Gesellschaft wird heute vielfach eine Verbesserung der Bildungsqualität gefordert. Dies geschieht unter der Annahme, dass Qualität anhand von Kriterien gut identifiziert werden kann und somit in pädagogischen Prozessen sowie im Unterricht feststellbar ist. Zudem wird davon ausgegangen, dass sich Qualitätssicherungsmaßnahmen zeitnah auf die Leistungen von Schülerinnen und Schülern auswirken. In diesem Kontext ist die Beantwortung nachfolgender Fragestellungen notwendig.

Wie kann möglichst effektiv eine hohe Bildungsqualität erreicht werden und woran ist messbar, ob die etablierten Maßnahmen zur Qualitätssicherung eine Verbesserung bewirken? Wie kann die Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern und Schulsystemen bis hin zu den Einzelschulen gewährleistet werden? Vorab definierte Bildungsstandards stellen u. a. Vergleichbarkeit her und helfen, die generierten Leistungsdaten (z.B. PISA, TIMSS, Bildungstrend) einzuordnen. Die Weiterentwicklung der Mindeststandards orientiert sich entsprechend der bildungspolitischen Schwerpunktsetzung an der sprachlichen und mathematischen Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es oft Zeit braucht, bis Qualitätssicherungsmaßnahmen eine nachhaltige Wirkung entfalten und in den Leistungsdaten der Schülerinnen und Schüler sichtbar werden.


Input 2: Mindeststandards in Sprache und Sachunterricht

Prof. Dr. Astrid Rank
Lehrstuhl für Grundschulpädagogik, Insititut für Bildungswissenschaft, Fakultät für Humanwissenschaften, Universität Regensburg

Mindeststandards benennen ein Minimum an Kompetenzen. Im Sinne eines Fundamentums könnten Basiskompetenzen definiert werden, die in einem Additum weitergeführt werden. Allerdings muss die Grundschule als Schule für alle Kinder auch Mindeststandards für Kinder mit eingeschränkten Zugängen definieren. Und es stellt sich die Frage, welche Konsequenzen ein Nicht-Erreichen nach sich zieht. Zudem vermittelt die Grundschule grundlegende Bildung. So muss geklärt werden, was als grundlegend gilt und wie Bildung definiert wird. Es besteht die Gefahr, dass eine Reduktion von Bildung auf messbare kognitive Kompetenzen vorgenommen und der Bildungsbegriff eingeschränkt wird.

Für das Fach Deutsch wurden 2004 Bildungsstandards von der KMK definiert. Gleichzeitig wurden die Vergleichsarbeiten VERA in der Grundschule eingeführt. Die Bildungsstandards für Deutsch haben dafür gesorgt, dass bestimmte Kompetenzbereiche fokussiert wurden. Sie haben durch die Outputorientierung mit der Überprüfung durch Vergleichsarbeiten eine höhere Verbindlichkeit erreicht.

Die Vorstellung von Standards ist der Logik von Schulfächern verhaftet. Vielleicht wäre eine überfachliche, vernetzte Vorstellung von Kompetenzen eine andere Ausgangsbasis zur Definition von Standards. Dies gilt auch für den Sachunterricht, für den es noch keine Bildungs- oder Mindeststandards gibt. Die Definition von Mindeststandards für alle Fächer, also auch für den Sachunterricht, könnte zur Sicherung von Bildungschancen beitragen, wenn für unterschiedliche Zugänge von Kindern Niveaus definiert würden, etwa für Kinder mit nichtdeutscher Erstsprache oder Kinder mit Förderbedarf, und man das Erreichen durch zusätzliche Unterstützung sicherstellt.


Input 3: Mathematische Basiskompetenzen empirisch fundieren, Bildungschancen sichern

Prof. Dr. Hedwig Gasteiger
Universität Osnabrück

Die Diskussion um Mindeststandards kann aus verschiedenen Perspektiven geführt werden. Aus bildungspolitischer Perspektive geht es darum, ein gewisses Minimum bzw. eine Stufe festzulegen, unter die „kein Lernender zurückfallen soll“ (Klieme et al., 2003, S. 27). Aus mathematikdidaktischer Sicht steht eine inhaltliche Beschreibung all jener Kompetenzen im Mittelpunkt, die vorliegen müssen, um fachlich anschlussfähig weiterlernen zu können. Dafür werden Begrifflichkeiten wie Basisstoff, Basiskompetenzen oder auch Verstehensgrundlagen verwendet. Während es für den Übergangsbereich Kindertagesstätte-Grundschule im arithmetischen Bereich bereits umfassende empirische Erkenntnisse zu Basiskompetenzen gibt, die auch in entsprechende Diagnose- und Förderkonzepten umgesetzt werden (könnten), gibt es für die Primarstufe und vor allem für Leitideen jenseits von Zahl und Operation noch deutlichen Forschungsbedarf, um entlang der fachlichen Progression die Grundlagen für anschlussfähiges Weiterlernen herauszuarbeiten. Der Impulsvortrag diskutiert an Beispielen, wie Basiskompetenzen empirisch fundiert werden können und welche Möglichkeiten es geben kann, auf dieser Grundlage Bildungschancen zu sichern.

Klieme et al. (2003). Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards. Eine Expertise. Bonn, Berlin: BMBF.


Input 4: Sicherung von Mindeststandards durch das Programm Mathe macht stark

Torben von Seeler
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH)

Das Förderprogramm „Mathe macht stark – Grundschule”, das im Rahmen des Projektes „Niemanden zurücklassen“ 2013 entstanden ist, verfolgt das Ziel, Lernschwierigkeiten in Mathematik bereits im Anfangsunterricht zu erkennen, um dauerhaften Schwierigkeiten im Rechenlernprozess (Rechenschwäche) vorzubeugen. Dazu wurden vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) unter wissenschaftlicher Begleitung des Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) Materialien für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler entwickelt.

Diese Materialien werden unterrichtsbegleitend zur Diagnose und Förderung eingesetzt. Für die Jahrgangsstufen 1/2 und 3/4 wurden zu zentralen Inhaltsbereichen diagnostische Aufgabenstellungen sowohl für die gesamte Lerngruppe (Klassenaufgabe) als auch für ein individual-diagnostisches Gespräch (Interview) entwickelt. Diese zweistufige Struktur ermöglicht ein Identifizieren von Lernschwierigkeiten in Bezug auf die einzelnen Inhaltsbereiche. Die Materialien für die Lehrkräfte geben detaillierte Hinweise auf die spezifische Förderung, die mit regulären Lernmaterialien wie auch mit den Förderformaten des Programms (Übungskartei) umgesetzt werden können. Die Materialien werden in Schleswig-Holstein an über 200 Schulen in unterschiedlichen Organisationsformen der Diagnose und Förderung eingesetzt. Die Evaluation der „Mathe macht stark“-Intervention für die Jahrgangsstufen 1/2 ergab – verglichen mit Gruppen, die diese Intervention nicht erhielten – signifikant positive Effekte auf die mathematische Lernentwicklung sowohl für die Risikoschülerinnen und -schüler als auch die gesamte Lerngruppe. Diese Effekte ließen sich auch noch ein Jahr nach der Teilnahme am Programm nachweisen.

Forum III – Mindeststandards (k)ein Thema für die berufliche Bildung

Leitung: Prof. Dr. Josef Schrader
DIE | Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen

Input: Prof. Dr. Susan Seeber
Universität Göttingen

Input: Prof. Dr. Birgit Ziegler
TU Darmstadt

Input: Ministerialdirigent Klaus Lorenz
Leiter der Abteilung Berufliche Schulen, Frühkindliche Bildung

Bildungsstandards sind für allgemeinbildende Schulen seit Beginn der 2000er Jahre „beschlossene Sache“. Zugleich bietet der hohe Anteil von Schülerinnen und Schülern, deren Kompetenzen den Erwartungen nicht genügen, immer wieder Anlass für öffentliche Debatten darüber, was Schule mindestens leisten soll.

Vergleichbare Diskussionen kennt die berufliche Bildung nicht. Das mag daran liegen, dass es in der dualen Ausbildung bereits übergreifende Standard-Berufsbildpositionen (zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz usw.) gibt, zudem berufsspezifische Berufsbildpositionen und bundesweite Rahmenlehrpläne sowie standardisierte Anforderungen an Zwischen- oder Abschlussprüfungen. Vergleichbare Regelungen gibt es allerdings in der vollzeitschulischen Ausbildung zumeist nicht. Und erst recht fehlt es daran im Übergangssektor. Schließlich beobachten wir für die berufliche Bildung insgesamt eine sinkende Nachfrage nach Ausbildungsstellen, hohe Abbruchquoten mit teils problematischen Folgen sowie eine große Relevanz von Vorbildung und Migrationshintergrund für den Ausbildungszugang und -abschluss.

Vor diesem Hintergrund beschäftig sich Forum III mit der Frage, ob es nicht auch für die berufliche Bildung einen Bedarf an Mindeststandards gibt und wie diese durchgesetzt werden könnten, auch in Anbetracht des Übergangssektors, der sich auf einem jährlichen Plateau von ¼ Million Neuzugänge verfestigt hat. Dazu diskutieren die Professorinnen Susan Seeber und Birgit Ziegler, beide Mitglieder der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz, mit Klaus Lorenz, Leiter der Abteilung Berufliche Schulen, Frühkindliche Bildung und Weiterbildung, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.

Forum IV – Allgemeine Hochschulreife/Studierfähigkeit

Leitung: Prof. Dr. Aiso Heinze
IPN | Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik

Input: Prof. Dr. Stefanie Rach
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Input: Dr. Bernd Grave
Niedersächsisches Kultusministerium

Input: Dr. Maike Abshagen
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH)

Die Frage nach Mindeststandards für die allgemeine Hochschulreife – also für die Gruppe der leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler, die den höchsten Schulabschluss erreichen – mag zunächst überraschend klingen. Dennoch ist eine Betrachtung dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven relevant, etwa wenn es um die in der gymnasialen Oberstufe mindestens zu erwerbenden fachbezogenen Kompetenzen geht, die für einen erfolgreichen Einstieg in ein Studium notwendig sind. In diesem Forum soll die Frage nach Mindeststandards für die allgemeine Hochschulreife vor allem aus dieser Perspektive des Übergangs in ein Hochschulstudium betrachtet werden. Hohe Abbruchquoten in vielen Studiengängen werden von Hochschulseite im Sinne von nicht erreichten fachbezogenen Mindeststandards in der Oberstufe interpretiert, wohingegen die Schulseite eher auf zu hohe Anforderungen zu Studienbeginn aufgrund einer fehlenden Anpassungsbereitschaft der Hochschullehrenden auf veränderte Unterrichtsinhalte der Schule verweisen. Im Forum soll diese Übergangsproblematik exemplarisch für den als kritisch eingeschätzten Bereich der mathematischen Kompetenzen für ein Studium betrachtet werden. Der Umgang damit wird auch im Sinne eines prototypischen Vorgehens für andere Domänen vorgestellt und diskutiert. Dazu werden aus der Perspektive der Wissenschaft Ansätze zur Erforschung von relevanten mathematischen Lernvoraussetzungen für das Studium berichtet. Aus der Perspektive der Bildungspraxis und der Bildungsadministration werden Maßnahmen vorgestellt, wie Aushandlungsprozesse der Institutionen Schule und Hochschule initiiert werden können, um sich der Idee von Mindeststandards zu mathematischen Kompetenzen für MINT-Studiengänge zu nähern.

Forum V – Digitale Kompetenzen uploaded Ziel- und Zukunftsperspektiven im multiperspektivischen Diskurs

Leitung: Prof. Dr. Ulrike Cress
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien

Input: Prof. Dr. Birgit Eickelmann
Universität Paderborn

Input: Dr. Tanja Reinlein
Ministerium für Schule und Bildung NRW

Input: Dr. Klaus Teichmann
Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL)

Die Digitalisierung fordert von Schüler*innen und Lehrkräften neue Kompetenzen. Das 2016er KMK-Papier bildet in vielen Bundesländern die Grundlage für die Einarbeitung entsprechender Kompetenzen in schulische Lehrpläne und Curricula. Im 2021er Ergänzungspapier der KMK zum „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“ wird herausgearbeitet, wie Digitalität auch Lehr- und Lernprozesse verändert.

In diesem Forum soll die Rolle von (Mindest-)Standards diskutiert werden. Welche Ziele sollen Schüler*innen durchgängig erreichen? Wie kann dies gewährleistet und gemessen werden? Welche Rolle spielen die Kompetenzen der Lehrenden, wie sie u.a. im 2021er KMK-Ergänzungspapier bundesländerübergreifend strategisch verankert wurden? Im Forum wird das Thema von drei Seiten beleuchtet: Eine Analyse aus der Wissenschaft über die Möglichkeiten und Grenzen von solchen Standards gibt Frau Prof. Dr. Eickelmann, Professorin für Schulpädagogik und Leiterin des Nationalen Forschungszentrums der IEA-Studie ICILS 2023.
Dr. Teichmann, Abteilungsleiter am Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) in Stuttgart, wird den Aspekt der Lehrerbildung beleuchten: Welche Anforderungen stellen sich hinsichtlich digitaler Kompetenzen für Lehrkräfte und wie können sie bei der Vermittlung solcher Kompetenzen unterstützt werden?
Mit Frau Dr. Reinlein, Leiterin des Referats Lehren und Lernen in der Digitalen Welt im Ministerium für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen, wird die Perspektive der Bildungsadministration vertreten sein: Wie gehen die Bundesländer mit der Standardisierung um? Welche Wege werden bereits beschritten? Und: Welchen Arbeitsfeldern muss ggf. dabei auch bundesseitig begegnet werden?

Hinweise: Es liegen uns nicht zu allen Vorträgen Präsentationen vor. Mit Klick auf “Video” werden Sie zu YouTube weitergeleitet.

Begrüßung durch das Netzwerk
Prof. Dr. Marcus Hasselhorn

Begrüßung durch die Politik
Dr. Johanna Börsch-Supan

Einführung in die Thematik
Prof. Dr. Petra Stanat


Keynote I

Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth

“Unverzichtbare Mindeststandards des Bildungsangebots” – die Herausforderung der Bildungsforschung durch das Bundesverfassungsgericht.


Keynote II

Prof. Dr. Yvonne Anders

Mindeststandards – ein Konzept für die frühe Bildung?



Forum I

Frühe Bildung

Graphic Recording zu Forum I

Forum II

Primarbereich

Graphic Recording zu Forum II

Forum III

Mindeststandards – (k)ein Thema für die berufliche Bildung?

Graphic Recording zu Forum III

Forum IV

Allgemeine Hochschulreife / Studierfähigkeit

Graphic Recording zu Forum IV

Forum V

Digitale Kompetenzen uploaded – Ziel- und Zukunftsperspektiven im multiperspektivischen Diskurs

Graphic Recording zu Forum V

Bildungsdialog

Können Mindeststandards
zur Weiterentwicklung von
Bildungsqualität und zu
mehr Bildungsgerechtigkeit
beitragen?


Lizenzen
Videoaufzeichnungen (Video): CC BY ND 3.0 DE
Präsentationen (PDF): Keine Open-Access-Lizenz.
Alle bereitgestellten Präsentationen sind urheberrechtlich geschützt. Sollten Sie Teile hiervon verwenden wollen, wenden Sie sich bitte an, sodass wir gegebenenfalls den Kontakt zum/r Urheber*in oder Nutzungsberechtigten herstellen können.

Im Rahmen des Digitaltags 2022 haben wir ein Quiz zu “Bildungsstandards der KMK – Was ist das eigentlich?” veröffentlicht. Testen Sie Ihr Wissen: Quiz zu “Bildungsstandards der KMK – Was ist das eigentlich?”. Disclaimer: Das Quiz ist leider aufgrund des Cyberangriffs am DIPF derzeit nicht zugänglich. Wir bitten dies zu entschuldigen.

LERN-Jahrestagung 2022 – Digitalisierungsschub

„Digitalisierungsschub in der Bildung: was kann Bildungsforschung dazu beitragen?”

Die interne Wissenschaftliche Jahrestagung 2022 fand als virtuelle Veranstaltung am 30. März statt und wurde vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation ausgerichtet.

Programmübersicht