Bildungspolitisches Forum

27. September 2022 | Bildungspolitisches Forum

„Mindeststandards – ein Beitrag zu besserer Bildung für alle?"

Das Bildungspolitische Forum 2022 findet am Dienstag, 27. September 2022 in Berlin statt.

Die Anmeldung ist geöffnet!

Inhaltlich verantwortliche Mitglieder des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN):

IQB - Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen
DIPF - Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
WZB - Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

ab 09:00 Uhr
Anmeldung

09:30 Uhr
Begrüßung durch das Netzwerk

Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Vorsitzender der Sprecher*innengruppe des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN)

09:40 Uhr
Begrüßung durch die Politik

Prof. Dr. R. Alexander Lorz
Hessischer Kultusminister

und

Dr. Johanna Börsch-Supan
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Abteilungsleiterin Allgemeine und berufliche Bildung

09:55 Uhr
Einführung in die Thematik

Prof. Dr. Petra Stanat
Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), Wissenschaftliche Leiterin

10:10 Uhr
Keynote I

"Unverzichtbare Mindeststandards des Bildungsangebots" – die Herausforderung der Bildungsforschung durch das Bundesverfassungsgericht.

Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth
Humboldt-Universität zu Berlin, Professor i. R. für Historische Erziehungswissenschaft

10:40 Uhr - Kaffeepause

11:00 Uhr - Parallele Foren I und II

FORUM I

Frühe Bildung

Prof. Dr. Simone Lehrl
Pädagogische Hochschule Weingarten, Leiterin der Studiengänge Elementarbildung (Kindheitspädagogik) und Early Childhood Studies

Hans-Jürgen Dunkl
Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, stellvertretender Leiter der Abteilung Familienpolitik, Frühkindliche Förderung, Kinder und Jugendhilfe und Leiter des Referats Tagesbetreuung

Stefan Spieker
FRÖBEL Bildung und Erziehung gGmbH, Geschäftsführer

Leitung: Dr. Susanne Kuger
Deutsches Jugendinstitut e. V. (DJI), Abteilungsleiterin des Zentrums für Dauerbeobachtung und Methoden


FORUM II

Primarbereich

Regina Schäfer
Kultusministerkonferenz der Länder (KMK), Vorsitzende des Schulausschusses

Prof. Dr. Astrid Rank
Universität Regensburg, Professorin für Grundschulpädagogik

Prof. Dr. Hedwig Gasteiger
Universität Osnabrück, Professorin für Mathematikdidaktik

Torben von Seeler
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), Landesfachberater für Mathematik

Leitung: Prof. Dr. Thilo Kleickmann
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Leitung der Abteilung Schulpädagogik

12:15 Uhr - Mittagspause

13:15 Uhr

Keynote II

Mindeststandards – ein Konzept für die frühe Bildung?

Prof. Dr. Yvonne Anders
Otto-Friedrich Universität Bamberg, Professorin für Frühkindliche Bildung und Erziehung


13:45 Uhr - Parallele Foren III, IV & V

FORUM III

Mindeststandards - (k)ein Thema für die berufliche Bildung

Prof. Dr. Susan Seeber
Georg-August-Universität Göttingen, Professorin für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung

Prof. Dr. Birgit Ziegler
Technische Universität Darmstadt, Professorin für Berufspädagogik und Berufsbildungsforschung

Klaus Lorenz
Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Leiter der Abteilung Berufliche Schulen, frühkindliche Bildung und Weiterbildung

Leitung: Prof. Dr. Josef Schrader
DIE | Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e. V., Wissenschaftlicher Direktor


FORUM IV

Allgemeine Hochschulreife / Studierfähigkeit

Prof. Dr. Stefanie Rach
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Professorin für Didaktik der Mathematik

Dr. Bernd Grave
Kultusministerium des Landes Niedersachsen, Mitarbeiter im Referat für Gymnasien und Gesamtschulen

Dr. Maike Abshagen
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH), Leiterin der Abteilung Ausbildung und Qualifizierung

Leitung: Prof. Dr. Aiso Heinze
IPN | Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Direktor der Abteilung Didaktik der Mathematik


FORUM V

Digitale Kompetenzen uploaded – Ziel- und Zukunftsperspektiven im multiperspektivischen Diskurs

Prof. Dr. Birgit Eickelmann
Universität Paderborn, Professorin für Schulpädagogik

Dr. Tanja Reinlein
Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Leiterin des Referats Lehren und Lernen in der digitalen Welt, Medienberatung, Lernmittel

Dr. Klaus Teichmann
Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL), Abteilungsleiter

Leitung: Prof. Dr. Ulrike Cress
IWM | Leibniz-Institut für Wissensmedien, Direktorin

15:00 Uhr - Kaffeepause

15:30 Uhr
BILDUNGSDIALOG

Können Mindeststandards
zur Weiterentwicklung von
Bildungsqualität und zu
mehr Bildungsgerechtigkeit
beitragen?

N. N.

Dr. Günter Klein
Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW), Direktor

Prof. Dr. Felicitas Thiel
Freie Universität Berlin, Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung

Dr. Stefan Luther
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Leiter der Unterabteilung Allgemeine Bildung

Prof. Dr. C. Katharina Spieß
BiB | Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Direktorin

16:30 Uhr - Ausklang

Keynote I: "Unverzichtbare Mindeststandards des Bildungsangebots" – die Herausforderung der Bildungsforschung durch das Bundesverfassungsgericht

Prof. Dr. Elmar Tenorth
Humboldt-Universität zu Berlin

Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 ein Grundrecht auf schulische Bildung beschlossen und dem Bildungssystem damit eine „Gewährleistungspflicht“ für „unverzichtbare Mindeststandards“ auferlegt, um die „Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit … durch schulische Bildung“ zu ermöglichen. Der Vortrag stellt diesen Beschluss in die Tradition der Rechtsprechung des BVerfG, erläutert die epochale historische Zäsur, die damit rechtlich, politisch und bildungssystemisch formuliert ist, und betont dann die offenen Fragen, die mit der Fixierung „unverzichtbarer Mindeststandards“ aufgeworfen sind. Es sind dann im Wesentlichen Fragen, die von der Bildungsforschung zu klären sind, gewichtige, auch für sie neue Fragen, schon weil sich die bisherige Praxis der Formulierung von Bildungsstandards und Mindeststandards vor diesem Hintergrund als unzureichend erweist.

Keynote II: Mindeststandards – ein Konzept für die frühe Bildung?

Prof. Dr. Yvonne Anders
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Fast alle Kinder in Deutschland besuchen vor der Einschulung eine Kindertageseinrichtung (KiTa). Der Besuch einer KiTa kann sich positiv auf die kognitiv-sprachliche, mathematische und sozio-emotionale Entwicklung von Kindern auswirken. Dementsprechend werden auch große Bildungspotenziale gesehen, gerade mit Blick auf die Kompensation von frühen Nachteilen von Kindern, die in bildungsfernen Familien oder mit einer anderen Familiensprache als Deutsch aufwachsen. Lange Zeit wurde allerdings die Förderung akademischer, schulnaher Fähigkeiten vernachlässigt. Eine kind-orientierte und spielbasierte Pädagogik scheint im Widerspruch zum Konzept der Mindeststandards zu stehen. In dem Vortrag wird diskutiert, ob das Konzept von Mindeststandards einen förderlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der frühen Bildung leisten kann. Im nächsten Schritt werden die institutionellen Voraussetzungen für eine hohe pädagogische Qualität erörtert. Die pädagogische Qualität gilt als Voraussetzung für positive Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung. Anhand verschiedener Beispiele wird das Konzept der Mindeststandards auf die pädagogische Qualität von KiTas übertragen und die systemischen Herausforderungen für die Annäherung an Standards diskutiert.

Forum I - Frühe Kindheit

Leitung: Dr. Susanne Kuger
Deutsches Jugendinstitut

Input: Prof. Dr. Simone Lehrl
Pädagogische Hochschule Weingarten

Input: Hans-Jürgen Dunkl
Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, Abteilungsleiter Kindertagesbetreuung

Input: Stefan Spieker
Fröbel e. V.

Ein Konsens zur Definition von Bildungsstandards in Deutschland existiert derzeit für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) nicht. Das Feld ist geprägt durch ein breites Bildungsverständnis auf der einen Seite sowie hohem Engagement in der Sprachbildung und vielen Einzelinitiativen zur frühen Naturwissenschafts- oder Mathematikförderung auf der anderen Seite. Zugleich wird die Entwicklung der Kinder zwar flächendeckend erfasst, etwa durch Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt, Schuleingangsuntersuchungen, Entwicklungsdokumentationen und Sprachstandserhebungen. Allerdings sind die Ergebnisse weder zwischen den Bundesländern vergleichbar, noch aufeinander beziehbar oder für die weitere Bildungslaufbahn (oder gar die Forschung) nutzbar. Zudem sind soziale Ungleichheiten gleich an mehreren, sich für die Chancengleichheit kumulierenden Stellen zu beobachten. Die Forschung der letzten Jahre zeigt deutliche, mit Herkunftsmerkmalen assoziierte Ungleichheiten für die elterliche Nachfrage nach einem Betreuungsplatz (vor allem, aber nicht nur für Kinder im Alter unter drei Jahren), für die Realisierung eines vorhandenen Betreuungswunsches, für die im Kindergarten vorgefundene Qualität sowie auch für die zum Zeitpunkt der Einschulung erreichten Entwicklungs- und v.a. Kompetenzstände. Erste Befunde deuten darauf hin, dass diese Effekte durch die Coronapandemie noch einmal verstärkt wurden. Auch angesichts der großen bundeslandspezifischen Unterschiede schon in der Ausgestaltung und zukünftigen Unterstützung von Rahmenbedingungen des pädagogischen Alltags stellt das Forum die Frage nach der Perspektive für die Entwicklung gemeinsamer Bildungsstandards sowie deren Potenziale im Abbau von Chancenungleichheiten.

Forum II - Primarbereich

Leitung: Prof. Dr. Thilo Kleickmann
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Die Grundschule ist für grundlegende Bildungsprozesse und damit auch für die anschließenden Bildungsprozesse in der Sekundarstufe von zentraler Bedeutung. Welche Vorteile versprechen Mindeststandards hier und welche (Weiter-)Entwicklungs- und auch Forschungsbedarfe in Bezug auf Mindeststandards sind in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht zu sehen? Wie kann schließlich dazu beigetragen werden, dass Mindeststandards auch durchgängig erreicht werden? Diese Fragen stehen im Zentrum von vier Impulsvorträgen:


Input 1: Welche Vorteile haben Mindeststandards für das Bildungssystem?

Regina Schäfer
Vorsitzende des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz der Länder

In der Gesellschaft wird heute vielfach eine Verbesserung der Bildungsqualität gefordert. Dies geschieht unter der Annahme, dass Qualität anhand von Kriterien gut identifiziert werden kann und somit in pädagogischen Prozessen sowie im Unterricht feststellbar ist. Zudem wird davon ausgegangen, dass sich Qualitätssicherungsmaßnahmen zeitnah auf die Leistungen von Schülerinnen und Schülern auswirken. In diesem Kontext ist die Beantwortung nachfolgender Fragestellungen notwendig.

Wie kann möglichst effektiv eine hohe Bildungsqualität erreicht werden und woran ist messbar, ob die etablierten Maßnahmen zur Qualitätssicherung eine Verbesserung bewirken? Wie kann die Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern und Schulsystemen bis hin zu den Einzelschulen gewährleistet werden? Vorab definierte Bildungsstandards stellen u. a. Vergleichbarkeit her und helfen, die generierten Leistungsdaten (z.B. PISA, TIMSS, Bildungstrend) einzuordnen. Die Weiterentwicklung der Mindeststandards orientiert sich entsprechend der bildungspolitischen Schwerpunktsetzung an der sprachlichen und mathematischen Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es oft Zeit braucht, bis Qualitätssicherungsmaßnahmen eine nachhaltige Wirkung entfalten und in den Leistungsdaten der Schülerinnen und Schüler sichtbar werden.


Input 2: Mindeststandards in Sprache und Sachunterricht

Prof. Dr. Astrid Rank
Lehrstuhl für Grundschulpädagogik, Insititut für Bildungswissenschaft, Fakultät für Humanwissenschaften, Universität Regensburg

Mindeststandards benennen ein Minimum an Kompetenzen. Im Sinne eines Fundamentums könnten Basiskompetenzen definiert werden, die in einem Additum weitergeführt werden. Allerdings muss die Grundschule als Schule für alle Kinder auch Mindeststandards für Kinder mit eingeschränkten Zugängen definieren. Und es stellt sich die Frage, welche Konsequenzen ein Nicht-Erreichen nach sich zieht. Zudem vermittelt die Grundschule grundlegende Bildung. So muss geklärt werden, was als grundlegend gilt und wie Bildung definiert wird. Es besteht die Gefahr, dass eine Reduktion von Bildung auf messbare kognitive Kompetenzen vorgenommen und der Bildungsbegriff eingeschränkt wird.

Für das Fach Deutsch wurden 2004 Bildungsstandards von der KMK definiert. Gleichzeitig wurden die Vergleichsarbeiten VERA in der Grundschule eingeführt. Die Bildungsstandards für Deutsch haben dafür gesorgt, dass bestimmte Kompetenzbereiche fokussiert wurden. Sie haben durch die Outputorientierung mit der Überprüfung durch Vergleichsarbeiten eine höhere Verbindlichkeit erreicht.

Die Vorstellung von Standards ist der Logik von Schulfächern verhaftet. Vielleicht wäre eine überfachliche, vernetzte Vorstellung von Kompetenzen eine andere Ausgangsbasis zur Definition von Standards. Dies gilt auch für den Sachunterricht, für den es noch keine Bildungs- oder Mindeststandards gibt. Die Definition von Mindeststandards für alle Fächer, also auch für den Sachunterricht, könnte zur Sicherung von Bildungschancen beitragen, wenn für unterschiedliche Zugänge von Kindern Niveaus definiert würden, etwa für Kinder mit nichtdeutscher Erstsprache oder Kinder mit Förderbedarf, und man das Erreichen durch zusätzliche Unterstützung sicherstellt.


Input 3: Mathematische Basiskompetenzen empirisch fundieren, Bildungschancen sichern

Prof. Dr. Hedwig Gasteiger
Universität Osnabrück

Die Diskussion um Mindeststandards kann aus verschiedenen Perspektiven geführt werden. Aus bildungspolitischer Perspektive geht es darum, ein gewisses Minimum bzw. eine Stufe festzulegen, unter die „kein Lernender zurückfallen soll“ (Klieme et al., 2003, S. 27). Aus mathematikdidaktischer Sicht steht eine inhaltliche Beschreibung all jener Kompetenzen im Mittelpunkt, die vorliegen müssen, um fachlich anschlussfähig weiterlernen zu können. Dafür werden Begrifflichkeiten wie Basisstoff, Basiskompetenzen oder auch Verstehensgrundlagen verwendet. Während es für den Übergangsbereich Kindertagesstätte-Grundschule im arithmetischen Bereich bereits umfassende empirische Erkenntnisse zu Basiskompetenzen gibt, die auch in entsprechende Diagnose- und Förderkonzepten umgesetzt werden (könnten), gibt es für die Primarstufe und vor allem für Leitideen jenseits von Zahl und Operation noch deutlichen Forschungsbedarf, um entlang der fachlichen Progression die Grundlagen für anschlussfähiges Weiterlernen herauszuarbeiten. Der Impulsvortrag diskutiert an Beispielen, wie Basiskompetenzen empirisch fundiert werden können und welche Möglichkeiten es geben kann, auf dieser Grundlage Bildungschancen zu sichern.

Klieme et al. (2003). Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards. Eine Expertise. Bonn, Berlin: BMBF.


Input 4: Sicherung von Mindeststandards durch das Programm Mathe macht stark

Torben von Seeler
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH)

Das Förderprogramm „Mathe macht stark – Grundschule", das im Rahmen des Projektes „Niemanden zurücklassen“ 2013 entstanden ist, verfolgt das Ziel, Lernschwierigkeiten in Mathematik bereits im Anfangsunterricht zu erkennen, um dauerhaften Schwierigkeiten im Rechenlernprozess (Rechenschwäche) vorzubeugen. Dazu wurden vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) unter wissenschaftlicher Begleitung des Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) Materialien für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler entwickelt.

Diese Materialien werden unterrichtsbegleitend zur Diagnose und Förderung eingesetzt. Für die Jahrgangsstufen 1/2 und 3/4 wurden zu zentralen Inhaltsbereichen diagnostische Aufgabenstellungen sowohl für die gesamte Lerngruppe (Klassenaufgabe) als auch für ein individual-diagnostisches Gespräch (Interview) entwickelt. Diese zweistufige Struktur ermöglicht ein Identifizieren von Lernschwierigkeiten in Bezug auf die einzelnen Inhaltsbereiche. Die Materialien für die Lehrkräfte geben detaillierte Hinweise auf die spezifische Förderung, die mit regulären Lernmaterialien wie auch mit den Förderformaten des Programms (Übungskartei) umgesetzt werden können. Die Materialien werden in Schleswig-Holstein an über 200 Schulen in unterschiedlichen Organisationsformen der Diagnose und Förderung eingesetzt. Die Evaluation der „Mathe macht stark“-Intervention für die Jahrgangsstufen 1/2 ergab – verglichen mit Gruppen, die diese Intervention nicht erhielten – signifikant positive Effekte auf die mathematische Lernentwicklung sowohl für die Risikoschülerinnen und -schüler als auch die gesamte Lerngruppe. Diese Effekte ließen sich auch noch ein Jahr nach der Teilnahme am Programm nachweisen.

Forum III - Mindeststandards (k)ein Thema für die berufliche Bildung

Leitung: Prof. Dr. Josef Schrader
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE)

Input: Prof. Dr. Susan Seeber
Universität Göttingen

Input: Prof. Dr. Birgit Ziegler
TU Darmstadt

Input: Ministerialdirigent Klaus Lorenz
Leiter der Abteilung Berufliche Schulen, Frühkindliche Bildung

Bildungsstandards sind für allgemeinbildende Schulen seit Beginn der 2000er Jahre „beschlossene Sache“. Zugleich bietet der hohe Anteil von Schülerinnen und Schülern, deren Kompetenzen den Erwartungen nicht genügen, immer wieder Anlass für öffentliche Debatten darüber, was Schule mindestens leisten soll.

Vergleichbare Diskussionen kennt die berufliche Bildung nicht. Das mag daran liegen, dass es in der dualen Ausbildung bereits übergreifende Standard-Berufsbildpositionen (zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz usw.) gibt, zudem berufsspezifische Berufsbildpositionen und bundesweite Rahmenlehrpläne sowie standardisierte Anforderungen an Zwischen- oder Abschlussprüfungen. Vergleichbare Regelungen gibt es allerdings in der vollzeitschulischen Ausbildung zumeist nicht. Und erst recht fehlt es daran im Übergangssektor. Schließlich beobachten wir für die berufliche Bildung insgesamt eine sinkende Nachfrage nach Ausbildungsstellen, hohe Abbruchquoten mit teils problematischen Folgen sowie eine große Relevanz von Vorbildung und Migrationshintergrund für den Ausbildungszugang und -abschluss.

Vor diesem Hintergrund beschäftig sich Forum III mit der Frage, ob es nicht auch für die berufliche Bildung einen Bedarf an Mindeststandards gibt und wie diese durchgesetzt werden könnten, auch in Anbetracht des Übergangssektors, der sich auf einem jährlichen Plateau von ¼ Million Neuzugänge verfestigt hat. Dazu diskutieren die Professorinnen Susan Seeber und Birgit Ziegler, beide Mitglieder der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz, mit Klaus Lorenz, Leiter der Abteilung Berufliche Schulen, Frühkindliche Bildung und Weiterbildung, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.

Forum IV - Allgemeine Hochschulreife/Studierfähigkeit

Leitung: Prof. Dr. Aiso Heinze
Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN)

Input: Prof. Dr. Stefanie Rach
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Input: Dr. Bernd Grave
Niedersächsisches Kultusministerium

Input: Dr. Maike Abshagen
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH)

Die Frage nach Mindeststandards für die allgemeine Hochschulreife – also für die Gruppe der leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler, die den höchsten Schulabschluss erreichen – mag zunächst überraschend klingen. Dennoch ist eine Betrachtung dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven relevant, etwa wenn es um die in der gymnasialen Oberstufe mindestens zu erwerbenden fachbezogenen Kompetenzen geht, die für einen erfolgreichen Einstieg in ein Studium notwendig sind. In diesem Forum soll die Frage nach Mindeststandards für die allgemeine Hochschulreife vor allem aus dieser Perspektive des Übergangs in ein Hochschulstudium betrachtet werden. Hohe Abbruchquoten in vielen Studiengängen werden von Hochschulseite im Sinne von nicht erreichten fachbezogenen Mindeststandards in der Oberstufe interpretiert, wohingegen die Schulseite eher auf zu hohe Anforderungen zu Studienbeginn aufgrund einer fehlenden Anpassungsbereitschaft der Hochschullehrenden auf veränderte Unterrichtsinhalte der Schule verweisen. Im Forum soll diese Übergangsproblematik exemplarisch für den als kritisch eingeschätzten Bereich der mathematischen Kompetenzen für ein Studium betrachtet werden. Der Umgang damit wird auch im Sinne eines prototypischen Vorgehens für andere Domänen vorgestellt und diskutiert. Dazu werden aus der Perspektive der Wissenschaft Ansätze zur Erforschung von relevanten mathematischen Lernvoraussetzungen für das Studium berichtet. Aus der Perspektive der Bildungspraxis und der Bildungsadministration werden Maßnahmen vorgestellt, wie Aushandlungsprozesse der Institutionen Schule und Hochschule initiiert werden können, um sich der Idee von Mindeststandards zu mathematischen Kompetenzen für MINT-Studiengänge zu nähern.

Forum V - Digitale Kompetenzen uploaded Ziel- und Zukunftsperspektiven im multiperspektivischen Diskurs

Leitung: Prof. Dr. Ulrike Cress
Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM)

Input: Prof. Dr. Birgit Eickelmann
Universität Paderborn

Input: Dr. Tanja Reinlein
Ministerium für Schule und Bildung NRW

Input: Dr. Klaus Teichmann
Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL)

Die Digitalisierung fordert von Schüler*innen und Lehrkräften neue Kompetenzen. Das 2016er KMK-Papier bildet in vielen Bundesländern die Grundlage für die Einarbeitung entsprechender Kompetenzen in schulische Lehrpläne und Curricula. Im 2021er Ergänzungspapier der KMK zum „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“ wird herausgearbeitet, wie Digitalität auch Lehr- und Lernprozesse verändert.

In diesem Forum soll die Rolle von (Mindest-)Standards diskutiert werden. Welche Ziele sollen Schüler*innen durchgängig erreichen? Wie kann dies gewährleistet und gemessen werden? Welche Rolle spielen die Kompetenzen der Lehrenden, wie sie u.a. im 2021er KMK-Ergänzungspapier bundesländerübergreifend strategisch verankert wurden? Im Forum wird das Thema von drei Seiten beleuchtet: Eine Analyse aus der Wissenschaft über die Möglichkeiten und Grenzen von solchen Standards gibt Frau Prof. Dr. Eickelmann, Professorin für Schulpädagogik und Leiterin des Nationalen Forschungszentrums der IEA-Studie ICILS 2023.
Dr. Teichmann, Abteilungsleiter am Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) in Stuttgart, wird den Aspekt der Lehrerbildung beleuchten: Welche Anforderungen stellen sich hinsichtlich digitaler Kompetenzen für Lehrkräfte und wie können sie bei der Vermittlung solcher Kompetenzen unterstützt werden?
Mit Frau Dr. Reinlein, Leiterin des Referats Lehren und Lernen in der Digitalen Welt im Ministerium für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen, wird die Perspektive der Bildungsadministration vertreten sein: Wie gehen die Bundesländer mit der Standardisierung um? Welche Wege werden bereits beschritten? Und: Welchen Arbeitsfeldern muss ggf. dabei auch bundesseitig begegnet werden?

Das Bildungspolitische Forum 2022 findet in der Hessischen Landesvertretung in Berlin statt.

Ja – das Bildungspolitische Forum 2022 wird als reine Präsenzveranstaltung in der Hessischen Landesvertretung in Berlin vor Ort stattfinden.

Die Teilnahme am Bildungspolitischen Forum 2022 ist kostenlos. Die Anmeldung ist allerdings verbindlich. Um wartenden Interessierten eine Teilnahme zu ermöglichen, bitten wir im Falle einer Verhinderung um Mail an .

Sie können sich ab dem 22. Juni 2022 über das Anmeldeformular auf der Veranstaltungsseite www.leibniz-bildung.de/bpf22 zum Bildungspolitischen Forum anmelden. Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie umgehend eine Bestätigungsmail. Sollten Sie diese nicht erhalten, überprüfen Sie bitte Ihren Spam-Ordner. Ansonsten sprechen Sie uns gerne an – wir prüfen dann, ob Ihre Anmeldung erfolgreich war. Unsere Kontaktdaten finden Sie unter Punkt 11.

Die Teilnehmendenzahl ist begrenzt. Bitte denken Sie daher daran, dass Ihre Anmeldung verbindlich ist.

Wenn die Anmeldung voll ist, werden Sie auf eine Warteliste gesetzt. Falls sich noch ein Platz für Sie ergibt, erhalten Sie zwei Wochen vor der Veranstaltung eine E-Mail mit einer Zusage von uns.

Die während Ihres Anmeldeprozesses getroffene Auswahl zur Teilnahme an einem der parallelen Foren ist im Gegensatz zur Anmeldung an der Gesamtveranstaltung nicht verbindlich. Zur besseren Organisation und Planung bitten wir jedoch um vorherige Präferenznennung.

Wenn Sie doch nicht an der Veranstaltung teilnehmen können, melden Sie sich bitte zeitnah mit einer formlosen E-Mail an leibniz-bildungspotenziale@de.

Ja – das Plenarprogramm des Bildungspolitischen Forums wird als Livestream übertragen sowie zur Dokumentation aufgezeichnet. Nicht aufgezeichnet werden jedoch die parallelen Foren. Alle aufgezeichneten Veranstaltungsteile sowie ausgewählte Materialien aus den Foren werden zeitnah nach der Veranstaltung auf unserer LERN-Website unter www.leibniz-bildung.de/bpf22 abrufbar sein.

Für Sie als Teilnehmende an der Präsenzveranstaltung in Berlin ist es möglich, eine Teilnahmebestätigung zu erhalten. Für die Verfolgung des Livestreams können wir leider keine Teilnahmebestätigung ausstellen. Waren Sie vor Ort und sollten Sie eine Teilnahmebestätigung benötigen, wenden Sie sich gerne im Anschluss an das Bildungspolitische Forum via E-Mail an die LERN-Koordinationsstelle unter .

Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne jederzeit an die LERN-Koordinationsstelle. Sie erreichen uns via E-Mail unter oder telefonisch unter 069/24708 – 389.

Im Rahmen des Digitaltags 2022 haben wir ein Quiz zu "Bildungsstandards der KMK – Was ist das eigentlich?" veröffentlicht. Testen Sie Ihr Wissen: Quiz zu "Bildungsstandards der KMK – Was ist das eigentlich?".


Anmeldung zum Bildungspolitischen Forum

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