Bildungspolitisches Forum

28. Oktober 2021 | Bildungspolitisches Forum

„Innovation und Wohlstand durch MINT-Bildung"

Das diesjährige Bildungspolitische Forum findet am Donnerstag, 28. Oktober 2021 als virtuelle Verantaltung statt. Im Mittelpunkt stehen Innovation und Wohlstand durch MINT. Deren Zusammenhang wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und diskutiert.

Im Rahmen der Bildungsdialoge kooperieren wir auch in diesem Jahr wieder mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Moderiert wird das Forum von Dr. Heike Schmoll (FAZ).

Inhaltlich verantwortliche Mitglieder des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN):

IPN - Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik
DZHW - Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung
LIfBi – Leibniz-Institut für Bildungsverläufe und der
Universität Luxemburg

10:00 Uhr
Begrüßung durch das Netzwerk


Prof. Dr. Marcus Hasselhorn
DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Vorsitzender der Sprechergruppe des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN)

10:10 Uhr
Begrüßung durch die Politik

Karin Prien
Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein

10:20 Uhr
Einführung in die Thematik und anschließender Diskussion

Prof. Dr. Olaf Köller
Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN)

11:00 Uhr - Kaffeepause

11:15 Uhr
BILDUNGSDIALOG

Mit MINT in die Zukunft: Der MINT-Aktionsplan des BMBF

MinDir Matthias Graf von Kielmansegg
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Prof. Dr. Ilka Parchmann
Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN)

Susanne Müller
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Abteilung Bildung

Rainer Schulz
Staatsrat der Behörde für Schule und Berufsbildung, Hamburg

Dr. Stephanie Kowitz-Harms
Leiterin der MINT-Vernetzungsstelle Deutschland

12:15 Uhr
Poster-Session

Dialog mit Posterpräsentierenden

12:45 Uhr - Mittagspause und Dialog mit den Posterpräsentierenden

13:45 Uhr - Parallele Foren I & II

FORUM I

Früh übt sich: MINT-Bildung im Elementar- und Primarbereich

Prof. Dr. Ulrich Trautwein
Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung und Eberhard Karls Universität Tübingen

Michael Fritz
Stiftung Haus der kleinen Forscher

Moderation: Prof. Dr. Yvonne Anders
Otto-Friedrich-Universität Bamberg


FORUM II

Hochschulische MINT-Bildung und die individuelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung

Dr. Frauke Peter
Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)

Ingo Rauhut
Verein Deutscher Ingenieure e. V. (VDI)

Prof. Dr. Annekatrin Niebuhr
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Moderation: Prof. Dr. Monika Junbauer-Gans
Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)

14:45 Uhr - Kaffeepause

15:15 Uhr - Parallele Foren III & IV

FORUM III

Den Mangel beheben: Mehr Menschen für MINT-Ausbildungsberufe gewinnen

Prof. Dr. Axel Plünnecke
Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Leiter Kompetenzfeld Bildung, Innovation und Zuwanderung

Prof. Dr. Bettina Hannover
Freie Universität Berlin

Moderation: Prof. Dr. Silke Anger
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) und Otto-Friedrich-Universität Bamberg


FORUM IV

Das I in MINT: Digitale Kompetenzen stärken

Prof. Dr. Birgit Eickelmann
Universität Paderborn

Dr. Dorit Stenke
Staatssekretärin für Bildung im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein

Moderation: Prof. Dr. Cordula Artelt
LIfBi - Leibniz-Institut für Bildungsverläufe

16:15 Uhr - Wrap-Up / Abschluss

Das Dossier „MINT-Bildung“ beim Deutschen Bildungsserver informiert rund um die zahlreichen Initativen und Projekte auf Bundes- und Länderebene zur Steigerung der Attraktivität von MINT-Fächern. Enthalten sind zudem unter anderem Themenseiten zur MINT-Bildung in unterschiedlichen Bildungsbereichen sowie zentrale Studien und Forschungsergebnisse, Programme sowie Fachbeiträge zum Thema.

Sie können sich über das Anmeldeformular auf dieser Veranstaltungsseite zum Bildungspolitischen Forum. anmelden. Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie umgehend eine Bestätigungsmail. Sollten Sie diese nicht erhalten, sprechen Sie uns gerne an – wir prüfen dann, ob Ihre Anmeldung erfolgreich war. Unsere Kontaktdaten finden Sie unter Punkt 10. Die eigentlichen Zugangsdaten erhalten Sie zeitnah vor der Veranstaltung in einer weiteren Mail an Ihre Adresse.

Sie haben während des Anmeldeprozesses außerdem die Möglichkeit, sich freiwillig in eine am Veranstaltungstag auf der Veranstaltungsplattform sichtbare Teilnehmer*innenliste einzutragen. Aus technischen Gründen ist eine Eintragung auf dieser Liste nur bei Anmeldungen bis 24h vor Veranstaltungsbeginn möglich.

Um am Bildungspolitischen Forum 2021 teilnehmen zu können, benötigen Sie ein internetfähiges Endgerät sowie einen Browser. Für ein bestmögliches Veranstaltungserlebnis empfehlen wir die Nutzung eines Computers/Laptops. Die Veranstaltungsplattform ist grundsätzlich mit allen gängigen Browsern verfügbar. Veranstaltungsteile, die über wonder.me stattfinden (Poster-Session, Mittagspausenräume), sind jedoch ausschließlich über den Google-Chrome-Browser via Computer oder Laptop verfügbar. Für ein bestmögliches Teilnahmeerlebnis empfehlen wir daher die Nutzung des Google Chrome Browsers.   

Optional sind außerdem ein Headset sowie eine Kamera.

Das Plenarprogramm des BPF21 findet über eine virtuelle Veranstaltungsplattform statt, die Sie mit dem von Ihnen gewählten Internetbrowser über den per E-Mail im Rahmen des Anmeldungsprozesses von uns an Sie versandten Zugangslink erreichen können.

Die parallelen Foren werden über Zoom ausgerichtet. Die kostenlos downloadbare Anwendung von Zoom ist zur Nutzung nicht zwingend erforderlich. Eine Anleitung, um Zoom über Ihren Browser zu Nutzen finden Sie auf Netzwelt.de

Für die Poster-Sessions sowie den Mittagspausenraum nutzen wir wonder.me. Ein Manual zum Einstieg in wonder.me finden Sie auf der Veranstaltungsplattform. Bitte beachten Sie, dass wonder.me derzeit noch nicht mit Tablets/Smartphones nutzbar ist.

Einige Tage vor dem Bildungspolitischen Forum erhalten Sie die Zugangsdaten zur Veranstaltungsplattform via E-Mail zugesandt. Bei Anmeldung am Veranstaltungstag selbst erhalten Sie den Link unmittelbar im Anschluss an Ihre Registrierung. Die Veranstaltungsplattform ist am Veranstaltungstag ab 9:00 Uhr geöffnet.

Die Anmeldung zu den parallelen Foren ist nicht verbindlich. Zur besseren Organisation und Planung bitten wir jedoch um vorherige Präferenznennung. Sollten Sie sich nach Ihrer Anmeldung doch noch für ein anderes Forum anmelden wollen, können Sie uns dies gerne mit einer formlosen E-Mail an leibniz-bildungspotenziale@dipf.de mitteilen.

Ja, in Teilen: das Plenarprogramm des Bildungspolitischen Forums wird aufgezeichnet. Nicht aufgezeichnet werden jedoch die parallelen Foren.Sie als Teilnehmer*in werden bei (möglichen) Aufzeichnungen nicht sichtbar sein.

Alle aufgezeichneten Veranstaltungsteile sowie die Materialien der Foren werden zeitnah nach der Veranstaltung auf unserer LERN-Website unter www.leibniz-bildung.de/bpf21 abrufbar sein.

Für die parallelen Foren werden die Ergebnisse in einem gemeinsamen Wrap-Up aller Foren-Moderator*innen zusammengefasst und aufgezeichnet. Sie haben damit im Nachhinein die Möglichkeit, Einblicke in die Diskussionen und Themen aller Foren zu erhalten, selbst wenn Sie an einem anderen, parallel angebotenen Forum teilgenommen haben.

Sie haben auf der Veranstaltungsplattform und in den parallelen Foren die Möglichkeit, via Chat Ihre Diskussionsfragen an die Referent*innen zu stellen und mit anderen Teilnehmer*innen in direkten Austausch zu treten.

Sollten Sie eine Teilnahmebestätigung benötigen, wenden Sie sich gerne im Anschluss an das Bildungspolitische Forum via E-Mail an die LERN-Koordinationsstelle unter leibniz-bildungspotenziale@dipf.de.

Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne jederzeit an die LERN-Koordinationsstelle. Sie erreichen uns via E-Mail unter leibniz-bildungspotenziale@dipf.de oder telefonisch unter 069/24708 – 389.

MINT-Kompetenzen stellen ebenso wie sprachliche Kompetenzen in der Verkehrssprache Deutsch und in der Lingua Franca Englisch notwendige Voraussetzungen für erfolgreiche berufliche, soziale, kulturelle. Und gesellschaftliche Teilhabe dar. Hohe MINT-Kompetenzen eröffnen jungen Menschen vielfältige Wege in die qualifizierte duale Ausbildung und in das Hochschulstudium. Gleichzeitig sind sie Voraussetzungen für wirtschaftlichen Wohlstand ganzer Nationen und tragen zur Sicherung der Wohlfahrtsleistungen in Industrienationen bei. Vor dem Hintergrund der besonderen Bedeutung von MINT-Kompetenzen für die individuelle und die gesellschaftliche Entwicklung ist es verblüffend, welche großen Probleme sich auf den unterschiedlichen Bildungsetappen zeigen. So sind es beispielsweise in TIMSS 2019 rund 25 Prozent der Kinder am Ende der 4. Jahrgangsstufe, deren mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenzen sehr niedrig ausfallen, in PISA 2018 sind es rund 20 Prozent der 15jährige, die die sogenannten Risikogruppe bilden und es schwer haben, sich erfolgreich in die berufliche Erstausbildung einzufädeln. Im geplanten Vortrag sollen dementsprechend Probleme auf den unterschiedlichen Bildungsetappen angesprochen und mit ausgewählten Lösungsansätzen zu ihrer Beseitigung verknüpft werden.

Frühe MINT-Bildung in KiTa, Hort und Grundschule kann ein Schlüssel für Bildung für nachhaltige Entwicklung sein. Wie sehen MINT-Ansätze für das 21. Jahrhundert aus? Welchen Beitrag kann frühe MINT-Bildung zu Gendergerechtigkeit und Chancengerechtigkeit leisten? Und welche Herausforderungen stellen sich Forscher*innen, die die die empirische Evidenz für qualitativ hochwertige MINT-Angebote schaffen wollen?

In dem Forum werden sowohl frühe, vorschulische Ansätze als auch schulische Ansätze vorgestellt und Forschungsbefunde diskutiert. Kernfragen stellen die Zielbestimmung, Operationalisierbarkeit, die Evidenzbasierung sowie die Verzahnung von KiTa, Schule, außerunterrichtlichen und außerschulischen Maßnahmen dar. Diese Themen werden in den aktuellen bildungspolitischen Diskurs, insbesondere den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule eingebettet.


Abstract zum Beitrag von:

Prof. Dr. Ulrich Trautwein

Das Angebot im Bereich der MINT-Förderung auch für Kinder im Grundschulbereich hat über die vergangenen Jahrzehnte stark zugenommen. Wie effektiv dieses Angebot ist, ist dagegen weitgehend unklar – die meisten Initiativen, Programme, curricularen Weiterentwicklungen u. ä. wurden nie mithilfe von belastbaren Untersuchungsdesigns auf ihre Förderwirkung untersucht. Dieser Forums-Beitrag zeigt, dass es auch anders geht. Vorgestellt wird das Programm der Hector Kinderakademien sowie seine wissenschaftliche Begleitung. Die Hector Kinderakademien in Baden-Württemberg bieten besonders begabten und hochbegabten Grundschulkindern zusätzlich zum regulären Schulunterricht ein für sie entwickeltes Förderprogramm an, das den Schwerpunkt im MINT-Bereich hat. Über 20.000 Grundschulkinder nehmen jährlich an den Kursangeboten an fast 70 Standorten teil. Die Hector Kinderakademien werden von der Hector Stiftung II finanziert, vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport unterstützt und vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen sowie vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt wissenschaftlich begleitet. Der Beitrag beim Bildungspolitischen Forum stellt in aller Kürze zentrale Merkmale des Förderangebots der Hector Kinderakademien vor. Danach wird beschrieben, wie ein elementarer Bestandteil des Kursangebots, die sogenannten Hector Core Courses, auf wissenschaftlicher Basis entwickelt und in einem systematischen Evaluationsprozess auf seine Wirksamkeit hin überprüft wird. Der Beitrag schließt mit Empfehlungen für eine stärker wissenschaftsbasierte Förderagenda im MINT-Bereich.


Abstract zum Beitrag von:

Michael Fritz

Die Welt unserer Kinder wird schneller anders und anders anders, als wir uns heute vorstellen können. Klimakrise, Digitalisierung oder die wachsende soziale Ungleichheit deuten schon jetzt auf eine Zukunft hin, in der die Kompetenz zum konstruktiven Umgang mit Veränderung zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Menschen zählen wird. Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ sieht frühe MINT-Bildung für nachhaltige Entwicklung als einen Schlüssel, um den Herausforderungen einer komplexen Welt erfolgreich begegnen zu können.

Die alltägliche Auseinandersetzung mit Natur und Technik fördert Neugier, Lern- und Denkfreude der Mädchen und Jungen und legt den Grundstein für einen reflektierten Umgang mit technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Gemeinsam mit ihren pädagogischen Fach- und Lehrkräften erleben die Kinder in Kita, Hort und Grundschule Spaß und Freude am Entdecken und Verstehen dieser Welt. Das "Haus der kleinen Forscher" unterstützt dabei, befördert eine fragend-forschende Haltung bei Kindern und gibt ihnen schon in jungen Jahren die Chance, eigene Talente und Potenziale in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (kurz: MINT) zu entdecken.

Kinder, die auf diese Art Bildungsprozesse aktiv mitgestalten, erleben sich als kompetent und selbstwirksam in ihrem Alltag. Beim forschenden Lernen können Kinder Problemlösekompetenzen entwickeln, eigene Antworten finden und Selbstvertrauen spüren ("Ich kann!") - Erfahrungen und Fähigkeiten, die weit über die Kindheit hinaus für die Persönlichkeitsentwicklung und die spätere Berufsbiographie von Bedeutung sind.

Angesichts des Wandels beruflicher Tätigkeitsfelder und der Digitalisierung, die durch die Corona-Krise noch deutlich an Fahrt aufgenommen hat, gewinnt die Fortentwicklung ingenieurwissenschaftlicher und technischer Studiengänge an Hochschulen zunehmend an Bedeutung. Die Digitale Transformation ist bereits meist als strategisches Ziel durch die Hochschulen erkannt, aber noch nicht flächendeckend auf allen Hochschulebenen bzw. in allen Aufgabenfeldern implementiert. Hat die digitale Lehre in den vergangenen Semestern gezwungenermaßen einen Schub nach vorne gemacht, so gibt es dennoch Felder, in denen sich Handlungsbedarf andeutet. Ausbaufähig ist an vielen Hochschulen die Kooperation mit außerhochschulischen Partnern im Studium, z. B. mit Unternehmen. Auch der Umfang digitaler Inhalte in den Curricula durch die Integration überfachlicher Kompetenzen wie Data Literacy oder Kooperationsfähigkeit sollte erhöht werden. Die Bedeutung von hochschulischer MINT-Bildung für die individuelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung steht im Mittelpunkt dieses Forums. Ziel ist es, die Hochschul- und Regionalforschung mit Vertreter:innen der Praxis ins Gespräch zu bringen. Dazu wird es drei Impulsreferate geben, die die Diskussion im Forum eröffnen. Eingebracht werden aktuelle Ergebnisse aus der Hochschulforschung, die auf Absolventenstudien basieren und den Übergang mit MINT-Abschlüssen in den Arbeitsmarkt sowie den weiteren Karriereverlauf thematisieren. Aus regionalökonomischer Perspektive wird MINT als Motor für Innovation und regionale Entwicklung diskutiert und schließlich wird ein Industrievertreter Praxiserwartungen zum Kompetenzbedarf in diesem Bereich thematisieren.


Abstract zum Beitrag von:

Dr. Frauke Peter

Die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften ist anhaltend hoch und wird in der Zukunft nicht zuletzt durch den technologischen Wandel, zunehmender Digitalisierung und eines sich abzeichnenden Fachkräftemangels durch die Verrentung geburtenstarker Jahrgänge in Deutschland voraussichtlich weiter wachsen. In Berufen in den Bereichen Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technologie (MINT) werden bereits jetzt im Durchschnitt höhere Löhne als in Nicht‐MINT Bereichen erzielt. Trotz dieser Vorteile und Aussichten verzeichnen MINT‐Studiengänge (a) einen Rückgang in der Nachfrage und (b) weisen nach wie vor einen geringeren Frauenanteil auf. So ist der Anteil der Studierenden in den MINT‐Fächern in Deutschland von 39% in 2015 auf 36,6% in 2020 gesunken. Aus Sicht der empirischen Hochschulforschung bleibt die Analyse möglicher Gründe für oder gegen die Aufnahme und auch den Abschluss eines MINT‐Studienfachs weiterhin ein wichtiger Forschungsgegenstand. So findet eine Vielzahl von Studien, dass der Studienabbruch in den MINT‐Fächern überdurchschnittlich hoch ist, aber auch dass die Wahl der Studienfächer nach wie vor stark geschlechtsspezifisch geprägt ist. Vor diesem Hintergrund wird ein „Best of“ der Forschungsergebnisse aus dem DZHW und weiterer Analysen zu hochschulischer MINT‐Bildung und den Übergang in den Arbeitsmarkt vorgestellt. Darüber hinaus werden Studien über den Zugang zu MINT‐Studiengängen und methodische Ansätze erörtert, die es ermöglichen, die Auswirkungen auf die Einschreibung in MINT‐Studiengänge, den erfolgreichen Abschluss von MINT‐Studiengängen und die Erträge auf dem Arbeitsmarkt zu untersuchen.


Abstract zum Beitrag von:

Ingo Rauhut

Wir befinden uns mitten in einem durch die digitale Transformation hervorgerufenen Strukturwandel, der die Art und Weise, wie Menschen leben, arbeiten und wirtschaften fundamental verändern wird. Deutschland verdankt seine im internationalen Vergleich herausragende Stellung als Technologie- und Produktionsstandort vor allem der Innovationskraft seiner Ingenieur*innen. Um diese Position weiterhin zu halten und auszubauen, müssen wir die sich aus der digitalen Transformation ergebenden neuen Anforderungen deutlich stärker in die ingenieurwissenschaftliche Ausbildung verankern.

Die Ingenieur*innenausbildung hinkt dem digitalen Fortschritt allerdings weiterhin hinterher. Damit angehende Ingenieur*innen fit für die Herausforderungen einer digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt sind und diese entsprechend gestalten können,

  • braucht es mehr Personal in der Lehre, das die digitale Transformation mitträgt.
  • Die digitale Transformation muss sich darüber hinaus in den Curricula niederschlagen. Dazu braucht es agile, leicht anpassbare Studiengänge, die es ermöglichen, neue Themen rasch zu integrieren.
  • Last but not least müssen Hochschulen verstärkt mit Unternehmen in Fragen der digitalen Transformation kooperieren.

Es gibt bereits eine Vielzahl von hervorragenden Beispielen, u.a. die Etablierung von Lernfabriken an den Hochschulen. Für eine erfolgreichen Gestaltung der digitalen Transformation wird der Bedarf an MINT-Bildung in den kommenden Jahren noch rasant wachsen.


Abstract zum Beitrag von:

Prof. Dr. Annekatrin Niebuhr

Innovationen sind von zentraler Bedeutung für das wirtschaftliche Wachstum und den Wohlstand in hochentwickelten wissensbasierten Volkswirtschaften. Entscheidend ist für Innovationen insbesondere das in Forschung und Entwicklung (FuE) tätige Personal. MINT-Arbeitskräfte arbeiten häufig in den FuE-Abteilungen von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen an der Entwicklung von neuen Produkten und Produktionsprozessen. Sie beeinflussen aber auch wesentlich die Fähigkeit von Unternehmen und Regionen, neues technisches Wissen zu absorbieren und sind durch ihre Mobilität ein entscheidender Faktor für die Ausbreitung neuen Wissens.

Die Innovationsleistung von Regionen unterscheidet sich erheblich, da FuE-Aktivitäten räumlich sehr stark konzentriert sind. Vor allem in den großen Ballungsräumen ist der Beschäftigungsanteil der MINT-Arbeitskräfte in der Regel relativ hoch, während in peripher-ländlichen Regionen nur ein vergleichsweise geringer Anteil auf diese Gruppe entfällt. Im Hinblick auf die anstehenden Herausforderungen, etwa durch den Klimawandel, die Energiewende oder die Digitalisierung, sind die Regionen daher sehr unterschiedlich aufgestellt, denn im Zuge der anstehenden strukturellen Veränderungen wird die Bedeutung von Innovationen und damit der MINT-Beschäftigten aller Voraussicht nach weiter zunehmen.

Für die Fachkräftesicherung im MINT-Bereich sind lokale Hochschulen insbesondere an Standorten jenseits der großen Ballungsräume von erheblicher Bedeutung – nicht nur durch die Ausbildung von hochqualifizierten Fachkräften, sondern auch weil Hochschulen die Attraktivität von Regionen für Studierende und Absolvent*innen aus dem Ausland erhöhen. Für tertiäre Bildungsangebote in weniger verdichteten Regionen ist dabei wichtig, dass sich das Studienangebot an den Bedarfen und der Spezialisierung der Betriebe vor Ort orientiert.

Die grundlegenden Entwicklungen in unserer Wirtschaft und Gesellschaft führen zu einem weiter steigenden Ausbildungsbedarf an MINT-Arbeitskräften.  Fortschreitende Technologien und insbesondere die Digitalisierung der Arbeitswelt führen zunehmend zur Automatisierung von Tätigkeiten und gleichzeitig zu einem Mehrbedarf an technisch und naturwissenschaftlich qualifizierten Menschen. Durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und die folgende ökologische Transformation unserer Wirtschaft verändern sich die Berufswelt und mit ihr auch die Qualifikationsbedarfe der sogenannten grünen Berufe und Tätigkeiten, beispielsweise im Bereich der erneuerbare Energien. Auf der anderen Seite steht der Arbeitsmarkt durch den demografischen Wandel und insbesondere durch die alternde Erwerbsbevölkerung vor der Herausforderung, dass die bestehenden Qualifikationsbedarfe durch die geburtenschwächeren Jahrgänge der jüngeren Generationen abgedeckt werden müssen und zunehmende Engpässe bei MINT-Arbeitskräften entstehen.

Zugleich sind die Potenziale der MINT-Ausbildung bei jungen Menschen und insbesondere bei Frauen bei weitem nicht ausgeschöpft. So liegt der Frauenanteil in den meisten MINT-Studiengängen und -Ausbildungsgängen nach wie vor bei deutlich unter 50 Prozent. Hier gilt es, den Ursachen auf den Grund zu gehen und mögliche Handlungsansätze aufzeigen, um mehr junge Menschen und insbesondere junge Frauen für MINT-Berufe zu begeistern. Welches Bild machen sich junge Leute von den MINT-Berufen und wie beeinflusst dies ihre Interessen und ihre Berufswahlintention? Wie können wir dieses Bild verändern, so dass mehr junge Menschen in die MINT-Fächer streben? Die Stärkung von MINT-Bildung und klischeefreier Berufs- und Studienorientierung hat das Potenzial, das Angebot an MINT-Fachkräften zu erhöhen.

Das I in MINT zu stärken ist eine Aufgabe mit vielen und unterschiedlichen Facetten. Welche Facetten und Ebenen sind dies genau und wie können und sollten digitalisierungsbezogene Fähigkeiten und Kompetenzen im schulischen Bildungsbereich aufgegriffen, gestärkt und gefördert werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forum auf der Grundlage zweier Vorträge aus den Bereichen Forschung und Administration. Die digitale Transformation erfordert grundlegende und fortgeschrittene digitalisierungsbezogene Fähigkeiten und Kompetenzen, deren grundständige Vermittlung eine zentrale schulische Bildungsaufgabe darstellt. Gleichzeitig ist das Spektrum der Kompetenzen, die im Zuge der digitalen Transformation benötigt werden, groß. Es umfasst neben technologiebasierten auch medien- und datenbezogene Kompetenzen und das Verständnis ihrer Wirkungen und Potenziale. Im Forum wird die Herausforderung und Notwendigkeit thematisiert, im schulischen Bildungsbereich Veränderungsprozesse zu gestalten, die sowohl die Inhalte als auch die Prozesskomponente des Lehrens und Lernens zu digitalisierungsbezogenen Kompetenzen betreffen und das Potenzial des Einsatzes digitaler Medien und Werkzeuge für fachliches und überfachliches Lernen nutzen. Zudem werfen wir einen Blick auf den Stand der Entwicklungen bezogen auf schulische Rahmenbedingungen und Aktivitäten zur Förderung der Kompetenzentwicklung von Lehrkräften in verschiedenen Phasen der Lehrkräftebildung der KMK bzw. der Länder. Die beiden Forenbeiträge bieten die Grundlage für die übergreifende Diskussion:

Birgit Eickelmann gibt in ihrem Beitrag einen Input zum internationalen Diskurs zu digitalen Kompetenzen, denen im europäischen Kontext durch den im Herbst 2020 veröffentlichten europäischen Digital Education Action Plan (2021-2027) eine weiterentwickelte Relevanz in und nach der Pandemiezeit zugeschrieben wird. Hierzu nimmt sie neben dem im Rahmen der ICILS-Studie erfassten Teilbereich der „computer- und informationsbezogenen Kompetenzen“ auch den Kompetenzbereich ‚Computational Thinking‘ in den Blick, der in zahlreichen Staaten, u. a. in Österreich und der Schweiz bereits curricular verankert ist. Möglicherweise nicht zuletzt aufgrund fehlender Anbindungen im schulischen Bildungsbereich, zeigte sich, dass Deutschland im Rahmen der ICILS-2018-Studie in diesem Bereich, der sich u. a. auf den Kompetenzen Umgang mit Algorithmen und (informatischen) Modellierungen fokussiert, im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich abgeschnitten hatte mit hohen sozialbedingten Disparitäten sowie großen Kompetenzunterschieden zum Nachteil von Mädchen. Anknüpfend hieran soll zur Diskussion gestellt werden, wie der Bildungsbereich in Deutschland diese Entwicklungen, die im Rahmen der ICILS-2023-Studie weiterhin durch ein Monitoring begleitet werden, zukünftig aufgreifen kann und ob und in welcher Weise die durch das Kompetenzmodell der KMK-Strategie ‚Bildung in der digitalen Welt‘ (KMK, 2016) grundgelegten Facetten digitaler Kompetenzen zukunftsfähig zu erweitern sind.

Dabei wird gemeinsam zu diskutieren sein, welche (weiteren) Kompetenzen sich aktuell und zukünftig hinter dem „I“ in MINT verbergen, die in Deutschland bisher nicht oder erst in Ansätzen Eingang in den schulischen Bildungsbereich gefunden haben und sich in den Kompetenzbereichen digital literacy, und damit u. a. dem Erkennen von Fehlinformationen, neuen Aspekten der informatischen Bildung sowie Fähigkeiten und Verständnis von datenintensiven Technologien, wie z. B. künstlicher Intelligenz, widerspiegeln.

Dorit Stenke erweitert diese Perspektive zur Stärkung des „I“ in MINT um einen Blick auf die weiterentwickelten KMK-Strategien und ihre vielfältigen Umsetzungen in den Ländern sowie um ländergemeinsame und länderspezifische Entwicklungen insbesondere in den Bereichen der Lehrkräftebildung in allen drei Phasen und um alle Aspekte des Lehrens und Lernens in der digitalen Welt. Die Unterstützung von Lernprozessen, die Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität und die Befähigung aller Schülerinnen und Schüler zu einer erfolgreichen Teilhabe und Mitgestaltung einer zunehmend digitalen Welt stehen dabei im Mittelpunkt. Alle Fächer und die dazu gehörigen Fachdidaktiken verändern sich aufgrund der Digitalität, aber auch die Diskussion um ein verpflichtendes Fach Informatik nimmt breiten Raum ein. Konzepte für die Fort- und Weiterbildung werden zunehmend länderübergreifend entwickelt und auf den Weg gebracht. Außerdem verändert sich die Kooperation von Schulen, Landesinstituten und lehrkräftebildenden Hochschulen. Auch die Qualifizierung der Schulleitungen für das Führen einer zunehmend digitalisierten Schule und der Gestaltung von Schulentwicklungsprozessen schlägt sich in den konzeptionellen Überlegungen nieder. Derzeit lösen sich die Debatten von den reinen Ausstattungsfragen und die Aspekte einer langfristigen Finanzierung der Bildungsdigitalisierung vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen geraten in den Fokus.

Anmeldeformular Bildungspolitisches Forum

Schritt 1 von 5

  • Bspw. E-Mail Ihrer Assistenz. Diese Person erhält Kopien aller Mitteilungen, die von der Veranstaltungsorganisation an Sie gesandt werden.
  • Am Veranstaltungstag des Bildungspolitischen Forums 2021 (28. Oktober 2021) wird es zum Zwecke der Vernetzung eine digitale Teilnehmer*innenliste geben. Diese wird für die Dauer der Veranstaltung auf der Veranstaltungsplattform abrufbar sein. Die Teilnehmer*innenliste umfasst Angaben zu Titel, Vor- und Nachname sowie Institution. Die Eintragung auf die Teilnehmer*innenliste ist freiwillig. Durch eine Nicht-Eintragung entstehen Ihnen keine Nachteile. Sie können Ihre Entscheidung jederzeit widerrufen, in dem Sie eine E-Mail an leibniz-bildungspotenziale@dipf.de schreiben.