„Sprache(n) als Potenzial gesellschaftlicher und ökonomischer Teilhabe“
Das Bildungspolitische Forum 2026 fand am 7. Oktober 2026 in der Landesvertretung Baden-Württemberg, Tiergartenstr. 15, 10785 Berlin, als Präsenzveranstaltung statt.
Inhaltlich widmete sich die Veranstaltung der Frage, wie Sprache und Mehrsprachigkeit über die gesamte Lebensspanne hinweg zu zentralen Ressourcen für gesellschaftliche Teilhabe, Bildungserfolg und wirtschaftliche Integration werden können. Im Fokus standen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, bildungspolitische Herausforderungen und praxisnahe Lösungsansätze entlang zentraler Bildungsetappen: von früher Mehrsprachigkeit und dem Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen bei Kindern über die sprachliche Bildung neuzugewanderter Schüler bis hin zur Alphabetisierung und arbeitsorientierten Sprachförderung Erwachsener. Ergänzend wurde diskutiert, welche Rolle Digitalisierung und KI-gestützte Lehr- und Lernformate in der Sprachbildung spielen können und welche bildungspolitischen Rahmenbedingungen hierfür erforderlich sind.
In vier thematisch fokussierten Foren kamen Perspektiven aus Wissenschaft, Bildungspraxis, Politik und Verwaltung zusammen, um evidenzbasierte Strategien für eine chancengerechte, nachhaltige und zukunftsorientierte Sprachbildung zu entwickeln.
Moderation: Dr. Jan-Martin Wiarda
Inhaltlich verantwortliche Mitglieder des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN):
ZAS | Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft
IDS | Leibniz-Institut für Deutsche Sprache
DIE | Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für lebenslanges Lernen
Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung, Universität zu Köln
Fotos: William Veder Eventfotografie
Keynote
Die Sprachwissenschaft als Hebel für Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe
Prof. Dr. Dr. h.c. Artemis Alexiadou
Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS)
Dass gute Sprachfähigkeiten zu Bildungserfolgen und einer erfolgreichen gesellschaftlichen Teilhabe beitragen, ist wenig überraschend. Dass Erkenntnisse aus der Sprachwissenschaft hierfür essenziell sind, ist weniger bekannt und soll in diesem Vortrag näher dargestellt werden. Sprachwissenschaftliche Forschung hat zum Beispiel nachgewiesen, dass manche sprachliche Fähigkeiten erst in einem bestimmten Alter erworben bzw. überhaupt erst durch Unterricht erlernt werden. Wenn aber die im Unterricht verwendete Sprache Phänomene beinhaltet, deren Erwerb erst in einem späteren Stadium erfolgt, kann es zu Schwierigkeiten mit der Aufgabestellung kommen. Mathematikaufgaben sind ein Beispiel dafür. Ebenso wichtig sind ist sprachwissenschaftliche Wissen über Personengruppen, deren sprachliche Hürden nicht in ihrem jungen Alter liegen. Das betrifft zum Beispiel Sprachforschung zu Kindern mit neurologischen Besonderheiten oder mit mehrsprachigem Familienhintergrund, aber auch sprachliche Besonderheiten bei Erkrankungen im Alter. Sprachwissenschaftliche Erkenntnisse bieten die Grundlage für Diagnoseverfahren und Handlungsempfehlungen an die Politik und ermöglichen somit Prävention und Intervention und damit eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe auch über das schulische Umfeld hinaus. In dem Vortrag werden exemplarisch aktuelle Forschungsprojekte aber auch Pläne für die Zukunft vorgestellt.
Forum I
Mehrsprachigkeit bei Kindern, Sprachkompetenz und Bildungserfolg
Leitung: Prof. Dr. Natalia Gagarina
Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) & Humboldt-Universität zu Berlin
Mehrsprachigkeit ist für Kinder eine zentrale Ressource für Sprachkompetenz und Bildungserfolg, wenn sie systematisch in Bildungsprozesse einbezogen wird. Sie beeinflusst den Erwerb der bildungssprachlichen Varietät des Deutschen, die für schulisches Lernen, insbesondere im Mathematikunterricht, und für fachsprachliche Kommunikation entscheidend ist.
Bildungssprache setzt im Übergang von der vorschulischen Alltagskommunikation zur schulischen Lernumgebung ein, vor allem mit Beginn der Primarstufe. In diesem Kontext werden komplexere Wortschätze, morphosyntaktische Strukturen sowie textuelle Fähigkeiten aufgebaut, die eng mit dem Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen verknüpft sind.
Didaktische Arrangements, die mündliche und schriftliche Fähigkeiten gleichzeitig aufbauen und an Alltagserfahrungen der Kinder anknüpfen, unterstützen nachhaltig ihre literalen Kompetenzen und damit langfristig ihren schulischen Erfolg.
Forum II
(Mehr-)Sprachliche Bildung für neu zugewanderte Schüler:innen
Leitung: Prof. Dr. Nicole Marx
Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung, Universität zu Köln
Die Integration neuzugewanderter Schüler:innen in das deutsche Bildungssystem steht aktuell im Fokus bildungspolitischer Debatten. Die mediale Aufmerksamkeit zu Vorbereitungsmaßnahmen unterstreicht die Relevanz evidenzbasierter schulischer Unterrichtsmodelle für die sprachliche Bildung.
Dieses Forum widmet sich der zentralen Frage: Welche Sprachbildungsmodelle erweisen sich für neuzugewanderte Schüler:innen als erfolgreich – sowohl hinsichtlich der sprachlichen Entwicklung im Deutschen als auch bezüglich positiver Bildungsverläufe?
Das Forum bringt zentrale Perspektiven aus Bildungspolitik, Soziologie und der Sprachbildung für Deutsch als Zweitsprache zusammen. Nach drei kompakten Impulsreferaten (je 5 Minuten) folgt eine 40-minütige moderierte Diskussion zwischen Bildungspolitik, Wissenschaft und Praxis.
Die Sektion richtet sich an Bildungspolitiker:innen, Wissenschaftler:innen sowie Praktiker:innen, die evidenzbasierte Beschulungs- und Unterrichtsmodelle für die sprachliche Bildung neuzugewanderter Lernender entwickeln und implementieren möchten.
Forum III
Alphabetisierung und arbeitsorientierte Sprachförderung Erwachsener
Leitung: Prof. Dr. Hannes Schröter
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen & FernUniversität in Hagen
Alphabetisierungs- und arbeitsorientierte Sprachförderangebote bieten sowohl Zugwanderten als auch gering literalisierten Erwachsenen mit Deutsch als Erstsprache die Möglichkeit zur Integration in den Arbeitsmarkt und zur gesellschaftlichen Teilhabe. Ebenso sind diese Angebote von grundlegender Bedeutung für die Begegnung des Fachkräftemangels durch qualifizierte Zuwanderung.
Dieses Forum widmet sich der Frage zur (zukünftigen) Gestaltung von Alphabetisierungs-, Integrations- und Berufssprachkursen, um den Erwerb der deutschen (Schrift-) Sprache und die Integration in den Arbeitsmarkt optimal zu unterstützen.
Nach Kurzreferaten folgt eine moderierte Diskussion zwischen Bildungspolitik, Praxis und Wissenschaft.
Das Forum richtet sich an Bildungspolitiker:innen, Wissenschaftler:innen sowie Praktiker:innen, die sich für eine evidenzbasierte Gestaltung und Weiterentwicklung (arbeitsorientierter) Sprachförderungsangebote für Erwachsene engagieren.
Forum IV
Unterstützung der Sprachbildung durch Digitalisierung
Leitung: Dr. Angelika Wöllstein
Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) & Universität Mannheim gemeinsam mit
Dr. Franziska Kretzschmar
Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS)
Digitale und KI-gestützte Lehr- und Lernhilfen versprechen neue Möglichkeiten, Sprachkompetenzen zu vermitteln und zu erwerben. Doch welche Rahmenbedingungen braucht es, um das Potenzial verantwortungsvoll zu entwickeln und effektiv und nachhaltig in Bildungseinrichtungen zu nutzen? Und welche Kompetenzen benötigen Lehrende und Lernende, um das Potenzial dieser Technologien nutzen zu können?
Wir widmen uns den vielfältigen Herausforderungen und Chancen, die sich aus dem Einsatz digitaler und KI-basierter Werkzeuge ergeben und welche Ziele durch sie verfolgt werden können oder sinnvoll wären. Dabei beleuchten wir nicht nur aktuelle Rahmenbedingungen und Entwicklungen, sondern diskutieren auch konkrete digitale und KI-gestützte Methoden zur Förderung sprachlicher Kompetenzen.
Begrüßung Prof. Dr. Kai Maaz
Grußwort von Dr. Petra Bahr
Grußwort von Christina Henke
Einführung in das Thema von Prof. Dr. Nicole Marx und Prof. Dr. Angelika Wöllstein
Keynote von Prof. Dr. Dr. h.c. Artemis Alexiadou
Forum I: Mehrsprachigkeit bei Kindern, Sprachkompetenz und Bildungserfolg
Forum II: (Mehr-)Sprachliche Bildung für neu zugewanderte Schüler:innen
Forum III: Alphabetisierung und arbeitsorientierte Sprachförderung Erwachsener
Forum IV: Unterstützung der Sprachbildung durch Digitalisierung
Bildungsdialog mit Prof. Dr. Beate Lütke, Prof. Dr. Detmar Meurers, Celia Sokolowsky und Eric Vaccaro
Abschluss mit Prof. Dr. Natalia Gagarina, Dr. Franziska Kretzschmar und Prof. Dr. Hannes Schröter





































