LERN-Jahrestagung

5. März 2026 - 6. März 2026 | Jahrestagung

Die nächste Gelegenheit vom lebhaften Austausch innerhalb der LERN-Mitgliedsinstitute zu profitieren und hilfreiche interdisziplinäre Einblicke für eigene Forschungsfragen zu erhalten haben Forschende der Mitgliedsinstitute des Forschungsnetzwerks hier:

"Nachhaltige Entwicklung und die Rolle von Bildung und lebenslangem Lernen"

Die interne Wissenschaftliche Jahrestagung 2026 findet vom 05. bis 06. März 2026 im Leibnizhaus in Hannover statt und wird vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) ausgerichtet.

Der Call for Papers für LERN-Mitglieder war bis 15. Dezember 2025 geöffnet. Zum Call for Papers

Die Anmeldung für die LERN-Jahrestagung ist bis 15. Februar 2026 geöffnet.


Ziel der Wissenschaftlichen Jahrestagungen von LERN ist es, für das Netzwerk strategisch wichtige Themenfelder aufzugreifen, die im Netzwerk vorhandene Forschung und Expertise dazu sichtbar zu machen und weiterführende Forschungsbedarfe zu identifizieren, welche künftig im Rahmen des Netzwerks angegangen werden können.

Die LERN-Jahrestagung 2026 will sich mit Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung und die Rolle von Bildung und lebenslangem Lernen befassen. Die Welt steht vor großen Herausforderungen aufgrund von (negativem) Bevölkerungswachstum, zunehmender Urbanisierung, anhaltender Armut, nach wie vor bestehender sozialer Ungleichheit, aber auch durch Überbeanspruchung der Ressourcen und Klimawandel. Ein wichtiger Schlüssel zur Bewältigung dieser Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung ist Bildung und lebenslanges Lernen. So hat beispielsweise die UNESCO das Programm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Education for Sustainable Development) ins Leben gerufen, um es Lernenden aller Altersgruppen zu ermöglichen, Wissen, Fähigkeiten, Werte und Handlungskompetenzen zu erlangen und die genannten Herausforderungen anzugehen.

Für die LERN-Jahrestagung 2026 möchten wir dazu das Lernen oder den Erwerb von Wissen, Fähigkeiten, Werte und Handlungskompetenzen an unterschiedlichen Orten und Zeitpunkten im Lebensverlauf beleuchten und dabei Bildungsstationen von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter abbilden. Es soll gefragt werden, ob und wie durch Bildung und lebenslangem Lernen innerhalb des gesamten Bildungssystems Wissen, Fähigkeiten und Werten zur nachhaltigen Entwicklung gefördert werden können. Wie müssen unterstützende Lern- und Lehrumgebungen aussehen für den Erwerb entsprechender Fähigkeiten und Werte? Wie können Politik und Praxis die Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung im Bildungssystem bewältigen.

In der LERN-Jahrestagung 2026 möchten wir daher insbesondere den Erwerb von Wissen, Fähigkeiten, Werten und Handlungskompetenzen an unterschiedlichen Orten und somit auch unterschiedlichen Abschnitten im Lebensverlauf in den Blick nehmen.

Beiträge können dabei Themenfeldern adressieren, die Bildung und lebenslanges Lernen als möglichen Schlüssel zu

▪ Reduzierung sozialer Ungleichheit(en)

▪ Ermöglichung von Geschlechtergleichstellung

▪ Reduzierung/Entgegenwirken des (negativen) Bevölkerungswachstums

▪ Studentischem Engagement, Interessenvertretung und Handlungskompetenz

▪ Nutzung von KI und neuer Technologien im Arbeitsmarkt

▪ Förderung von Metakognition (Meinungen, Einstellungen, Kreativität)

▪ Gesundheit und Well-Being

erforschen.

Alle Personen an LERN-Mitgliedseinrichtungen sind dazu eingeladen, Vorschläge für Beiträge einzureichen. Vorgestellt werden können sowohl Ergebnisse abgeschlossener Forschungsprojekte, „Work in Progress“ oder auch (größere) Forschungsvorhaben, die sich noch am Anfang befinden und noch keine Ergebnisse vorweisen können. Gerade für Projekte, die sich noch im Anfangsstadium oder in der Planung befinden, kann das Format Knowledge Café produktiv sein.

Einreichung von Beiträgen:

Bitte mailen Sie ein kurzes Abstract (ca. 200 bis 300 Wörter) bis spätestens 15.12.2025 an unter Angabe der gewünschten Beitragsart (Vortrag, Impulsvortrag, Poster, Knowledge Café), Titel, Name und Affiliation der Referierenden (Vortragende sind zu unterstreichen). Sollten zu viele Beiträge eingereicht werden, behält sich das Organisationsteam vor, eine Auswahl zu treffen. Hierbei wird berücksichtigt, dass möglichst viele Mitgliedsinstitute des Netzwerks mit Beiträgen vertreten sind.

Wissenschafts-Praxis-Kooperationen in der Erwachsenenbildung: Eine Mixed-Methods Analyse der Kooperationsbereitschaft von Praxisakteur*innen

Moritz Sahlender, Lisa de Vries, Andreas Martin, Hannes Schröter, Josef Schrader (DIE)

Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxisakteur*innen in der Erwachsenenbildung werden zunehmend als dialogischer, ko-konstruktiver Prozess verstanden, bleiben in der Praxis aber durch strukturelle und organisationale Barrieren erschwert (z. B. Demski, 2017; Duveneck, 2024; Gräsel, 2010; Schmiedl, 2022; Schrader, 2014). Zwar wurden zentrale Herausforderungen bereits untersucht, ihre Auswirkungen auf die Kooperationsbereitschaft von Praxisakteur:innen jedoch bislang kaum systematisch analysiert. Der Beitrag geht der Frage nach, welche Bedingungen Akteur:innen aus der Bildungspraxis als förderlich oder hinderlich für eine Kooperation mit wissenschaftlichen Projekten wahrnehmen und welche dieser Bedingungen die Bereitschaft zur Kooperation nachweislich erhöhen. Im ersten Schritt wurden 18 leitfadengestützte Interviews mit Praxisakteur:innen mittels qualiativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen vier zentrale Herausforderungen: (1) fehlende frühe Einbindung, (2) geringe Mitgestaltungsmöglichkeiten, (3) mangelnde Unterstützung bei der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und (4) unzureichende zeitliche bzw. finanzielle Ressourcen. Zur Untersuchung des Einflusses der zentralen Herausforderungen auf die Kooperationsbereitschaft von Praxisakteur:innen wurde aufbauend auf den qualitativen Interviews ein Surveyexperiment im Rahmen der deutschlandweiten wbmonitor-Befragung durchgeführt an dem N = 1.081 Weiterbildungseinrichtungen teilnahmen. In einem Vignettenszenario wurden die vier Dimensionen variiert und die Befragten schätzen die Wahrscheinlichkeit einer Kooperation ein. Die Datenerhebung wurde im Oktober 2026 abgeschlossen. Erste Ergebnisse des Surveyexperiments können auf der LERN 2026 vorgestellt werden. Der Beitrag ermöglicht durch die Verwendung eines Mixed-Methods Ansatzes die empirische Bestimmung zentraler Gelingensbedingungen sowie die Ableitung konkreter Empfehlungen für nachhaltige Kooperationsformate.


Weiterbildungswahlkompetenz – ein Konstrukt zur Erklärung und Förderung individueller Weiterbildungsbeteiligung

Prof. Dr. Tim Stanik, Joshua Wilhelm (Universität Münster)

Mit einer nach wie vor hohen Teilnahmeselektivität an (non-)formaler Weiterbildung sind grundlegende Fragen der Bildungsgerechtigkeit und sozialen Teilhabe verknüpft. So ist die Weiterbildungsbeteiligung auch seit Dekaden ein zentraler Gegenstand der Weiterbildungsforschung (Schulenberg, 1978). Während ein großer Teil der Weiterbildungsbeteiligung auf die betriebliche Weiterbildung entfällt und hierbei die Weiterbildungsaktivität der Betriebe der zentrale Prädiktor darstellt, finden sich heterogene Zugänge zur Analyse und Erklärung für die (Nicht-)Teilnahme an beruflicher und/oder allgemeiner Weiterbildung/Erwachsenenbildung (Wittpoth, 2018). Zu nennen sind strukturalistische Zugänge, die Effekte der Soziodemografie (BMBF, 2024) des Sozialraums (Mania, 2018) der der Milieuzugehörigkeit (Barz & Tippelt, 2007) untersuchen, sowie subjekttheoretische Zugänge, bei denen z.B. rationale Entscheidungen (Behringer, 2003), Interessen (Grotlüschen, 2010), lernbiografische Motivationen (Gorges, 2015) oder Emotionen (Gieseke, 2007) untersucht werden. Weitere Zugänge vor dem Hintergrund der Kritischen Theorie oder postmoderner Diskurse bieten wiederum Erklärungen für Widerstände, zum Teil explizit (Holzer, 2017) oder implizit, wenn z.B. die empfundene Nicht-Zugehörigkeit zu einer (lernenden) Gesellschaft erörtert wird (hooks, 2020). Der eingereichte Beitrag exploriert hingegen mit Hilfe eines kompetenztheoretischen Zugangs die Frage, welche Kompetenzfacetten Weiterbildungsinteressierte für ihre Entscheidungen für eine begründete (Nicht-)Teilnahme an (non-)formaler Weiterbildung benötigen. Neben eines narrativen Literaturreviews werden Ergebnisse einer qualitativen Expert*innenbefragung von Weiterbildungsberatenden (n=20) im Hinblick auf das Konstrukt der „Weiterbildungswahlkompetenz“ dargelegt. Es zeigt sich, dass sich Weiterbildungswahlkompetenz als ein mehrdimensionales Konstrukt (Weinert, 2001) modellieren lässt, das sich aus deklarativen und reflexiven Weiterbildungswissen, weiterbildungsbezogenen Selbstwirksamkeitserwartungen, Motivationen und einem weiterbildungsbezogenen Selbstkonzept zusammensetzt. Ausgehend von diesen Befunden lassen sich weitere Fragen der Messung und Förderungen von Weiterbildungswahlkompetenz adressieren (Stanik & Wilhelm 2025).


Education and skill mismatches in the German labour market: the role of vocational and occupational specificity from a career perspective

Stephan Bischof (BiB)

Previous research shows that individuals’ educational level is associated with skill mismatches, i.e. having too low (underskilling) or too high skill levels (overskilling) for the job. To date, however, knowledge about the influence of horizontal dimensions of education and education’s variation throughout the career is limited. Because specialisation varies within levels and education’s effects may change across career stages, both horizontal dimensions and a career perspective are needed. Therefore, this study analyses the link between education and skill mismatch by considering educational level, vocational specificity, and occupational specificity from a career perspective.The analyses are based on the survey wave 2016 of the German NEPS Adult Cohort, using a multidimensional skill mismatch measure covering three key skill domains in today’s labour market: reading, mathematics, and ICT. The findings show that individuals with a higher educational level are less likely to be underskilled, but more likely to be overskilled. Conversely, higher vocational specificity is associated with a higher likelihood of underskilling but a lower likelihood of overskilling, whereas occupational specificity is not significantly related to skill mismatches. The findings also highlight that the link between education and skill mismatch varies substantially with time since graduation, and that the role of vocational and occupational specificity differs across educational levels.Given that one and the same education programme can have different implications for skill matching in the course of the career, education programmes should place greater emphasis on adaptability to new or changing tasks and on equipping individuals with relevant skills to navigate the digital transformation and to remain competitive an increasingly dynamic labour market.

Chair: Jessica Ordemann (DZHW)

Zusammenhänge zwischen den frühen Kompetenzen von Kindern, ihrem Erfolg in der Grundschule und dem sozioökonomischen Status ihrer Familie

Dr. Max Nachbauer (Department Erziehungswissenschaft der Universität Potsdam)

In der vorliegenden Studie werden zwei Fragestellungen untersucht. Erstens wird überprüft, welche Rolle die frühen Kompetenzen von Kindern für ihren späteren Erfolg in der Grundschule spielen. Zweitens wird überprüft, wie stark diese frühen Kompetenzen vom sozioökonomischen Status der Familie abhängen und inwieweit frühe Kompetenzunterschiede spätere Unterschiede im Schulerfolg erklären können. Erfolg in der Grundschule umfasst neben den Fachkompetenzen der Kinder (Lesen, Mathematik) und ihrer Lernmotivation in der vierten Jahrgangsstufe auch einen günstigen Verlauf des Übergangs auf die Sekundarschule (Wechsel auf ein Gymnasium). Als potentiell relevante frühe Kompetenzen werden die Sprachkompetenzen, Mathematikkompetenzen, kognitiven Grundkompetenzen und Selbstregulationskompetenzen von Kindern untersucht. Hierbei wird jeweils der Kompetenzstand betrachtet, über den die Kinder bereits vor Schuleintritt verfügen. Der sozioökonomische Status wird anhand des Bildungsstandes, der Berufsposition und des Einkommens der Eltern operationalisiert. Als Datengrundlage wird die Startkohorte 2 des Nationalen Bildungspanels verwendet. Die Daten werden mithilfe von Mehrebenen-Strukturgleichungsmodellen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die frühen Kompetenzen von Kindern bedeutsam ihre Fachkompetenzen in der vierten Jahrgangsstufe vorhersagen. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen frühen Kompetenzen deutlich in ihrer prädiktiven Kraft. Die Lernmotivation in der vierten Jahrgangsstufe und die Wahrscheinlichkeit eines Übergangs auf ein Gymnasium hängen weniger stark mit den frühen Kompetenzen zusammen. Weiterhin bestehen bedeutsame Zusammenhänge zwischen den frühen Kompetenzen und dem sozioökonomischen Status der Familie. Ein beträchtlicher Teil der Kompetenzunterschiede in der vierten Jahrgangsstufe wird durch frühe Kompetenzunterschiede erklärt. Die Erkenntnisse ermöglichen ein tiefergehendes Verständnis darüber, welche frühen Kompetenzen Kinder benötigen, um in der Grundschule erfolgreich zu sein und welche Rolle frühe Kompetenzen für die Entstehung von sozialen Bildungsungleichheiten spielen.


Zwischen Aufstieg und Abbruch: „First-in-Family“-Studierende an staatlichen und privaten Hochschulen

Ulrike Schwabe, Frederike Gerdes, Dr. Julia Steinkühler (DZHW)

Der Zugang zu hochschulischer Bildung ist in Deutschland weiterhin durch die soziale Herkunft bestimmt (Bachsleitner et al., 2022). Zwar entscheiden sich immer mehr Schüler*innen für ein Studium, allerdings hängt dies nach wie vor vom familiären Hintergrund ab (Kracke et al., 2024). Nach der Aufnahme eines Studiums stehen „First-in-Family“-Studierende vor weiteren Herausforderungen: sie fühlen sich im Vergleich zu Akademikerkindern schlechter in das Hochschulsystem integriert (Käpplinger et al., 2019) und ziehen häufiger einen Studienabbruch in Betracht (Unger, 2024).Tintos Integrationsmodell (1975) zufolge, ist eine gelungene akademische und soziale Integration in das Hochschulsystem eine zentrale Voraussetzung, um Studienabbrüche zu verhindern. Auch an deutschen Hochschulen tragen die beiden Integrationsdimensionen zur Erklärung sozial differenzieller Studienabbrü- che bei (Heublein et al., 2017; Klein, 2019). Die Bedeutung des institutionellen Kontextes wird hingegen kaum adressiert – zumeist wird nur die Hochschulart berücksichtigt. Diese Unterscheidung greift jedoch zu kurz, da sowohl die Anzahl der privaten Hochschulen (AGBB, 2024) als auch der Studierendenanteil an diesen stark gestiegen sind (Kroher et al., 2023). Insbesondere zu „First-in-Family“-Studierenden gibt es bisher kaum Forschung zum Studienerfolg an privaten Hochschulen.Wir greifen diese Forschungslücke auf und analysieren, ob sich die Studienabbruchintention von „First-inFamily“-Studierenden nach der Hochschulträgerschaft unterscheidet. Ausgehend von Tintos Integrationsmodell gehen wir von geringeren Abbruchintentionen bei „First-in-Family“-Studierenden an privaten Hochschulen aus, was sich auf eine bessere akademische und soziale Integration zurückzuführen lässt. Für die Analysen nutzen wir die Daten von „Die Studierendenbefragung in Deutschland (2021)” (Beuße et al., 2022). Betrachtet werden Studierende im Erststudium (Bachelor-/Staatsexamen). Es werden die Ergebnisse logistischer Regressionen als Average Marginal Effects präsentiert.Die Ergebnisse bestätigen den erwarteten Herkunftseffekt: „First-in-Family“-Studierende denken signifikant häufiger über einen Studienabbruch nach als Akademikerkinder – allerdings nur an staatlichen Hochschulen. An privaten Hochschulen zeigt sich kein signifikanter Zusammenhang. Gemäß den theoretischen Erwartungen verringern die Integrationsdimensionen die Abbruchintentionen an staatlichen und privaten Hochschulen.


Availability over Ability? The Role of Gender and Care Work on Academic Output of Full-Time Professors in Germany

Claudia Begemann (DUHW), Fabian Trennt (DZHW), Sandra Buchholz (DZHW/LUH)

Lifelong learning is a cornerstone of sustainable development and higher education institutions play a crucial role in fostering the knowledge, skills and values necessary to address societal changes. Professors are not only central actors in teaching these competencies, but they also themselves engage in continuous learning throughout their careers. Yet, the conditions under which academic learning and performance occur are far from equitable. Academic careers exemplify a “greedy job” (Goldin, 2014, 2024), characterised by high workloads, expectations of constant availability and mobility (Afonso, 2016; Blome, 2023). Conditions that disadvantage caregivers, particularly women, by assuming an “ideal academic” free from care responsibilities (Glogowsky et al., 2025; Jessen et al., 2022; OECD, 2017). This paper investigates how far care obligations (have) shape(d) the scientific output of male and female professors and whether prevailing performance metrics implicitly reward availability over ability.Drawing on data from the first wave of the DZHW-prof*panel (2022) which includes a representative sample of professors appointed between 2010 and 2022 in Germany, this study examines how gender and parenthood shape academic performance. Preliminary findings reveal a persistent gender gap in publication numbers and third-party funding acquisition. However, our results suggest that these differences do not reflect disparities in ability but are instead shaped by gendered temporal availability patterns, which become especially pronounced once parenthood is taken into account. These results suggest that commonly accepted performance indicators are attainable only under gendered conditions, as availability significantly shapes professors’ performance, calling their validity as neutral measures of academic excellence into question.

Chair: David Nika (DZHW)

Caught between two stools: The effect of higher education dropout on Big Five personality traits

Frauke Peter, Johann Carstensen, Fabian Trennt (DZHW)

Up to 30% of all German bachelor degree students leave higher education (HE) without obtaining a degree. Against the backdrop of demographic change, leaving HE without a degree is mostly seen as a waste of public resources because numerically significant HE dropout may intensify shortage of skilled labour. However, more recent research is asking whether dropouts may have at least acquired some skills that could be beneficial either on the labor market or in subsequent vocational education and training (VET). In order to examine whether HE dropout is solely a bad investment we address the question whether a relatively brief exposure to HE affects non-cognitive skills by comparing HE dropouts to apprentices with respect to Big Five personality traits. Building on social investment theory that emphasizes the influence of social contexts on personality, we argue that each context (VET vs. HE) develops its own professional roles according to respective domain-specific demands to which new entrants must adopt. We expect that HE dropouts and apprentices differ in personality traits that complement the respective demands. We use data from the DZHW panel of school leavers with HE entrance qualification and apply entropy balancing to possibly identify a causal effect of HE dropout on Big Five personality traits. We find a significant negative effect of HE dropout on conscientiousness (i.e., dropouts being less conscientious) which we discuss as complementing the demands of complex work environments where being too much conscientious might be detrimental with respect to adaptability to new circumstances. Therefore, leaving HE without obtaining a degree is not necessarily a bad investment, because HE dropouts have acquired non-cognitive skills during their time in HE. However, whether some HE experience helps to counteract shortage of skilled labour due to demographic change ultimately depends on employers acknowledging acquired but not certified skills.


Digitale Wörternetze mit neurodidaktischem Ansatz:Erforschung der Wirksamkeit für lernförderliches, nachhaltiges und autonomes Wortschatzlernen im Französischunterricht der Sekundarstufe I mittels Befragung, Testung und Dokumentenanalyse

Sarah Sunke (Universität Münster)

Kommunikatives Handeln gilt als übergeordnetes Ziel des Fremdsprachenunterrichts (vgl. KMK 2023, 7) und gewinnt im Kontext zunehmender Globalisierung immer mehr an Bedeutung. Damit Kommunikation gelingt, ist der Aufbau lexikalischer Kompetenz ein zentraler Bestandteil des Fremdsprachenlernens. Allerdings wird der damit einhergehende, unabdingbare Einprägungsprozess – insbesondere beim institutionalisierten Fremdsprachenlernen – von den Lernenden häufig mit negativen Emotionen wie Verzweiflung und Anstrengung assoziiert (vgl. Plikat 2020, 114-115). Mündet dies in Demotivation, besteht das Risiko, dass erfolgreiches Wortschatzlernen behindert wird (vgl. Böttger 2023, 161).Digitale und multimediale Angebote, die in den letzten Jahren verstärkt in den Fremdsprachenunterricht integriert wurden, bieten an diesem Punkt innovative Potentiale, die sich positiv auf den Lernprozess auswirken beitragen können (vgl. Clark/ Mayer 2016, Mayer 2009). Vor dem Hintergrund des Anspruchs, die Wortschatzarbeit lernförderlicher, nachhaltiger und zunehmend autonomer zu gestalten, rückt der Einsatz konkreter digitaler Tools wie etwa Gamification-Formate (vgl. Vogel 2024; Kanngiesser-Krebs 2022, 45-46) oder Vokabel-Lernapps (vgl. Rössler/ Wengler 2022, 4-7) verstärkt in den Fokus aktueller unterrichtspraktischer Vorschläge und empirischer Forschungsvorhaben. Im Sinne der Neurodidaktik gilt es dabei auch, diese motivationsfördernden Hilfen der Wortschatzarbeit dahingehend zu überprüfen, inwiefern sie kognitive Prozesse der Sprachverarbeitung – wie etwa der Funktionalität des mentalen Lexikons (vgl. ebd., 2) oder der Gedächtnisbildung – bei der Handhabung und der unterrichtlichen Einbindung berücksichtigen.Eine fokussierte Betrachtung der Lernwirksamkeit digitaler Wörternetze ist in diesem Rahmen noch nicht erforscht worden, wodurch sich das vorliegende Promotionsprojekt diesem Anliegen widmet. Der nachgewiesene Lernerfolg analoger Wörternetze (vgl. Neveling 2004) dient dabei als Ausgangspunkt. Das Wortschatzlernen mittels Wörternetzen, die sich insbesondere durch das Potential auszeichnen, Abbilder des mentalen Lexikons darzustellen, wird im vorzustellenden Forschungsvorhaben erweitert um die dynamische und multimediale Anwendbarkeit digitaler Wörternetz-Tools, ohne Risiken wie einen Cognitive Overload außer Acht zu lassen (vgl. Sweeler/ van Merrienboer/ Paas 1998, 275; Rummer et al. 2008, 105). Die empirische Überprüfung hinsichtlich ihres lernförderlichen, nachhaltigen und autonomen Gehalts folgt dabei dem methodischen Dreischritt aus Befragung, Testung und Dokumentenanalyse im Sinne eines Mixed Method-Ansatzes.


Participation in volunteering, internships, and stays abroad during the ‘gap year’: Are there inequalities by social origin, migration background and gender?

Michael Grüttner (DZHW), David Nika (DZHW), Sandra Buchholz (DZHW/LUH)

Angeboten wird ein Knowledge Café zum Thema „Studentisches Engagement – Förderung und Effekte“, das den Leitfragen nachgeht, wie demokratisches Wissen und Werte an der Hochschule vermittelt und studentische Partizipation innerhalb der Hochschulen, aber auch außerhalb, gefördert werden kann.Den Input gibt das Projekt „Partizipation und Studierendenengagement an Hochschulen. Gelingensbedingungen und Wirkung (PuSH)“ des DZHW. Dieses Projekt wird voraussichtlich ab März 2026 durch das BMFTR gefördert und geht den Fragen nach, welche individuellen, institutionellen und strukturell-rechtlichen Faktoren studentisches Engagement begünstigen und welche Effekte dieses Engagement entfalten kann. Hintergrund ist die an Hochschulen gerichtete Erwartung, einen Beitrag zur Demokratieförderung zu leisten. Dabei geht es um die Entwicklung entsprechender Wertvorstellungen und Handlungsprädispositionen ebenso wie um die konkrete Förderung studentischer Partizipation. Vorgestellt werden sowohl das zugrunde gelegte civic voluntarism student modell (CVSM) und dessen mögliche Operationalisierung anhand der Daten der Studierendenbefragung in Deutschland als auch der Mixed-Methods-Ansatz des Projekts insgesamt.In den nachfolgenden Diskussionsgruppen sollen sowohl das Modell und theoretische Ansätze einerseits als auch die Methodik andererseits anhand einleitender Fragen weiter diskutiert werden, um Hinweise für die weitere Projektdurchführung zu erhalten. Von Interesse ist darüber hinaus ein übergreifender Austausch zum Themenfeld der studentischen Partizipation und des studentischen Engagements insgesamt, zum aktuellen Forschungsstand, drängenden Forschungsfragen und Hinweisen zu Vernetzungsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund sollen in Abhängigkeit von der Teilnehmendenzahl drei bis vier Kleingruppen für einen vertiefenden Austausch gebildet werden.


Studentisches Engagement – Förderung und Effekte

Daryoush Danaii, Kai Mühleck, Susanne in der Smitten (DZHW)

Angeboten wird ein Knowledge Café zum Thema „Studentisches Engagement – Förderung und Effekte“, das den Leitfragen nachgeht, wie demokratisches Wissen und Werte an der Hochschule vermittelt und studentische Partizipation innerhalb der Hochschulen, aber auch außerhalb, gefördert werden kann.Den Input gibt das Projekt „Partizipation und Studierendenengagement an Hochschulen. Gelingensbedingungen und Wirkung (PuSH)“ des DZHW. Dieses Projekt wird voraussichtlich ab März 2026 durch das BMFTR gefördert und geht den Fragen nach, welche individuellen, institutionellen und strukturell-rechtlichen Faktoren studentisches Engagement begünstigen und welche Effekte dieses Engagement entfalten kann. Hintergrund ist die an Hochschulen gerichtete Erwartung, einen Beitrag zur Demokratieförderung zu leisten. Dabei geht es um die Entwicklung entsprechender Wertvorstellungen und Handlungsprädispositionen ebenso wie um die konkrete Förderung studentischer Partizipation. Vorgestellt werden sowohl das zugrunde gelegte civic voluntarism student modell (CVSM) und dessen mögliche Operationalisierung anhand der Daten der Studierendenbefragung in Deutschland als auch der Mixed-Methods-Ansatz des Projekts insgesamt.In den nachfolgenden Diskussionsgruppen sollen sowohl das Modell und theoretische Ansätze einerseits als auch die Methodik andererseits anhand einleitender Fragen weiter diskutiert werden, um Hinweise für die weitere Projektdurchführung zu erhalten. Von Interesse ist darüber hinaus ein übergreifender Austausch zum Themenfeld der studentischen Partizipation und des studentischen Engagements insgesamt, zum aktuellen Forschungsstand, drängenden Forschungsfragen und Hinweisen zu Vernetzungsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund sollen in Abhängigkeit von der Teilnehmendenzahl drei bis vier Kleingruppen für einen vertiefenden Austausch gebildet werden.


Supporting Career Choices for Students with Special Educational Needs: A Conceptual Framework for Evaluating Intensified Career Counseling in an Experimental Design

Silke Anger, Gökay Demir, Pascal Heß, and Ute Leber (IAB)

This study evaluates the planned introduction of intensified career counseling in special needs schools and aims to assess its effects on students’ counseling take-up, career orientation, and early labor market outcomes. The intervention is designed to expand the scope and intensity of career guidance provided to students in graduating cohorts as well as in the two preceding cohorts (pre-graduation and prepre-graduation classes), with the aim of improving information, decision-making, and transitions from school into vocational training or employment. The evaluation is structured around two main research questions. First, we examine how an expanded counseling offer affects the use of career guidance services, focusing on the reach of counseling (take-up), the number of counseling sessions, and the timing of first and subsequent contacts. Second, we study how enhanced information and counseling influence students’ career orientation and occupational choices, as well as their integration into the labor market. Empirically, the study is designed as a randomized controlled trial (RCT). Randomization is planned at the school level within each of approximately 20 local employment agency districts, ensuring balanced treatment and control group within regions. The study is intended to include around 220 special needs schools in total, with roughly 110 schools randomly assigned to receive the intensified career counseling and the remaining schools continuing with standard counseling services.Outcomes related to counseling take-up, career orientation, and transitions into vocational training or employment are planned to be measured primarily using administrative data, complemented, where feasible, by survey data on decision certanity, perceived informedness, and satisfaction.

Moderation: tba

Die One Health Teaching Clinic: Ein skalierbares Modell zur Integration nachhaltiger Gesundheit und One Health in schulische Bildung

Jan Heht, Benedikt Heuckmann (Universtität Münster)

Wirksame und zeitgemäße Bildungsstrategien sind zentrale Voraussetzungen dafür, das Konzept von One Health in der (formalen) schulischen Bildung zu verankern. Es beruht auf der Erkenntnis, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt untrennbar miteinander verbunden ist. Bekannte Beispiele hierfür sind zoonotische Erkrankungen wie COVID-19 und Ebola, die Ausbreitung für uns noch unbekannter Pathogenen durch den Klimawandel, aber auch Fragen zur Lebensmittelsicherheit, Verbreitung der Antibiotikaresistenz, Artensterben, Biodiversitätsverlust und Wildtiergesundheit. In diesem Vortrag stellen wir die One Health Teaching Clinic (OHTC) als einen innovativen Ansatz vor, der angehende Lehrkräfte der Naturwissenschaften mit One Health-Expert:innen aus Medizin, Veterinärmedizin und Umweltwissenschaften zusammenbringt, um drängende Forschungs- und Nachhaltigkeitsfragen im Sinne von One Health zu analysieren, als Lerngelegenheiten zu rekonstruieren und in formale schulische Bildungsprozesse zu übersetzen.Fundiert im One Health-Ansatz fördert die OHTC interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie praxisorientiertes Problemlösen im naturwissenschaftlichen Unterricht. Im Rahmen eines einsemestrigen Kurses entwickeln Lehramtsstudierende ko-konstruktiv im Tandem aus Fachwissenschaft und Fachdidaktik Lerngelegenheiten, die schulisches Lernen mit realweltlichen Herausforderungen und Fragen nachhaltiger Gesundheit verbinden. Anschließend führen die Studierenden Unterrichtsinterventionen an Schulen durch, analysieren die Lernprozesse im Sinne des forschenden Lernens und reflektieren die Lerngelegenheiten gemeinsam mit Fachwissenschaft und Fachdidaktik.Das OHTC-Programm wird über die Universität Münster hinaus auch an weiteren Standorten in Europa umgesetzt und hat bereits rund 200 angehende Lehrkräfte sowie über 1.000 Schüler:innen der Jahrgangsstufen 5 bis 13 erreicht. Neben positiven Effekten für die Lernprozesse der Schüler:innen (u. a. Fachwissenszuwachs, Sensibilisierung für Fragen nachhaltiger Gesundheit) deuten erste Ergebnisse in der empirischen Begleitforschung für die Professionalisierung der Studierenden auf deutliche Kompetenzzuwächse in Wissenschaftskommunikation, systemischem Denken und dem akademischen Selbstkonzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (Erkennen, Bewerten, Handeln) hin. Die OHTC bietet damit ein skalierbares Modell, um die nächste Generation von Lehrkräften darauf vorzubereiten, als wirkungsvolle Akteur:innen an der Schnittstelle von schulischer Bildung und One Health–Forschung zu agieren.


Internal migration and young adults’ life satisfaction: Effects of socio-spatial stratification

Rafael Warkotsch (DZHW/Uni Hildseheim)

Internal migration is an integral part of modern societies, common among young adults and associated with substantial changes in well-being. Especially at life course transitions such as entering post-secondary education and entering employment, internal migration allows young adults to move to suitable locations for training, working and living. However, because internal migration also requires substantial material and non-material resources, social stratification affects the utility and outcomes of internal migration. Furthermore, the way in which social stratification influences decisions for internal migration and its outcomes depends on the spatial context: for example, individuals living in central areas may benefit from access to educational institutions and employers, while individuals living in more remote areas may require more personal resources to migrate and successfully enter post-secondary education and employment.

This study uses large-scale longitudinal data from the German National Educational Panel Study (NEPS) to investigate how social stratification and spatial resources interact to shape young adults’ experience of internal migration when they enter post-secondary education and the labour market. Using life satisfaction as an outcome it approximates the overall experience of quality of life during these transitions and models life satisfaction trajectories using fixed-effects regression models. Furthermore, it uses quantile regression to examine whether internal migration has the potential to narrow the life satisfaction distribution among young adults and increase the life satisfaction especially of less satisfied individuals.


Gesundheitskompetenzförderung an deutschen Volkshochschulen – Umsetzung und Analyse mithilfe von Transformer-Modellen

Dr. Kerstin Hoenig, Dr. Verena Ortmanns, Dr. Elisabeth Reichart (DIE)

Aktuelle Nachhaltigkeitsstrategien positionieren Gesundheit und Wohlergehen als zentrale Aspekte nachhaltiger Entwicklung und betonen die Bedeutung von Gesundheitskompetenz für individuelle und gesellschaftliche Teilhabe (Bundesministerium für Gesundheit, 2024; Allianz für Gesundheitskompetenz, 2024). Parallel entwickelt sich in der Public-HealthForschung Gesundheitskompetenz als multimodales und relationales Konstrukt, das nicht nur Informationsverarbeitungsfähigkeit, sondern auch digitale, interaktive und kritische Kompetenzen einschließt sowie zwischen allgemeinen und spezifischen Facetten differenziert (Jordan, 2023; Jordan et al., 2025). Empirische Studien zeigen zudem eine sozial ungleiche Verteilung von Gesundheitskompetenz in der erwachsenen Bevölkerung, wodurch normative Nachhaltigkeitsziele wie soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit berührt werden (Hurrelmann et al., 2022).Volkshochschulen (vhs) nehmen als öffentliche Bildungsakteure eine zentrale Rolle ein, da sie Gesundheitsbildung programmatisch verankern (Bundesarbeitskreis Politik-GesellschaftUmwelt, 2019). Ihre Konzepte greifen zentrale Dimensionen der Public-Health-Diskussion um Gesundheitskompetenz auf, indem Gesundheitsbildung Menschen zum reflektierten Beurteilen und Handeln in Gesundheitsfragen befähigen sowie unterschiedliche Zielgruppen und Themenfelder adressieren soll (Deutscher Volkshochschul-Verband e. V., 2025). Gleichzeitig wurde in der deutschen Medienöffentlichkeit kritisch diskutiert, inwieweit die vhs diesen Anspruch tatsächlich einlösen (Der Spiegel, 2018).Der Beitrag untersucht, inwieweit sich solche programmatischen Zielsetzungen, z.B. die Zielgruppenorientierung oder kritische Reflektion von Informationen, in den Titel- und Ankündigungstexten von vhs-Kursen im Programmbereich Gesundheit empirisch nachvollziehen lassen. Datengrundlage ist der vhs-Kursfinder, eine bundesweite Datenbank mit Kursen von über 400 vhs; allein im Jahr 2025 wurden dort 30.043 Gesundheitskurse angekündigt. Mithilfe multilingualer Transformer-Modelle (z. B. mDeBERTa) werden die Texte mittels Multi-Class-Multi-Label-Klassifikation, Zero-Shot-Prompting und KeywordBoosting analysiert. Die Performanz wird anhand eines Vergleichs mit einem händisch kodierten Subset bewertet. Ziel ist es zu prüfen, ob solche Modelle geeignet sind, die Umsetzung programmatischer Ansprüche in der Erwachsenenbildung über textuelle Daten sichtbar zu machen und damit eine Grundlage für weiterführende Analysen zum Wissensund Kompetenzerwerb Erwachsener in Gesundheitsfragen zu schaffen.

Chair: Frederike Gerdes (DZHW)

Diskriminierungserfahrungen und Arbeitsmarktperspektiven internationaler Studierender in Deutschland

Daniel Völk, Jessica Ordemann (DZHW)

Die Anzahl internationaler Studierender ist zwischen 2005 und 2025 von etwa 190.000 auf 400.000 gestiegen. Etwa 37 Prozent von ihnen haben die Absicht, in Deutschland zu bleiben und erwerbstätig zu sein. Die Chancen für eine Integration in den Arbeitsmarkt sind hoch. Der demografische Wandel führt in Deutschland zu einem drastischen Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials. Zuwanderung gilt neben einer steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren als zentrale Strategie zur Abmilderung des Fachkräftemangels. Besonders in akademischen Mangelberufen wie Medizin, Lehramt und den MINT-Fächern besteht ein hoher Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften.Der Zugang zu diesen Berufen ist jedoch vielfach an im deutschen Bildungssystem erworbene Abschlüsse gebunden, über die zugewanderte Fachkräfte häufig nur eingeschränkt verfügen. Internationale Studierende nehmen vor diesem Hintergrund eine Schlüsselrolle ein, da sie ihre Qualifikationen bereits in Deutschland erwerben und somit besser an die Anforderungen des hiesigen Arbeitsmarktes angepasst sind. Damit ihr Potenzial genutzt werden kann, ist nicht nur die langfristige Bleibebereitschaft entscheidend, sondern auch die Gründe, warum sich internationale Studierende gegebenenfalls gegen einen Verbleib in Deutschland entscheiden.Der Beitrag untersucht Diskriminierungserfahrungen von internationalen Studierenden in den MINTFächern und der Medizin mit Daten der Studierendenbefragung in Deutschland 2021 und vergleicht diese mit anderen Fächergruppen.3 Wir fragen: Welche Erfahrungen machen internationale Studierende in diesen Fächern mit Diskriminierungen? Mittels logistischer Regressionen zeigen unsere Auswertungen, dass gut ein Fünftel aller internationalen Studierenden Diskriminierung erleben, während 15,6 Prozent der Studierenden mit Migrationshintergrund Diskriminierungserfahrungen haben. Es ist jedoch auffällig, dass sich negative Erfahrungen der internationalen Studierenden in den unterschiedlichen Fächern unterscheiden, wie auch die Erwerbsabsichten. So erleben beispielsweise internationale Studierende in den MINT-Fächern und der Medizin/Gesundheitswissenschaften häufiger Diskriminierung. Vor dem Hintergrund dieser Befunde diskutieren wir abschließend, welche Bedeutung Diskriminierungserfahrungen für die Arbeitsmarktperspektiven von internationalen Studierenden haben.


Effekte von Stereotypen auf die Zusammenarbeit in virtuellen ComputerSupported Collaborative Learning Gruppen

Laura Froehlich, Niels Seidel, Martin Schulze, Jörg M. Haake, Nathalie Bick, Jan-Bennet Voltmer, Sarah E. Martiny, Jana Nikitin, Verena Walpurger, Sören Michallek, Stefan Stürmer (CATALPA, FernUniversität in Hagen)

Fernstudiengänge fördern durch Flexibilität Studienerfolge nicht-traditioneller Studierender. Nicht-Muttersprachler*innen oder Studierende mit Migrationsgeschichte sind häufiger Betroffene negativer Stereotypisierung, was sich in unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und sozialen Positionierungen innerhalb von Computer-Supported Collaborative Learning (CSCL)-Gruppen niederschlägt. Die Unterscheidung in Targets (stereotypisierte Minderheiten) und Perceivers beeinflusst Interaktionsmuster sowie individuelle und kollektive Leistungen (van Dijk et al., 2017). In virtuellen Kleingruppen verstärkt asynchrone Kommunikation die Aktivierung sozialer Kategorien und Stereotype (u. a. Flanagin et al., 2002), was Bildungsdisparitäten fördert. Besonders in heterogenen Gruppen berichten Targets häufiger Stereotypisierungssorgen, geringere Einbindung und reduzierte Beteiligung an Aufgaben (Bick et al., 2024; Froehlich et al., 2024). Gleichzeitig zeigen sich geringere Kohäsion und Leistungen in der Lerngruppe (u. a. Voltmer et al., 2022).Im Einführungsmodul des Psychologie-Bachelors an der FernUniversität in Hagen wurde eine Längsschnittstudie mit vier Messzeitpunkten durchgeführt. Eine kollaborative Schreibaufgabe (Zusammenfassung und Peer-Review eines wissenschaftlichen Artikels) erfolgte im in Moodle integrierten Texteditor. Kommunikation und Beteiligung von Targets und Perceivers wurden mittels Learning Analytics und sozialer Netzwerkanalyse, basierend auf Verhaltensdaten und Selbstauskünften, untersucht.Einbezogen wurden N = 2024 Studierende in 286 CSCL-Gruppen (60 % weiblich, 22 % mit Migrationsgeschichte, 12 % Nicht-Muttersprachler*innen): 25 % wurden als Targets eingestuft (mit Behinderung, chronischer Erkrankung, Migrationsgeschichte, NichtMuttersprache). Zu Semesterbeginn berichteten Targets vermehrt Sorgen um Stereotypisierung, verbunden mit geringerer Motivation, soziale Kontakte zu knüpfen, vermittelt über ein vermindertes Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe. Die Ergebnisse bestätigenfrühere Befunde: In heterogenen CSCL-Gruppen war die Zusammenarbeit weniger eng. Mehrebenenanalysen zeigten, dass Targets unabhängig von Gruppenhomogenität mehr Stereotypisierungsängste äußerten als Perceivers. Interventionsansätze können z. B. angeleitete Kommunikation in der Kennenlernphase (Fast-Friendship-Procedure; Stürmer et al., 2018), Maßnahmen zur Förderung von Gruppenkohäsion und Zugehörigkeit sein.


Studieren ohne Ablaufdatum? Ageism an deutschen HAWs

Frederike Gerdes, Dr. Jessica Ordemann (DZHW)

Demografische Entwicklungen und vielfältigere Bildungsverläufe führen dazu, dass Studierende in Deutschland zunehmend aus unterschiedlichen Lebensphasen heraus ein Studium aufnehmen (Kroher et al., 2023). Unter ihnen befinden sich immer mehr ältere Studierende, die sich hinsichtlich ihrer Lebenssituationen und Bildungswege von jüngeren, Studierenden unterscheiden (Hagelskamp & Bonnen, 2022). Älteren Studierenden können im Hochschulkontext jedoch mit altersbezogenen Stereotypen konfrontiert sein, die auf chrononormativen Erwartungen basieren. Ihr Alter passt nicht zur hochschulischen Bildungsphase, da sie nach gesellschaftlichen Erwartungen bereits arbeiten sollten. Altersdiskriminierende Annahmen können sich in ungerechter Behandlung im Studium äußern und Studienleistungen beeinträchtigen (Hagelskamp & Bonnen, 2022): Ältere Studierende erleben häufiger als ihre jüngeren Kommiliton*innen Diskriminierung und werden häufiger von Arbeitsgruppen ausgeschlossen (Gerdes et al., 2025). Allerdings beschränkt sich die vorliegende Evidenz auf Universitäten und lässt die Frage offen, ob die beobachtete Altersdiskriminierung auch an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) stattfindet.Der Beitrag liefert erstmals eine systematische Untersuchung von Diskriminierungserfahrungen unter älteren Studierenden an HAWs. Grundlage bildet die „Studierendenbefragung in Deutschland“ (2021) (Beuße et al., 2022), deren Stichprobe detaillierte Einblicke in die bislang unterforschte Gruppe älterer Studierender ermöglicht. Analysiert werden sechs Formen altersbezogener Benachteiligung – von Diskriminierung bei Bewertung und Anerkennung von Leistungen über soziale Ausgrenzung bis hin zu verbaler Herabsetzung. Logistische Regressionsanalysen zeigen, dass sich die Wahrscheinlichkeit Diskriminierung zu erleben nicht nach der Art der Hochschule unterscheiden. Allerdings erleben ältere Studierende an HAWs häufiger Beleidigungen und Beschimpfungen als ihre jüngeren Kommiliton*innen. Jüngere Studierende berichten dagegen häufiger von sexualisierten Kommentaren im Studienalltag. Die Ausgrenzung älterer Studierender in Arbeitsgruppen, wie sie für Universitäten gefunden wurde, kann an HAWs nicht beobachtet werden. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels, der wachsenden Bedeutung lebenslangen Lernens und der damit verbundenen stärkeren (Alters-)Diversität der Studierendenschaft sollten Hochschulen verstärkt Strategien gegen altersbezogene Benachteiligung entwickeln. Nur so können diskriminierungsfreie Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Studierenden aller Altersgruppen ermöglichen, erfolgreich zu studieren.

Chair: Marie Lena Muschik (DZHW)

Welche Kompetenzen braucht nachhaltige KI?AI Literacy im Einsatz KI-basierter Entscheidungsunterstützungssysteme

Friedrich Bach, Andreas Seiferth, Ninja Schmiedgen (Universität Münster)

Der Einsatz KI-basierter Entscheidungsunterstützungssysteme gewinnt im Kontext nachhaltiger Transformationsprozesse zunehmend an Bedeutung. Insbesondere in Organisationen außerhalb hochspezialisierter Technologieumgebungen – etwa im Mittelstand oder in beratenden Professionen – wird Künstliche Intelligenz als Instrument zur Verdichtung komplexer Datenlagen, zur Strukturierung von Entscheidungsprozessen und zur Unterstützung strategischer Weichenstellungen eingesetzt. Damit rücken jedoch nicht nur technologische Möglichkeiten, sondern vor allem die damit verbundenen Kompetenzanforderungen in den Fokus.Der Vortrag verbindet eine bildungswissenschaftliche Perspektive auf AI Literacy mit der Analyse eines laufenden Forschungsprojekts zur Entwicklung eines KI-basierten Entscheidungsunterstützungssystems für die nachhaltige Transformation kleiner und mittlerer Unternehmen. Ausgehend von aktuellen Diskursen zu lebenslangem Lernen wird AI Literacy als mehrdimensionale Kompetenz verstanden, die über instrumentelle Bedienkenntnisse hinausgeht und Aspekte des Verstehens von Funktionslogiken, der kritischen Bewertung generierter Ergebnisse sowie der verantwortungsvollen Einbettung von KI in organisationale Entscheidungsprozesse umfasst.Diese theoretische Rahmung wird anschließend anhand des Projekts SusAI konkretisiert, das ein KI-gestütztes System zur Unterstützung von Nachhaltigkeitsentscheidungen entwickelt und erprobt. Am Beispiel der Mensch-KI-Interaktion im Anwendungskontext zeigt der Beitrag, wie sich Anforderungen an AI Literacy praktisch manifestieren, welche Spannungsfelder zwischen Automatisierung und Verantwortung entstehen und wo spezifische Lern- und Qualifizierungsbedarfe sichtbar werden.Der Vortrag leistet damit einen Beitrag zur Diskussion der Rolle von Bildung und lebenslangem Lernen in nachhaltigen Transformationsprozessen, indem er aufzeigt, dass AI Literacy eine zentrale Voraussetzung für den reflektierten und nachhaltigkeitsorientierten Einsatz KI-basierter Systeme darstellt.


Career Entry, Coal Exit:The effects of the green transition on young workers’ labor market trajectories

Nadine Fetsch, Pascal Heß, Vaios Triantafyllou (IAB)

Driven by the European Union’s climate targets, Germany has committed to a rapid coal phaseout and a substantial expansion of renewable energy. Not all occupations are transferable to other sectors, and the extent to which the expansion of renewable energy can offset negative employment effects remains to be seen. It is frequently argued that many workers in this industry are older and will have retired by the time the coal phase-out is completed. Yet this raises the important question of how young workers will be affected. In this paper, we study the effects of the 2014 German coal phase-out policy announcement on young trainees using a difference-in-differences design. We begin by studying firms’ responses in terms of hiring new trainees, comparing firms in the coal supplychain to other ones, within districts containing coal plants. We proceed by providing individual-level evidence, focusing on trainees who were completing their traineeship in either electricity or mining at the time of the announcement. Comparing affected cohorts to non-affected ones, i.e. those who completed their traineeship before and after 2014, to similar trainees in other industries, we estimate the causal impact of the announcement. We first estimate the impact on short-term outcomes, such as training duration, the probability of working in the same industry after training, and the likelihood of pursuing a second traineeship. We then analyze longer-term labor market impacts on those affected trainees such as the probability of being employed at 27, their total earnings by that time, the duration of their first employment, as well as their first employment earnings. Ultimately, we aim to understand how the green transition can affect young individuals who entered the market at the time of the phaseout. To do so, we work with different data sources as the Integrated Employment Biographies, the Establishment History Panel and lists of power generating facilities. We find a significant decline in trainee hiring following the announcement. First short-term results indicate that affected trainees experience shorter training durations and are less likely to remain in the same industry. At the same time the probability of pursuing a second vocational training increases, suggesting adjustment through occupational or sectoral switching.

Chair: Fabian Trennt (DZHW)

Die LERN-Jahrestagung 2026 findet am 05. und 06. März 2026 im

Leibnizhaus
Holzmarkt 5
30159 Hannover

statt und wird vom DZHW ausgerichtet.

An der LERN-Jahrestagung können alle Angehörigen der 29 Mitgliedsinstitute des Leibniz-Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale (LERN) teilnehmen. Da es sich um eine interne Veranstaltung handelt, ist eine Teilnahme durch externe Interessierte leider nicht möglich.

Die Veranstaltungsräume befinden sich nicht am DZHW, sondern im Leibnizhaus.

Adresse:
Leibnizhaus
Holzmarkt 5
30159 Hannover

Der Hauptbahnhof mit Anschluss an den Nah- und Fernverkehr ist vom Leibnizhaus in ca. 10 Minuten zu Fuß erreichbar. U-Bahn (Station Markthalle/Landtag) und Bushaltestelle (Friedrichswall) liegen in unmittelbarer Nähe.

Anreise vom Hauptbahnhof aus (ca. 2 min.): Nehmen Sie die U-Bahnen 3, 7, 9 oder 13 (Richtung Wettbergen, Empelde oder Hemmingen) und steigen Sie an der 2. Station (Markthalle/Landtag) aus. Verlassen Sie die U-Bahn Station in Richtung Marktkirche. Gehen Sie nach der Marktkirche links in die Kramerstraße. Am Ende der Straße finden Sie den Holzmarkt, den Brunnen und die historische Fassade des Leibnizhauses.

Für die Teilnehmenden der Jahrestagung stehen folgende Hotelkontingente zur Verfügung:

CENTRAL-HOTEL-KAISERHOF
Ernst-August-Platz 4
30159 Hannover

Bedingungen:
149,00€ bzw. 119,00€ inkl. Frühstück pro Nacht
Kostenlose Stornierung bis 21 Tage vor Anreise
Buchbar bis 21. Januar 2026

B&B Hannover City
Philipsbornstraße 2
30165 Hannover

Bedingungen:
2 Nächte, 77,90 € inkl. Frühstück pro Nacht
Kostenlose Stornierung bis zur Anreise
Buchbar bis 25. Februar 2026

Die Reisekosten müssen von den LERN-Mitgliedern selbst getragen werden. Eine Erstattung ist nicht möglich.

An beiden Veranstaltungstagen steht in den Pausen ein Catering zur Verfügung.

Sollten Sie doch nicht an der Veranstaltung teilnehmen können, bitten wir um eine kurze Mitteilung via E-Mail an , sodass wir Sie von der Teilnehmendenliste abmelden können.

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